Die dunklen Felle

Krimis, Thriller und Science Fiction

Karibisches Flair: Unbescholtene Bürger – Raphaël Confiant

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Raphaël Confiant – Unbescholtene Bürger
Verlag: Litradukt
Übersetzer: Peter Trier
194 Seiten
ISBN: 978-3940435217

 

 

 

 

Ich bin ja ein großer Gary Victor Fan. Aber so sehr ich den Litradukt Verlag schätze, bisher konnte mich noch kein weiterer der dort verlegten Autorinnen und Autoren reizen. Ich bin eben ausgemachter Krimi-Fan und zumeist können nur diese mich locken. Und nun das – ein neuer Krimi samt unbekanntem Autor bei Litradukt. Und diesmal eine andere Insel: Martinique. Die Lektüre wird einem dann noch mit den Worten pikant, würzig und deftig „schmackhaft“ gemacht. Ein Krimi wie ein Leibgericht?

Jack Teddyson, der eigentlich Raymond Vauban heißt, ist Privatdetektiv auf Martinique. Gar nicht so einfach, auf einer Insel, auf der jeder jeden kennt und kaum jemand etwas geheim halten kann. Doch als ein Fabrikant ermordet wird und die Polizei keinen Mörder finden kann, bittet dessen Frau, Madame Ferdinand, Teddyson um Hilfe. Notorisch abgebrannt und auch nur mit kläglichen Fällen betraut, nimmt dieser den Fall natürlich an. Doch der Unternehmer hatte viele Geheimnisse und nach und nach mehren sich die Verdächtigen auf der Liste. Doch welcher dieser „unbescholtenen“ Bürger hat den Mann auf dem Gewissen?

„Als Privater in einem Land zu arbeiten, in dem es praktisch kein Privatleben gibt, ist schon eine Leistung, das schwöre ich. […] Jeder weiß, wer wer ist und wer was macht.“ (S. 8)

Ach, ich liebe Privatdetektive. Und ja, auch Jack Teddyson konnte mich für sich gewinnen. Die Basis bilden auch hier bestimmt die“Private Eyes“ der Klassiker von Chandler und Hammett, doch so ganz lässt sich der Vergleich nicht herstellen. Teddyson ist eine Plaudertasche, also mit dem Leser, nicht zu den Charakteren, und er ist herrlich schräg. Sein Leben betrachtet er nüchtern, aber mit einer gehörigen Portion Selbstironie. Zugleich ist er ein Liebhaber literarischer und philosophischer Werke, sowie ein Liebhaber der – na klar, Frauen. Noch hat er keine dauerhaft an sich binden können (oder wohl eher umgekehrt) und auch sein Frauenbild ist eher fragwürdig, aber da schmunzelt man einfach darüber hinweg. Karibischer Gelassenheit und ausreichend Humor sind wohl sein Credo fürs Leben. Und auch mit weltlichen Besitztümer hat er es nicht so – das neueste und schönste Teil in seinem Besitz ist das Schild der Privatdetektei, während das Haus selbst baufällig und das Auto schrottreif ist. Doch das soll sich ja mit dem jetzigen Fall ändern!

Sésostris Ferdinand war nun aber nicht nur Unternehmer. Nachdem Teddyson seine Nachforschungen beginnt, findet er heraus, dass dieser illegales Glücksspiel betrieb, aber auch in der Politik zugange war. Umso mehr Leute Teddyson ausfragt, umso mehr Verdächtige sammelt er ein, die er später aber doch wieder streichen muss. Es ist ein munteres Spielchen, welches zeigt, dass die sogenannten unbescholtenen Bürger eben doch nicht immer so unbescholten sind, wenn auch ihre Geheimnisse meist keine sind, sondern sich eben doch mit der Flüsterpost über die Insel verteilen. Und zumeist sind sie doch auch unschuldig, der Detektiv muss einige Fehlschläge einstecken. Natürlich wird es auch gefährlich für Jack Teddyson, so dass er zumindest weiß, dass er eine richtige Spur verfolgt. Welche dies ist, bleibt ihm allerdings lange unklar, bis er dann doch noch über den entscheidenden Hinweis stolpert.

Martinique ist elementar, aber nicht plakativ in den Krimi eingearbeitet. Es ist kein Urlaubskrimi. Hier werden einem keine Landschaftsbeschreibungen ums Ohr gehauen oder kulinarische Spezialitäten auf jeder zweiten Seite präsentiert, nein, das nicht, auch wenn die „Werbung“ einen das vermuten lässt. Vielmehr sprechen die Leute, die Charaktere, für die Insel. Die Kultur offenbart sich nebenbei, im Verhalten, in den Gesprächen, den Gesten der Leute. Der Krimi zeigt die Insel so, wie es sich jeder im Badeurlaub erhofft, aber kaum jemals erreicht.

„Das ist ein beschissener Job in einer beschissenen Stadt. Schön ist nur das Umland: Kolibris, Flammenbäume, Sonnenuntergänge, blaues Meer.“ (S. 7)

Fazit:
Das Buch gewährt einen tiefen Einblick in die martiniquische Kultur mit einem humorvollen Blick durch Jack Teddysons Augen. Und einen spannenden, verwinkelten Kriminalfall gibt es noch oben drauf. Ein sehr gelungener Krimi!

4 Kommentare zu “Karibisches Flair: Unbescholtene Bürger – Raphaël Confiant

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  3. Großartiger Krimi

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