Die dunklen Felle

Krimis, Thriller und Science Fiction

Georges: Im Namen des Katers – Gary Victor

2 Kommentare


Gary Victor – Im Namen des Katers
Verlag: Litradukt
Übersetzer: Peter Trier
168 Seiten
ISBN: 978-3-940435-30-9

 

 

 

 

Inspektor Azémar sitzt an einem fast aussichtslosen Fall. Fast 30 Männer hat der Mörder auf dem Gewissen, doch der Inspektor hat keine Spur, die ihn zum Mörder führt. Das Interesse seiner Chefs, aber auch der Allgemeinheit hält sich allerdings in Grenzen, so nimmt sich der Mörder nur diejenigen vor, die dem Genuss des Kleren, des beliebten und günstigen Zuckerrohrschnapses, aber auch dem Genuss von Katzenfleisch frönen. Für Azémar, der selbst keinem Zuckerrohrschnaps ausschlagen kann, ist es ein Unding Katzen zu essen, aber deshalb haben diese Männer es noch lange nicht verdient, zu sterben. Mitten hinein in diese Untersuchung platzt eine Bitte seines Vorgesetzten Kommissar Dulourd. Eine Freundin von ihm sucht einen Vermissten, möchte aber die Polizei nicht einschalten. Inspektor Azémar soll sich der reichen Dame annehmen und ihr helfen. Überrascht ist er dann aber nicht nur über die 15.000 US-Dollar Anzahlung, sondern auch über die Tatsache, dass der verschwundene Georges ein stattlicher, schwarzer Perserkater ist.

Ach, was ist das nur, was einen an Inspektor Dieuswalwe Azémar so fasziniert? Zwar ist er immer auf der Seite der Armen, Unterdrückten und Gequälten, doch scheut er sich auch nicht davor, mal selbst durchzugreifen, am Gesetz vorbei, die Waffe sitzt locker an der Hüfte. So zum Beispiel mit dem bòkò Landeng, der ihm einen garde, einen Schutzgeist, in den Arm genäht hat. Zum Schutz gedacht, entwickelt dieser sich zu etwas Bösem und Hexer Landeng muss für diese Missetat büßen. Und ein Säufer ist er ja auch, dieser Inspektor Azémar, schmuddelige Wohnung und hin und wieder fragwürdige Gesellschaft inbegriffen.

Aber auch wenn Azémar so seine eigenen Schattenseiten hat, korrupt ist er nicht. Er verdient sich sein Geld auf ehrliche Weise und weiß damit, dass er am unteren Rand der Bevölkerung herumkrebst. Die angebotene Summe von Madamoiselle Lebrenier zur Auffindung ihres Katers Georges kommt daher wie gerufen – ehrliches Geld, völlig rechtmäßig eingenommen, fest eingeplant für die Ausbildung seiner Tochter Mireya. Auch wenn er nicht davon überzeugt ist, die zweite Summe bei Auffindung des Katers einstreichen zu können, so will er doch den Vorschuss ehrlich verdienen.

Azémar glaubt eigentlich gar nicht an Voodoo. Jedenfalls nicht, wenn es ihm in den Kram passt. Und er schimpft über diese Leichtgläubigen, die dem Voodoo anhängen, nennt sie haitianische Spinner. So ist auch die Geschichte, die Georges anhängt eine, über die Azémar nur lachen kann. Der tote Bruder von Mademoiselle Lebrenier soll in Georges wohnen, soll ihm seine Kräfte, Kugeln auszuweichen, vererbt haben. Ein Kater, der den Geist eines unverwundbaren Mannes in sich trägt? Lächerlich!
Nichtsdestotrotz ist das einer der Gründe dafür, dass Georges äußerst beliebt ist und Azémar sich schwer tut, den abgängigen Kater wieder aufzutreiben. Er steigt hinab in den Sumpf aus Verbrechen und Banden, steigt auf in die High Society und gewinnt ein Wetttrinken, wird beschossen und ausgetrickst, ignoriert politische Implikationen und den Rückruf Dulourds, legt sich mit Kolumbianern und Voodoohexen an – alles für die Katz? Mitnichten.

Auch mit dem mittlerweile vierten Teil der Reihe um Inspektor Azémar kann der Autor überzeugen. Haiti, doch eher klein, scheint noch so viele Seiten zu haben, die nicht erzählt sind. Es ist immer noch fremd und geheimnisvoll, die Voodoo Religion ein makaberes, ungewöhnliches Extra in diesem Setting. Voodoo ist immer dabei, nicht wegzudenken und doch immer nur vorgeschobener Grund in den Ermittlungen von Inspektor Azémar. Er zeigt auf, was in Haiti falsch läuft, beleuchtet die Gesellschaft von innen heraus. Die Schneise zwischen Arm und Reich, die Fremden und Reichen, die sich an dem kleinen Land die Nase goldig stoßen. Korruption und Geldgier bis in die untersten Reihen, scheinbar als einzige ehrliche Haut Inspektor Azémar, der wie eine düstere Lichtgestalt durch das Buch berserkert. Es braucht einen Dieuswalwe Azémar, den einzigen, der für die eintritt, die sonst niemanden haben. Da sind seine kleinen Schattenseiten doch Nebensache und auch irgendwie verständlich. Wer kann als einzig ehrliche Haut Voodoo und Korruption schon nüchtern ertragen?

Fazit:
Der Inspektor und der Kater – eine herrlich makabre Ermittlung, die wie immer die Schattenseiten der kleinen Insel aufdeckt und Azémar zu Höchstleistungen bringt. Wie immer ist ein Krimi von Gary Victor ein absolutes Lesevergnügen.
Inspektor Azémar ist und bleibt einer meiner Favoriten im Krimigenre. Bitte mehr davon!

 

 

Und wer Gary Victor mal live erleben möchte, der hat dieses Jahr die Chance dazu, denn er ist in Deutschland auf Lesereise. Folgende Stationen sind noch geplant (die anderen sind leider schon vorbei!):

4. Februar: Regensburg, Haus der Begegnung
5. Februar: Nürnberg, Stadtbibliothek Zentrum
6. Februar: St. Gallen (Schweiz), Kultbau
7. Februar: Mainz, Institut Français 

Ich kann nur sagen, es lohnt sich! Ich durfte Gary Victor bei seiner letzten Reise in Mainz treffen und die Lesung war ein Erlebnis – auch für Französischunkundige!

2 Kommentare zu “Georges: Im Namen des Katers – Gary Victor

  1. Pingback: Challenges 2019 | Die dunklen Felle

  2. „Bitte mehr davon!“, der Bitte/Aufforderung an Gary Victor und auch an dessen deutschen Verleger und Übersetzer Peter Trier schließe ich mich an.

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