Die dunklen Felle

Krimis, Thriller und Science Fiction

Verrückt: Das Kainszeichen – Mitra Devi

2 Kommentare

 

Wer meinem Blog folgt, wird wissen, dass ich Mitra Devis Reihe um Privatdetektivin Nora Tabani sehr gerne lese und schon drei Teile der Reihe verschlungen habe. Ehrlich gesagt finde ich es gar nicht schlimm, den ersten Teil einer Reihe direkt bei Erscheinen nicht gelesen zu haben. Auf viele gute Krimiserien stoße ich erst, wenn schon fünf, sieben oder zehn Teile erschienen sind. So ist es auch mit Mitra Devis Krimiserie geschehen und heute stelle ich den vierten Teil der Serie vor. Den vorletzten Teil der Serie. Ein weiterer Teil der Serie ist noch „Der Blutsfeind“, doch danach stoppt die Serie, denn Mitra Devi ist dieses Jahr verstorben.

Nora Tabani erhält einen Hilferuf von Carla Manser. Die Psychiaterin betreut Menschen, die aus der geschlossenen Abteilung entlassen wurden, aber noch in betreuten Wohngemeinschaften zusammenleben. Einer dieser Patienten, Paul Berthold, den sie gerade erst übernommen hat und als der Kainszeichenmörder bekannt ist, ruft sie mitten in der Nacht an und erzählt ihr nicht nur von jemanden, den er gerade getötet hat, sondern auch, dass er sich selbst umbringt, wenn sie nicht kommt. Alleine. Carla Manser verständigt den Klinikleiter und die Polizei, doch macht sich dann auf den Weg zu dem verlassenen Fabrikgelände. Berthold führt sie zur Leiche und Carla Manser muss bestürzt feststellen, dass ihr Exmann Opfer des Kainszeichenmörders geworden ist, bevor die Polizei auftaucht und nicht nur Berthold, sondern auch sie verhaftet. Aus der Untersuchungshaft engagiert sie Nora Tabani, mit der sie eine lose Freundschaft verbindet, und Nora wagt sich in tiefe Wirrungen. In die tiefen Wirrungen einer Nervenheilanstalt.

Nora Tabani ist auch ein wenig froh über den Fall, denn gerade sucht sie gemeinsam mit ihrem Partner Jan Berger nach einem Hündchen, das gekidnappt wurde. Das hier nicht die große Herausforderung wartet ist klar, desweiteren ist es wohl auch schwierig einen kleinen wuseligen Hund in ganz Zürich zu suchen. Nora schickt also Jan auf die Spuren im Netz und unterhält sich mit Mike Salzmann, ihrem ehemaligen Partner bei der Polizei und den alten Freund ihres verstorbenen Vaters. Die Spuren führen zur Klinik Seeblick, in der Berthold untergebracht war, die aber auch Carla Manser als freie Psychiaterin beschäftigte, doch gleichzeitig scheint das Grundstück, auf dem Berthold Carlas Exmann ermordet wurde, von Bedeutung zu sein, da Mark Manser dies verkaufen wollte. Derweil Jan die Spuren außerhalb, hauptsächlich im Netz überprüft, begibt sich Nora in die Seebergklinik. Sie weist sich selbst ein, als Patientin.

Was sie als leicht erachtet, erschüttert sie aber ganz schön, hat sie doch immer noch nicht den gewaltsamen Tod ihres Vaters verarbeitet. Einer der dortigen Psychiater findet denn nun auch gleich den wunden Punkt und Nora muss nicht nur über den Fall viel grübeln. Ein weiterer Anstoß ist das Auftauchen ihrer Mutter, schon bevor sie sich in die Klinik einweist. Diese verlässt freudestrahlend und übersprudelnd ihr selbstgewähltes Exil in Frankreich und verwirrt Nora damit ganz gehörig. Hatte sie bisher keinen guten Kontakt zu ihrer Mutter, kommt sie ihr nun nicht nur völlig anders vor, sondern auch wie eine Freundin. Und doch scheint da noch ein dunkles Geheimnis in der Vergangenheit zu sein.

Die Angestellten und Patienten der Klinik machen es Nora nicht leichter und sorgen für einige unfreiwillig komische Situationen, doch Nora lässt sich von ihren Vorhaben nicht so leicht abbringen. Medikamentengaben und Isolationskammern machen es ihr schwer und mit gesundem Verstand betrachtet, wirken einige dieser Maßnahmen wirklich fragwürdig, wenn auch besser als noch vor vielen oder einigen Jahren. Doch auch wenn einige Situation einen schmunzeln lassen, sind alle Patienten doch arme Tröpfe. Da ist Jay-Jay, die Angst vor außerirdischen Klonkriegern hat, sich aber rührend um Amir kümmert, der denkt, er wäre ein arabischer Prinz. Vor Günter Schwabe haben alle Angst, er am meisten, denkt er doch, dass er ein Monster ist. Oder Eleonora Graf, Noras Zimmernachbarin, die immer wieder Ratten sieht und Angst hat, von ihnen zerfleischt zu werden.

Wie immer hat sich Mitra Devi keine einfache Umgebung ausgesucht, um ihren Krimi zu platzieren. Es dauert ein wenig, bis Nora sich einweisen lässt, zuerst versucht sie alles Mögliche, um den Fall außerhalb der Klinik zu lösen, doch letztendlich führen alle Spuren dorthin. Eine Klinik, eine Klapse, lauter Gestörte und Verrückte – doch eigentlich sind die meisten dann doch harmlos, wenn auch hin und wieder selbstzerstörerisch. Der Klinikalltag war realistisch geschildert, auch wenn ich die Oberschwester Verena Knecht als laufendes Klischee wahrgenommen habe – mit strenger Hand und in den Klinikleiter verliebt. Nora kann sie natürlich schon gar nicht leiden. Jan Berger wächst mit diesem Fall ein wenig über sich hinaus – zwar fühlt er sich immer noch hinter dem PC Bildschirm am wohlsten, doch da Nora in der Klinik ist, kann er ja nicht anders und muss auch mal hinter seinem Bildschirm auftauchen.

Nachdem ich die ersten paar Seiten überwunden hatte – angefangen hatte es mit Carla Manser und Berthold, bei denen ich die Gedankengänge der Psychiaterin schon sehr vorhersehbar fand – hatte mich die Geschichte aber in den Bann gezogen, sobald Nora aufgetaucht war. Ich mag die kleine Privatdetektivin, die sich erst seit einem Jahr am Markt behauptet, aber immer wieder packende Fälle bearbeiten darf. Der Klinikalltag und die Tatsache, dass man keiner Aussage eines Patienten – aber natürlich auch nicht dem Mörder, dem man sucht – trauen darf, macht die Situation im Krankenhaus noch spannender. Mit Nebenfiguren, wie zum Beispiel der türkischen Putzfrau Fatima, die für alle so gut wie unsichtbar ist, aber fast alles sieht, lockert die Autorin die Story auf und füllt sie mit zusätzlichen Informationen, so dass der Leser immer wieder das Gefühl hat, mehr als Nora zu wissen, sich aber doch an der Lösung des Falles die Zähne ausbeißt.

Fazit:
Ein packender Kriminalfall in der Nervenheilanstalt – Nora Tabani lässt sich einweisen und findet nicht nur ihre Abgründe erschreckend. Ein packender neuer Fall rund um die Schweizer Privatdetektivin. Wer die Serie noch nicht kennt, sollte unbedingt hineinlesen!

 

In Gedenken an Mitra Devi (1963 – 2018)

 



Mitra Devi – Das Kainszeichen
Verlag: Unionsverlag
336 Seiten
ISBN: 978-3293206717

 


 

2 Kommentare zu “Verrückt: Das Kainszeichen – Mitra Devi

  1. Eine Reihe, von der ich noch nichts gelesen habe. Ich war sehr an „Der Blutsfeind“ interessiert, der Plot klingt gut. Hast du den schon gelesen?

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