Die dunklen Felle

Krimis, Thriller und Science Fiction

Gruseliger Ausflug: Mörderische Renovierung – Edgar Cantero

11 Kommentare


Edgar Cantero – Mörderische Renovierung
Verlag: Golkonda
Übersetzer: Thomas Görden
412 Seiten
ISBN: 978-3946503491

 

 

 

 

Wirklich, ich weiß es nicht. Ich weiß einfach nicht, warum das Buch „Mörderische Renovierung“ heißt. Das ist jetzt kein riesiges Problem, aber der Titel ist irgendwie irreführend und passt nicht – meiner bescheidenen Meinung nach. Im Original heißt das Buch „The Supernatural Enhancements“ und das passt perfekt. Nun, es wird einen Grund für den Titel geben und es ist nun auch wirklich nur eine Kleinigkeit, denn abgesehen vom Titel war das Buch ein ganz wunderbarer Ausflug ins Gruselgenre, denn ich nur jedem empfehlen kann.

Protagonist A. erbt von seinem Cousin Ambrose Wells ein Anwesen, das Axton House. Nicht nur eine große Überraschung, waren A. und Wells nämlich nur Cousins 4. Grades, sondern kannten sich auch überhaupt nicht. A. reist also aus England an, um das Anwesen im Herzen der USA in Besitz zu nehmen, inklusive des beträchtlichen Vermögens, und dort sein weiteres Leben zu verbringen. Ohne Job, sozusagen als Privatier, denn das geerbte Geld ermöglicht das. Mit dabei ist Niamh (gesprochen Nief), eine jugendliche Punkerin, die nicht sprechen kann, aber sehr wohl hört, seine Gefährtin und Beschützerin. Stumm, aber nicht taubstumm. Nun war Wells nicht nur ein Einsiedler, sondern auch sehr sonderbar, desweiteren machen gruselige Geräusche, die Spukgeschichten der Nachbarn und gespenstische Träume das Anwesen unheimlich, wecken aber auch die Neugier der neuen Besitzer.

Es gibt zwei Punkte, an denen ich hier ein wenig rummäkeln muss und über das erste habe ich mich schon ausgelassen, den Titel, aber das Cover hingegen und die Aufmachung des Buches, aber auch die Art, wie der Autor die Geschichte transportiert sind wirklich absolut genial. Das Cover zeigt nicht nur das Anwesen, sondern vereint auch mehrere Elemente, die in dem Buch vorkommen und sich nach und nach offenbaren. Stückchen für Stückchen legen A. und Niamh die obskure Vergangenheit von Ambrose Wells und des Axton Houses frei, doch das gelingt nicht mal eben so. War Ambrose Wells doch in einer okkulten Geheimgesellschaft und liebte Verschlüsselungen, Rätsel und Geheimräume.

Das Buch ist auch kein einfacher, normaler Text. Es besteht aus Tagebucheinträgen, Tonaufnahmen, den Protokollen von Videoaufzeichnungen, Traumjournalen, Briefen, Auszügen aus Fachbüchern und vielem, vielem mehr. Es ist eine ungewöhnliche, aber wirklich spannende Art und Weise, den Inhalt des Buches zu lesen, zu entschlüsseln, ja, fast zu enthüllen. Verschiedene Schrifttypen, manchmal Bilder, vor allem die Rätsel, die A. und Niamh knacken müssen, sind abgebildet. Es macht einen riesigen Spaß, die verschiedenen Textarten zu lesen. Dabei wechselt dann auch die Perspektive, während das Tagebuch aus A.s Sicht geschrieben ist, sind Ton- und Videoaufzeichnungen neutral, fast wie ein Drehbuch. Auch Niamhs Schreibblock ist immer wieder da, ihre einzige Möglichkeit ihre Gedanken anderen Menschen zu vermitteln.

Auch wenn A. der Protagonist ist, ist es doch Niamh, die mich als Leserin fasziniert hat. A. ist ein junger Mann von Anfang zwanzig und… nun ja, recht viel mehr erfährt man von ihm fast schon nicht. Niamh ist 17 und schon allein die Tatsache was sie mit A. überhaupt in diesem Anwesen macht ist rätselhaft. Die beiden machen kein Geheimnis daraus, es kommt aber auch einfach nie zur Sprache. Sie schlafen in einem Bett, aber nicht miteinander. Auch wenn A. der Hausherr ist, älter ist, die Gespräche führt, hat Niamh eine stille, aber sehr starke Präsenz. An ihrem Verhalten gemessen könnten sie Geschwister sein, sind es aber nicht. Dies war ein Rätsel, zwar nur ein kleines, aber eins, welches mich auch das ganze Buch über immer wieder beschäftigt hat.

Ah, die Rätsel! Natürlich hat Axton House einen Geist. Wer hat tatsächlich geglaubt, dass es hier keinen gibt? Aber der Geist ist sozusagen nur das Sahnehäubchen, denn die wirklichen Geheimnisse und Rätsel stecken hinter Ambrose Wells Geheimgesellschaft, doch um diese zu enthüllen, müssen A. und Niamh erst einige derselben lösen. Herrlich! Ich grusele mich nicht so leicht und auch dieses Buch konnte mir keine Gänsehaut verursachen, doch die unheimliche Atmosphäre des riesigen Hauses, im Übrigen mit verwuchertem Garten und Labyrinth ausgestattet, einem geflüchteten Butler namens Strückner, kniffligen Rätseln und Geheimcodes ließ mich zappelig und angenehm gespannt durch das Buch sausen. Die Ton- und Bildaufzeichnungen geben dem ganzen noch einen weiteren unheimlichen Touch, zeigen sie doch oft Szenen in der Nacht, Szenen, in denen nicht gesprochen wird, in denen nur Bewegung stattfindet. Die Erzählungen der Nachbarn, aber auch von einem Mitglied der Geheimgesellschaft machen es nur noch unheimlicher. Die Geschichte ist genial konstruiert und es ist ein Vergnügen, mit A. und Niamh, nach und nach alles zu entschlüsseln.

Leider hat das Finale und dies ist mein zweiter Kritikpunkt,die Geschichte leider zu einem irdischen Ende gebracht. Mal abgesehen davon, dass es recht abrupt kommt und auch ziemlich schnell vorüber ist, war es mir zu real und brutal für die Geschichte. Und mit real meine ich nicht, dass es zu „echt“ war, sondern das es die ganze unheimliche Atmosphäre, welches das Buch gekonnt aufbaut, verpuffen lässt und das Ende irdisch und irgendwie gewöhnlich macht. Für das Ende passt im Übrigen denn auch wieder das „mörderisch“ aus dem Titel, denn der Gruselroman packt ans Ende noch 16 Leichen – mehr als in vielen Krimis so vorkommen, selbst mit Serienmördern. Ich will jetzt nicht sagen, dass das Ende das Buch versaut, aber irgendwie hat es mir einen Dämpfer versetzt. Es war mir zu nüchtern, zu normal – zu ungruselig. Nichtsdestotrotz werden am Ende noch einige ungeklärte Fragen aufgedeckt, allerdings nicht alle. Das wiederum stört mich gar nicht, passt es doch wieder zum größtenteils gruseligen und unheimlichen Buch, bei dem man sich ja doch oft mehr vorstellt, als passiert. Die Fantasie des Menschen ist hier einfach grandios, so dass ich mit den offen gelassenen Fragen hier durchaus glücklich bin.

Fazit:
Ein wundervoller Ausflug ins Gruselgenre, der mir sehr gut gefallen hat. Insbesondere die Gestaltung und der Aufbau des Buches fand ich fantastisch gemacht und muss ich einfach hervorheben, derweil mir aber das Ende des Buches leider nicht ganz so lag.

11 Kommentare zu “Gruseliger Ausflug: Mörderische Renovierung – Edgar Cantero

  1. Ich habe bereits eine andere Kritik dazu gelesen und da war man auch recht angetan von dem Buch. Glaub ich sollte es doch einmal näher in Augenschein nehmen :D

    In Sachen Buchtitel… ach du, … da hatte ich auch schon Werke, wo ich mich echt gefragt hab, was das soll. Vllt konnte man den Originaltitel nicht 1:1 übersetzen, aber dann vllt den engl. Titel nehmen + deutschen Untertitel? Untertitel sind doch eh so beliebt :P

    • Das das Thema übersetzte Titel nicht neu ist, weiß ich und meist geh ich da darüber hinweg. Aber hier ist es mir irgendwie mehr ins Auge gestochen. Vielleicht, weil das Cover und das Buchinnenleben ansonsten so genial zur Geschichte passen, dass ich vom Titel einfach irgendwie enttäuscht war. Aber egal – es ist und bleibt ja trotzdem nur eine Kleinigkeit. Ansonsten ist das Buch wirklich liebevoll gestaltet.

  2. Das Buch steht schon laaange auf meiner Wunschliste und bislang habe ich auch nur positive Eindrücke gelesen. Gerade deine Kritik bezüglich des Endes macht mich ja nun mega neugierig! Und naja, wie oft passt ein Cover nicht zum Inhalt? Da darf auch mal der Titel Reißaus nehmen, hihi

    • Da hast Du natürlich recht – ich denke, der nicht passende Titel ist mir deshalb so aufgefallen, weil der Rest des Covers und der Buchgestaltung so gut zum Inhalt gepasst haben. Das ist wirklich liebevoll und großartig gemacht… da war der Titel dann einfach der große Ausreisser, auch wenn er eigentlich nur eine Kleinigkeit ist.

      • Mir geht es da gerne wie dir! Besonders in Bezug auf die Covergestaltung – sollte schon passen, so auch der Titel – verstehen kann ich dich also (=

  3. Hört sich spannend an, nur den Teil mit den Hör- und Videosequenzen habe ich nicht verstanden: gibt es das Buch nur als eBook oder beschreibt dann jemand was er sieht/hört oder wie funktioniert das? Irgendwie stehe ich da grad auf dem berühmten Schlauch :-)

    • Es gibt das Buch gebunden und als ebook, ob es ein Hörbuch gibt, weiß ich nicht, aber ich könnte mir vorstellen, dass dann der Charme verloren geht. Wobei eine Kombination tatsächlich interessant wäre….

      Die Hör- bzw. Videoaufnahmen sind in Textform wiedergegeben. Ich glaube, das nennt man transkribiert… ein wenig so wie in einem Drehbuch, in dem dann Handlungen beschrieben sind, sowas wie „A. dreht sich um“ (natürlich nur bei den Videosequenzen, die beschrieben sind) und Gesprochenes mit den Namen (wenn bekannt) gedruckt wird, wie z. B.:
      A: Wie geht es Dir?
      Niamh: Gut. Und Dir?
      und so weiter und so fort…
      Zum genaueren Einblick zu meiner, eher unschönen Erklärung, empfehle ich die Leseprobe:
      http://golkonda-verlag.de/cms/upload/bilder/Cantero_Leseprobe_FIN_Einzelseite.pdf
      Auf S. 31 gibt es das erste Videoprotokoll. Wenn man es sieht erklärt es sich bestimmt viel besser.

      • Ah, interessant. Danke für die Erklärung, jetzt kann ich mir das besser vorstellen. Irgendwie fände ich es ja cool, wenn es im Buch direkt Seiten mit eingebetteten Video oder Hörpassagen gäbe. Oder wäre das dann kein richtiges Buch mehr? Ach ich weiß nicht so richtig :-) Auf jeden Fall klingt das Buch hier sehr spannend und vom Stil auch interessant.

        • Ich erinnere mich, dass es mal eine Buchreihe gab, wenn mich nicht alles täuscht auch von einem, der normalerweise Drehbücher schreibt, bei der man auch Filmsequenzen mit QR-Codes oder sowas zwischen den Kapiteln anschauen konnte und durfte. Die waren allerdings, auch hier wenn ich mich nicht täusche, nicht relevant für die Geschichte, sondern nur zur Unterstützung. Das nannte sich dann Digi-Book. Oder sowas in der Art.
          In der Tat fände ich es aber bei „Mörderische Renovierung“ gar keine schlechte Idee, wenn man eben z. B. mit einem QR Code die Hör- bzw. Videosequenzen sehen/hören könnte. Wenn dann allerdings kein transkribierter Text mehr vorkommt, wäre auf jeden Fall ein Hinweis aus dem Buch nötig. Zwar haben mittlerweile viele Internet, aber ja doch nicht alle.
          Aber schöne Idee – so ein Mix aus Buch, Hörbuch/-spiel und Film.

  4. Ich sag‘ nur eins…. Du machst mich fertig!! *Buch auf meine WL schiebe* XD

    • Das ist nur zu empfehlen – das Buch hat mir wirklich gut gefallen. Und auf der Wunschliste geschieht ja erstmal kein Schaden… aber vielleicht schafft es ja bald den Sprung in den SUB? ;-)

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