Die dunklen Felle

Krimis, Thriller und Science Fiction

Polittalk: Der Preis des Todes – Horst Eckert

7 Kommentare


Horst Eckert – Der Preis des Todes
Verlag: Rowohlt
413 Seiten
ISBN: 978-3805200127

 

 

 

 

Tatsächlich ist es jetzt schon wieder ein paar Tage her, dass ich Horst Eckerts neuesten Wurf gelesen habe. Da muss ich immer kurz inne halten und nachsinnen, was mir im Gedächtnis geblieben ist. Natürlich ist es besser, wenn einen das Buch nachhaltig beschäftigt, doch trifft das nicht immer zu. Nichtsdestotrotz ist mir bei diesem Krimi sofort das Thema wieder präsent gewesen. Der Thriller ist ein Stand-Alone um die Talkmasterin Sarah Wolf.

Sarah Wolf konkurriert mit Anne Will und Maybrit Illner in ihrer eigenen Polit-Talkshow. Privat ist sie mit Staatssekretär Christian Wagner liiert, eine Beziehung, die beide vorerst geheim halten. Kurz nachdem Vorwürfe von Lobbyismus gegen Christian laut werden, in denen ihm eine zu enge Verbindung zum Pharmakonzern Sanax vorgeworfen werden, wird er tot in seiner Wohnung aufgefunden. Sarah will nicht glauben, dass Christian Selbstmord begangen hat und beginnt auf eigene Faust zu ermitteln, wer hinter Christians Ermordung stecken könnte.

Das hört sich jetzt erst mal vielleicht ein wenig unaufgeregt an, doch schon bald führen die Spuren Sarah nach Kenia, genauer gesagt ins Flüchtlingslager Dadaab. Das Lager, eigentlich eine Stadt, die allerdings keiner will, ist gewachsen wie ein Geschwür. Sanax zeigt Engagement und unterhält in Dadaab ein Krankenhaus. Sarah ermittelt also nicht nur in Deutschland, sondern unternimmt auch eine Reise nach Kenia.

Kriminelle Machenschaften, in die Politik wie Wirtschaft gleichermaßen verwickelt sind, ein Schandfleck in Afrika, wo keiner so genau hinguckt und eine Frau, die sich eigentlich sicher ist, den Mann, den sie liebt, zu kennen. Oder?
Gekonnt verwebt der Autor auch hier wieder aktuelle und brisante Themen, ohne dass man dieser überdrüssig wird. Ist die Flüchtlingsdebatte in Deutschland schon über alle Maße ausgereizt, strickt er eine spannende Verwicklung von Wirtschaft und Politik und geht zurück zum Ursprung.  Flüchtlinge sind kein europäische Phänomen, Flüchtlingslager gibt es überall. Und sind bei uns hauptsächlich die Schleuser bekannt, die mit den Flüchtlingen das schnelle Geld machen, so gibt es auch noch andere vorstellbare, kriminelle Szenarien. Eines davon präsentiert Herr Eckert hier sehr gekonnt, wie immer fantastisch recherchiert und spannend verpackt.

Quasi als Nebeneffekt zeigt er wie eine Polit-Talkshow hinter den Kulissen der deutschen Fernsehlandschaft funktioniert: Abhängigkeiten von Quote und Politik, Geltungsbedürfnisse und Konkurrenzdenken. Die Polit-Talkshows sind ein hart umkämpftes Geschäft. Und auch hier weiß der Autor wovon er spricht, war er doch selbst jahrelang Fernsehjournalist.

Einzig Sarah Wolf scheint hier ein wenig farblos zu wirken. Zwar repräsentiert sie gekonnt die Talkshowmasterin, stellt die richtigen Fragen und findet Zusammenhänge auf der Suche nach Christians Mörder, doch im Gedächtnis ist sie mir nicht haften geblieben. Da muss ich sagen, dass Vincent Veih, sein Protagonist aus z. B. „Wolfsspinne“, wesentlich mehr Eindruck hinterlassen hat. Ist aber egal, denn Horst Eckert schreibt einfach sau-gute, wahnsinnig spannende Thriller rund um politisch brisante und aktuelle Themen.

Fazit:
Ein weiterer Geniestreich des Autors, in dem er Lobbyismus, Flüchtlingspolitik und Wirtschaftskriminalität gekonnt miteinander verbindet und in einen spannenden Kriminalfall packt. Horst Eckert ist ein Autor, den man sich immer und ohne Ausnahme vormerken muss!

7 Kommentare zu “Polittalk: Der Preis des Todes – Horst Eckert

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  3. Ich habe von Horst Eckert noch kein Buch gelesen und habe das Gefühl, ich sollte das dringend ändern. Die Themen sind ja gerade hochaktuell und die Kombination mit einem Kriminalfall trifft genau meinen Lesegeschmack. Ich hab mir nach Deiner begeisterten Rezension das Buch mal auf die Leseliste gepackt, denn ein guter (Polit-)Triller geht immer!
    LG Gabi

    • Das ist bestimmt kein Fehler – und als „Horst-Eckert-Einstieg“ eignet sich dieser Stand-Alone ganz bestimmt.
      Ich hab als ersten Horst Eckert den dritten Teil der Vincent Veih Reihe gelesen – da würde ich im Nachhinein empfehlen, mit dem ersten Band zu beginnen. Die Fälle sind zwar alle abgeschlossen, aber die privaten Verwicklungen beginnen schon früher und man nimmt sich damit ein kleines Bisschen die Lesefreude, wenn man dann Band 1 und 2 erst nach 3 liest, vermute ich mal. Bei mir stehen Band 1 und 2 schon bereit, aber sie sind noch nicht gelesen.
      Grüßle, Tina

  4. Ach, Mensch, da gewinnt man mal so ein tolles Buch und nun subt es rum… muss es endlich mal von dort befreien!

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