Die dunklen Felle

Krimis, Thriller und Science Fiction

Nächtlicher Ausflug mit Schaufel: Dirty Cops – Adrian McKinty

4 Kommentare


Adrian McKinty – Dirty Cops
Verlag: Suhrkamp
Übersetzer: Peter Torberg
392 Seiten
ISBN: 978-3518742143

 

 

 

 

Worum geht es?
Sean Duffy ist gerade mit seiner noch frischen Familie in Urlaub bei seinen Eltern, als er von Crabbie (aka Detective Sergeant McCrabban) einen Anruf erhält, den er zum Anlass nimmt, seinen Urlaub abzubrechen: ein Drogendealer wurde ermordet. Das ist jetzt erst mal nichts außergewöhnliches, doch der Dealer wurde mit einer Armbrust erschossen. Eine unübliche, aber kluge Waffe – Armbrüste sind frei verkäuflich und mit ein bisschen Übung kann jeder damit schießen. Doch wer war es? IRA? Unionisten? Wem stand der kleine Drogendealer im Weg?

 „Ein besserer Ermittler als ich hätte jetzt alles lösen können. Wo war Miss Marple, wenn man sie mal brauchte?“ (Pos. 4974)

Einer wie der andere?
Tatsächlich hat sich bei Sean Duffy einiges getan, er hat jetzt Frau und Kind. Desweiteren konnte er sich nicht vor dem Fitnesstest der Polizei drücken und soll seinen Alkohol-, Zigaretten- und Drogenkonsum einstellen. Na ja, gut. Zumindest herunterschrauben. Nichtsdestotrotz muss er natürlich weiterhin vor jeder Fahrt sein Auto nach Bomben absuchen und sein neuer Fall entwickelt sich zu einem Fall mit weit größerem Ausmaß, ganz wie wir es gewohnt sind.

Opfer, Tat und Täter
Ein toter Drogendealer und seine bulgarische Frau, ein verletzter Drogendealer und ein verletzter Crabbie, ach… alle aufzuzählen macht nun keinen Sinn, nur so viel sei noch gesagt: Die Coronation Road wird neu „gestaltet“ und Duffy darf einen „Ausflug“ machen. Beides wahre Mutproben für den sonst taffen katholischen Haudegen.

Themen
Nur ein Drogendealer, nicht? Doch eigentlich reicht die Geschichte weit in die Vergangenheit, in die Anfangszeiten der Troubles, als die Polizei Hilfspolizisten, unter anderem die B-Specials, einstellte und sich drei Männer wie Gott fühlten. Die drei Männer wurden älter und entwickelten sich in unterschiedliche Richtungen, doch wie das so manchmal ist, man begegnet sich oft zweimal im Leben.

Was war gut?
Sean Duffy ist eben Sean Duffy, ironisch, lakonisch und reichlich hartgesotten. In einer Umgebung wie Nordirland in den 80er Jahren wohl eine der wenigen Art und Weisen, wie man es heil überstehen konnte.

„Nein. Das ist es nicht, Sir. In Ihrem Büro warten zwei Männer.
Was für Männer?
Das wollten sie nicht sagen.
Wie sind sie hereingekommen? Was, wenn es ein Killerkommando der IRA ist oder ein Strip-O-Gramm?
Es sind Polizisten.
Alle Strip-O-Gramme sind Polizisten.
Ich glaube, sie sind von Special Branch.
Also hässliche Strip-O-Gramme.“ (Pos. 4825)

Ganz neben dem unvergleichlichen Sean Duffy kommt aber auch sein Team zur Geltung, eine gute Ergänzung sind der langjährige Mitarbeiter Crabbie und der Neuling Lawson. Das Zusammenspiel der drei hat mir sehr gut gefallen, auch wenn natürlich Duffy schon im Mittelpunkt steht. Der Kriminalfall entpuppt sich wie meist haariger als gedacht und zeigt natürlich Verbindungen in die durchgeschüttelte Geschichte des Landes. Duffy muss wieder einiges durchstehen bis der Fall, zumindest inoffiziell, gelöst ist.

Was war schlecht?
Dieser Teil scheint einen Wendepunkt darzustellen, denn Duffy lebt nun nicht mehr allein und ohne Verpflichtung. Seine „scheiß egal“ Mentalität ist ihm zwar noch nicht ganz abhanden gekommen, aber es gibt eben jetzt zwei Menschen in seinem Leben, die ihm unglaublich wichtig sind: Beth und Emma. Wie es nun mit der Serie weitergeht, wird sich zeigen. Ob sie weitergeht auch. Zumindest einen weiteren Teil erwarte ich noch, aber selbst wenn die Serie endet, wäre das zwar schade, aber ich bin dagegen Pferde zu Tode zu reiten. Vielleicht muss McKinty bald zu neuen Ufern aufbrechen. Ich bin gespannt.

FAZIT:
Ein rasanter, verzwickter Kriminalfall, der natürlich mehr ist als man anfangs denkt und ein irischer Bulle, der sich diesmal tiefer in die Bredouille bringt als je zuvor. Sean Duffy at his best!

 

P.S.:
Da ich diesen Sommer eine Woche Urlaub in Nordirland verbracht habe und das Buch dort gelesen habe, kann ich nun sagen, dass es nochmal ein ganz eigenes Leseerlebnis ist, wenn man mit den Ortsnamen und Entfernungen, aber auch mit dem dort herrschenden Lebensgefühl, etwas verbindet, auch wenn es natürlich Jahrzehnte nach der Zeit der Krimihandlung ist. Man müsste meinen, dass dies bei Krimis, die hier bei mir in der Gegend rund um Stuttgart spielen, auch so ist, aber tatsächlich war es anders. Vielleicht, weil ich bei meinem Urlaub speziell auf bestimmte Orte geachtet habe oder Geschehnisse im Kopf hatte. Wer weiß. Aber egal wie – einen Urlaub in Nordirland mit entsprechender Lektüre kann ich auf jeden Fall empfehlen!

4 Kommentare zu “Nächtlicher Ausflug mit Schaufel: Dirty Cops – Adrian McKinty

  1. So weit ich weiß, hat McKinty für weitere drei Bände schon zugesagt. Ich glaube, da geht auch noch was. Bislang ist kein Niveauabfall erkennbar.

  2. Dirty Cops – Adrian McKinty, den werde ich auch noch ausgraben. Immer ein Genuss, McKinty zu lesen.

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