Die dunklen Felle

Krimis, Thriller und Science Fiction

Dreierlei: Der Grenzgänger – Matti Rönkä

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Skandinavische Krimis sind nicht immer so mein Ding. Ja, tatsächlich habe ich bisher keinen Hennig Mankell gelesen, keinen Stieg Larsson und keinen Hakan Nesser, aber ein paar andere haben schon bei mir punkten können. Camilla Läckberg zum Beispiel. Ihre Protagonistin hat aber auch gar nichts gemeinsam mit den düsteren, melancholischen Ermittlern, die man sonst oft in skandinavischen Krimis findet. Nun wollte ich mal wieder einen Skandinavier ausprobieren und bin über Matti Rönkä gestolpert. Einen finnischen Krimiautor, allerdings mit einem russischen Ermittler. Einem russischen Emigranten, den es nach Finnland verschlagen hat, und der dort als Privatermittler arbeitet. Kompliziert? Noch nicht. Aber die verschwundene Frau, die Viktor Kärppä suchen soll, ist Estin.

Sirje Larsson ist verschwunden. Arne Larsson engagiert den Privatermittler Viktor Kärppä, einen russischen Emigranten, der in Hakaniemi, eigentlich Kallio, einem Stadtteil von Helsinki, sein Büro hat. Der macht sich auf die Suche, doch kann erst mal nur wenig rausfinden. Sirje scheint ein recht graues Leben geführt zu haben, sieht man davon ab, dass sie die Schwester von Jaak Lillepuu, einem bekannten Kriminellen, ist. Sirje ist nicht in die Geschäfte ihres Bruders verwickelt, ihr Leben scheint geordnet, aber eben unspektakulär. Neben seiner Suche nach Sirje erledigt Viktor noch andere Aufgaben, übersetzt für einen Autohandel oder erledigt Fahrten für Karpow und Ryschkow, zwei Kollegen oder wohl eher Konkurrenten von Jaak Lillepuu. Natürlich ist Viktor klar, dass die Geschäfte der beiden nicht immer legal sind, doch solange er nichts mit Drogen oder Waffen zu tun hat, ist es ein einträgliches Zubrot für ihn. Doch wo ist Sirje abgeblieben?

Viktor Kärppä ist kein Mann der großen Worte, auch stillschweigend erfährt man so einiges. Er klappert routiniert Sirjes Eltern, Freunde und Bekannte ab, befragt Nachbarn und kommt doch kein Stück weiter. Wie das oft so üblich ist bei Privatdetektiven hat er seinen eigenen moralischen Kompass, so dass er die Erledigungen für Karpow und Ryschkow als ok ansieht. Dass er es trotzdem mit Gangstern zu tun hat, merkt er aber deutlich, selbst wenn er mit Karpow aufgewachsen ist und dieser sich aus Dankbarkeit um seine Mutter kümmert, als diese krank ist, da Kärppäs Mutter sich auch um ihn als Kind immer wieder gekümmert hat. Und dann ist da noch Arkadi, ein russischer Geheimdienstagent, der Viktor eine Aufgabe gibt. Dabei ist Viktor Kärppä kein KGB-Agent, aber nützlich ist er schon.

Der Krimi ist trocken und kühl geschrieben, wenige Worte um Beschreibungen oder Gedanken des Ermittlers, eher seine Taten, seine Suche nach Sirje, aber auch seine Nebenbeschäftigungen stehen im Vordergrund. Wortkarg trifft auch auf Viktor zu, und so erfüllt er damit zumindest ein Vorurteil über Russen und Finnen. Viktor „aktiviert“ einige seiner Kontakte auf der Suche nach Sirje und gemeinsam mit den Gangstern und dem Geheimdienst schwirren hier ganz schön viele Namen durch den Krimi, die ich mir nicht alle merken konnte. Die kriminellen Aktivitäten scheinen sehr rege zu sein, zwischen Finnland, Russland und Estland. Da werden Drogen geschmuggelt, Waffen, Mädchen, Handys, Autos, nun, eben alles womit man Geld machen kann. Dass Viktor dies so locker sieht, machte mir doch ein wenig zu schaffen. Er hat eine klare Grenze, doch die liegt schon sehr im grauen Bereich. Wo hört es auf, wo fängt es an? Klappt der Schmuggel mit einer Sache, klappt er auch mit der nächsten. Und Kriminellen geht es nur um den größtmöglichen Gewinn, so dass Viktor sich bewusst sein muss, dass seine beiden russischen „Freunde“ Karpow und Ryschkow keine Gentlemen-Gauner sind.

Zum Glück kriegt Viktor Kärppa am Ende aber die Kurve. Die Lösung im Fall Sirje Larsson scheint erst gar nicht mehr möglich und fällt Kärppa dann quasi in den Schoss. Allerdings ganz anders als er – und auch ich als Leser – gedacht haben. Man hat als Leser schon mit dem Fall abgeschlossen, man denkt, er wird wohl nicht mehr aufgeklärt. Sirje Larsson bleibt verschwunden, vermutlich tot, vermutlich gut verscharrt oder anderweitig entsorgt, doch so unbefriedigt lässt der Autor seine Leser dann doch nicht zurück. Und ein bisschen was fürs Herz gibt es auch noch, denn Viktor hat eine neue Liebe gefunden. Die verurteilt ihn zwar nicht, muss aber noch lange nicht alles gutheißen, was Viktor macht. Also scheint sie genau die Richtige für ihn zu sein.

Fazit:
Ein finnisch-russisch-karelischer Privatschnüffler begibt sich auf die Suche nach einer langweiligen Estin – ein fast aussichtsloser Fall, der Einblick in die kriminellen Strukturen der drei Länder gibt.

 



Der Grenzgänger – Matti Rönkä
Verlag: grafit
Übersetzer: Gabriele Schrey-Vasara
222 Seiten
ISBN: 9783894256524
Nur noch antiquarisch erhältlich


 

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