Die dunklen Felle

Krimis, Thriller und Science Fiction

Ich und Ich: Neondunkel – Solveig Engel

9 Kommentare


Solveig Engel – Neondunkel
Verlag: Selfpublisher / Neobooks
546 Seiten
ISBN: 978-3742756596

 

 

 

 

Drei Universitätsprofessoren erhalten für ihr gemeinsames Projekt den Nobelpreis in Physik. Ein Projekt, an dem auch Dr. Melanie Glanz mitgearbeitet hat. Stolz verfolgt sie die Verleihung im Fernsehen mit. Als dann kurz darauf, erst der eine ihrer Mentoren an Leberversagen stirbt und wenig später der zweite an einer natürlichen Todesursache stirbt, kommt sie aber doch langsam ins Grübeln. Waren es wirklich natürliche Todesursachen oder hat diese jemand bewusst herbeigeführt?

Ich habe tatsächlich noch nie ein Buch gelesen, in dem es von der ersten Seite bis zur letzten Seite um ein physikalisches Experiment geht, von dem man niemals erfährt, welchen Zweck es eigentlich erfüllt. Nun ja, zumindest ich als Laie konnte das nicht erkennen – vielleicht verrät ja der Aufbau des Experiments Physikern, worum es geht. Das ist aber auch gar nicht wichtig, denn das Experiment, welches Dr. Melanie Glanz, die Protagonistin, gemeinsam mit ihren Mentoren und weiteren Mitarbeitern durchführt, bietet nur den Hintergrund, die Kulisse, um die Handlung richtig zu verpacken. Nichtsdestotrotz fand ich die Beschreibung überzeugend. Lange Stunden im Labor, viel Dokumentation und Resultatüberprüfungen, Nachtschichten und Pizzaschachteln – an was denn nun an der Bochumer Uni geforscht wird, ist gar nicht so wichtig. Denn eigentlich geht es doch darum, wer die beiden Mentoren ermordet hat. Oder waren es doch nur Unfälle?

Dr. Melanie Glanz, von allen nur Mel genannt, ist eine unkomplizierte, introvertierte Frau, die eigentlich nur in Ruhe forschen möchte. Die Physik hat es ihr angetan, hier fühlt sie sich wohl, hier blüht sie auf. Dass sie hier oft im Schatten hinter ihrem Mentor die entscheidenden Impulse gibt, fällt nicht nur ihrem ehrgeizigen Vater auf. Das Verhältnis zu ihm ist angespannt – er sieht Melanie in leitender Position. Als ihr Mentor dann stirbt übernimmt Mel auch provisorisch die Geschäfte der Professur – Vorlesungen, Vorträge, administrativen Kram – und zerreibt sich fast zwischen allen Stühlen. Das stresst sie, aber nach und nach (und nach einigen Fettnäpfchen) meistert sie auch die öffentlichen Vorträge und Vorlesungen. Nichtsdestotrotz ist alles schlicht viel zu viel und man sieht und merkt es ihr mehr und mehr an. Erinnerungslücken und Blackouts machen ihr zusätzlich zu schaffen, ganz neben der Frage: wem kann sie eigentlich in ihrem eigenen Team trauen?
Über die zweite Protagonistin Anni, ein 8jähriges Mädchen mit Zöpfen, möchte ich nicht viele Worte verlieren, aber sie hier zumindest kurz erwähnen, denn die Handlung dreht sich nicht nur um Mel alleine. Dies ist auch grafisch gut abgeteilt, denn Annis Passagen sind in Fettschrift gehalten.

Tatsächlich finde ich die Einordnung „Thriller“ für das Buch unpassend. Mit einem Thriller verbinde ich doch wesentlich mehr Aktion und vor allem mehr, dramatischere Spannung, ein getrieben sein von Spannung. Das war hier einfach nicht der Fall. Letztendlich ist es wohl schwierig eine Schublade zu finden  und ich kann mir vorstellen, dass das Buch an Erwartungen von Lesern als Thriller scheitert. Für mich ist es ein Spannungsroman und erfüllt damit wunderbar alle meine Erwartungen. Ein Buch, welches leise, aber kontinuierlich Spannung aufbaut, ohne Spitzen, aber den Leser immer im Unklaren lässt. Das Buch spielt mit den Gedanken des Lesers, fragt sich gemeinsam mit Mel, was Wahrheit, was reine Paranoia ist, man zweifelt gemeinsam an mehreren Personen und an sich selbst, bis man sich auf quasi zwei Persönlichkeiten einspielt, aber nie genau sagen kann, wer es denn nun letztendlich war. Und genau dieses hin und her pendeln, diese Unsicherheit Mels, aber auch des Lesers, macht die Spannung an diesem Buch aus.

Fazit:
Ein Buch mit leiser Spannung, welches mit den Gedanken, Blackouts und Verwirrungen der Protagonistin, aber auch des Lesers spielt. Und ganz nebenbei einem die Physik näher bringt. Gelungen!

9 Kommentare zu “Ich und Ich: Neondunkel – Solveig Engel

  1. Ein interessanter Einblick in das Buch! Ich hatte eine Leseprobe dazu gelesen und war nicht vollends abgeneigt, aber auch nicht direkt „Muss ich lesen“ und der liebe SuB und die Zeit wollen irgendwie auch noch ein Wörtchen mitreden :D

    Leise Spannung mag ich, aber ich weiß nicht recht, ob das Buch mich überzeugen könnte …

    • Also ich lass mich davon ja nicht abschrecken, ob mich ein Buch nur in etwa anspricht… :-D
      Aber das sieht man meinem SuB eben auch an.

      Was soll ich sagen, letztendlich liegt die Entscheidung bei Dir. Vielleicht hilft ja, dass die Autorin mit dem Buch den Indie Autor Preis der LBM18 bekommen hat? Das ist doch eine tolle Auszeichnung für das Buch und spricht dafür, dass ich mit meiner guten Meinung zumindest nicht allein dastehe. :-)

      • Hach doch, eben aufgrund des SuB überlege ich aktuell echt zweimal … was dennoch keinen Abbau bewirkt, egal wie viel ich von diesem Stapel lese oder höre :D

        Nee, irgendwelche Auszeichnungen locken mich nicht zum Kauf ;) aber ich behalt den Titel mal im Hinterkopf.

  2. Als Naturwissenschaftler interessiert mich natürlich auch „das Experiment“. Du hast sehr gut beschrieben, warum dieses Buch nicht einfach in einer Genreschublade abgelegt werden kann. Du schreibst auch vom Pendeln und ein Pendel hat mit Physk zu tun. Dieses Pendeln von einer Seite mit dem größten Ausschlag bis zur anderen ist Solveig Engel gut gelungen.

    • Ha – danke für die Verknüpfung! Die ist mir tatsächlich gar nicht aufgefallen als ich das Wort „pendeln“ benutzt habe, aber das passt ja wunderbar!
      Hast Du das Buch denn auch gelesen? Dürfen wir bald dazu Deine ausführliche Meinung lesen?

  3. Auf den Roman bin ich auch durch den Indie-Preis aufmerksam geworden, also zumindest ist es mir in diesem Zusammenhang aufgefallen. Spannend, jetzt deine Einschätzung dazu zu lesen!

    • Danke… ich bin ja durchaus geneigt, auch mal Selfpublisher zu lesen – da verstecken sich gewiss auch ganz viele Perlen. Aber drauf los lesen ist ja nun nicht so einfach bei der Masse, die es gibt. So ein Preis schafft da doch einen kleinen Anreiz – zumindest für mich.

      • Ja, mir fehlt da auch immer die Orientierung. Und ich finde nur sehr selten etwas, das mich interessiert, weil vieles doch in die Richtung geht, die ich auch von Verlagen nicht mehr wirklich lese. Aber hier finde ich schon den ersten Eindruck echt gelungen.

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