Die dunklen Felle

Krimis, Thriller und Science Fiction

Rabenschwarz: Ed ist tot – Russel D. McLean

2 Kommentare


Russel D. McLean – Ed ist tot
Verlag: Golkonda
Übersetzerin: Claudia Feldmann
305 Seiten
ISBN: 978-3946503477

 

 

 

 

Schaut man sich so das Cover des Krimis an, ist von Anfang an klar, dass man hier keinen todernsten und tragischen Krimi in der Hand hat. Der Autor stammt ja auch aus Schottland. Zwar trifft man auch hier hervorragende düstere Krimis, doch viele schottische Krimiautoren/innen haben einen rabenschwarzen und überaus unterhaltsamen Humor, der sich einfach gut mit kriminellen Geschichten verbindet. Bevor ich aber darauf komme, möchte ich erst den Golkonda Verlag für seine immer wieder sehr gelungene Buchgestaltung loben. Nicht nur das Cover macht was her, sondern auch innere Gestaltung des Buches kann sich sehen lassen.

Der Autor hat das Buch allen Buchhändler gewidmet und das nicht ohne Grund, war er doch selbst jahrelang Buchhändler. Seine Protagonistin, Jennifer Carter, ist demzufolge auch Buchhändlerin. Tatsächlich ist Jen allerdings recht wenig in ihrem Job anzufinden, denn schon kurz nach Beginn des Buches bringt sie aus Versehen ihren Freund Ed um. Von Ed hat sie sich am Abend vorher getrennt, endlich, nachdem sie schon lange wusste, dass Ed sie nicht glücklich machen würde. Es war eben Gewohnheit. Ed hatte zwar tolle braune Augen, aber eben auch ein paar Nachteile. Nachteile, über die sich Jen erst nach Eds Ableben Gedanken macht, denn was zur Hölle wollte er nachts in ihrem Wandschrank? Und nun trifft Jen die Entscheidung, welche den Verlauf des Buches erheblich beeinflusst, denn sie ruft nicht die Polizei, sondern Eds Mitbewohner Dave an. Als dieser ankommt finden die beiden neben Eds Leiche im Wandschrank eine Tasche voll Geld und eine Tasche voll Drogen. Auch wenn Dave und Jen sich einreden, dass keiner weiß wo die beiden Taschen sind, ist natürlich völlig klar, dass diese Taschen gesucht werden. Aber egal wie – zuerst einmal muss Ed weg.

Und damit beginnt Jens irrwitzige Fahrt, die sie letzten Endes zu einer Kriminellen macht, wenn man es gut meinen will, räumt man ihr ein, dass sie sich ja nur verteidigt. Doch dass Leichen ihren Weg pflastern kann nun niemand abstreiten. Schon bald ist sie auf der Flucht und steigt zu Schottlands meistgesuchter Verbrecherin auf, wobei man ihr auch zugutehalten muss, dass nicht alle Leichen von ihr stammen. Mit gekonnt schottischem Humor lässt der Autor seine Protagonistin auf die Situationen reagieren. Vielleicht nicht so, wie jeder andere Mensch, aber wer weiß, vielleicht so, wie jeder andere Schotte. Überlebenswille und Pragmatismus muss Jennifer Carter schon zeigen, damit sie nicht unter die Räder kommt, eine gehörige Portion Mut und „ist jetzt eh schon egal“-Mentalität verwandeln Ihr Handeln in eine rasante, komische, aber nicht witzige Odyssee durch Schottland.

Wer jetzt allerdings tiefe Einblicke in das Leben eines Buchhändlers erwartet, dem sei gesagt, dass ich hier nicht viel feststellen konnte. Jen kann ihren Job ja eh nur in den ersten Seiten ausüben, danach ist arbeiten für sie unmöglich. Natürlich fallen hin und wieder Verweise zu Büchern, die sie gelesen hat und mit denen sie ihr Leben nun vergleichen kann, aber das kann man als Leser denn auch. Alles in allem ist Jen Carter aber eine Frau wie viele andere auch: sie treibt durch ihr Leben, ist mit einigem unzufrieden und kann sich nicht recht von ihrem Freund trennen, der schon zur Gewohnheit geworden ist. Hätte sie nicht unvermutet ihren Freund versehentlich ermordet, wäre ihr Leben noch Jahre so vor sich hin gedümpelt. Doch mit dem Mord erwacht in Jen ein längst verschüttet geglaubter Willen, ihr Leben nicht den Entscheidungen anderer zu überlassen und sie wehrt sich mit allem was verfügbar ist – auch mit Bratpfannen.

Fazit:
Ein irrwitziger Roadtrip, in welchen sich die unbedarfte Buchhändlerin Jen Carter hinein katapultiert und sich zur wahren Verbrecherkönigin mausert. Gelungene rabenschwarze schottische Komödie über Gauner und welche, die es noch werden sollen!

2 Kommentare zu “Rabenschwarz: Ed ist tot – Russel D. McLean

  1. „… bringt sie ausversehen ihren Freund Ed um“ – alleine dieser Satz verführt zum lesen wollen :D

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