Die dunklen Felle

Krimis, Schafe – und Felle.

Jugendlich: Wie Wölfe im Winter – Tyrell Johnson

6 Kommentare


Tyrell Johnson – Wie Wölfe im Winter
Verlag: HarperCollins
Übersetzer: Urban Hofstetter
350 Seiten
ISBN: 978-3959671323

 

 

 

 

Schon komisch, wie unterschiedlich doch Menschen, und ja, auch Protagonistinnen sein können. Erst vor ein paar Tage habe ich die Rezension zu „Am roten Fluss“ mit der 19jährigen Protagonistin Cash veröffentlicht und niemand würde auf die Idee kommen, dieses Buch mit den Worten Coming of Age zu kommentieren und Cash ist der Pubertät vermutlich schon entwachsen gewesen bevor sie sie überhaupt betreten hat. Im vorliegenden „Wie Wölfe im Winter“ ist die Protagonistin Lynn schon 23 Jahre alt, doch scheint sie noch mitten in der Pubertät zu stecken, was man deutlich an ihren Handlungen, aber auch Gedankengängen gut erkennen kann.

„An dieses eisige Eck im Yukon war ich doch total verschwendet.“ (Lynn, Seite 56)

Kann man das Ende der Welt denn nun zu Lynns Gunsten auslegen? Lässt sich ihre späte Entwicklung dadurch erklären, dass sie ein Kind war, als die Kriege begannen, die Atombomben flogen und die Welt begann unterzugehen? Oder dass sie erst in der Pubertät war, als die sogenannte „Asiatische Grippe“ eben nicht nur Asien auslöschte, sondern sich auf alle Kontinente verteilte und Lynns Familie in den Norden geflohen ist? Oder hätten nicht die nächsten Jahre, welche die Familie weiter in den Norden getrieben hat, in den Yukon, und sie dort zu Jägern und Selbstversorgern hat werden lassen, Lynn quasi ins Erwachsenenalter katapultieren sollen?

Na, anscheinend nicht. Auch wenn ich das logischer gefunden hätte. Denn Schicksalsschläge lassen Menschen altern, Erfahrungen schaffen Furchen und Falten im Leben. So ist Lynn, die tagsüber mit ihrem Bogen Tiere jagt und Fallen aufstellt, nicht so taff wie sie nach außen gerne erscheinen will, sondern ein Teenager geblieben. Und so ist denn auch der geheimnisvolle Fremde, der plötzlich in ihrer kleinen Siedlung auftaucht, in welcher sie seit Jahren fast nur mit Familienmitgliedern lebt, natürlich nicht nur als solches interessant sondern wird auch zum Objekt der Begierde. Wer mich nun ein Weilchen kennt, weiß, dass ich mit Liebesgeschichten in Krimis, Thrillern, Dystopien u. ä. nichts anfangen kann, aber es mag ja Leute geben, die das mögen und diese sind hier dann genau richtig aufgehoben.

Die Lektüre war kurzweilig und einfach, was ich im Coming of Age Bereich allerdings auch erwarte. Einen absoluten Pluspunkt verdient der Yukon, der als eisige und sehr spannende Kulisse dient und recht gut umgesetzt wurde. Der lange Winter, der kaum vorhandene Frühling sowie der Schnee ohne Ende werden mit Kleinigkeiten ergänzt, wie Kartoffeln und Karotten, die dem Boden in kurzer Zeit abgetrotzt werden, den drei übrig gebliebenen Tiere, die  auf Fleischernährung umgestellt werden mussten oder auch dem täglichen Jagen und Einlagern von Nahrung.

Im Übrigen verrate ich mit der Liebesgeschichte denn nun auch nicht zu viel, denn die ist so vorhersehbar wie Lynn noch in der Pubertät ist. Dies ist leider denn auch über weite Strecken für das gesamte Buch zu sagen, denn viele Überraschungen hält es für geübte Leser nicht bereit. Wem das alles nun gut gefallen hat, der kann sich auf weitere Teile freuen, denn das Ende ist so gestaltet, dass man locker eine Trilogie oder wahlweise auch noch mehrere Teile daraus stricken könnte. Mich konnte das Buch nun aber nicht überzeugen, so dass für mich die Geschichte abgeschlossen ist.

Fazit:
Hervorzuheben ist der Yukon, der eine spannende, eisige Kulisse bildet, doch ansonsten bietet das Buch nur eine Standard-Dystopie ohne Überraschungen, dafür mit einer noch sehr jugendlichen Protagonistin.

Andere Meinungen:
Und so ganz allein stehe ich denn nun nicht mit meiner Meinung, denn Iris vom Blog der Schurken meint in Ihrer Rezension: „Ohne mich. Einmal Yukon und zurück hat mir gereicht.“

 

6 Kommentare zu “Jugendlich: Wie Wölfe im Winter – Tyrell Johnson

  1. Da bin ich beruhigt, denn ich hatte es bereits in der Vorschau ähnlich wahrgenommen bzw. ähnliches vermutet. Einen Titel weniger, der mein strapaziertes Konto belastet. 😀

  2. Vielen lieben Dank für die Verlinkung!

    Von dieser Dystopie hatte ich mir wohl zu viel erhofft. Ich fand sie derart vorhersehbar, dass mich irgendwie nix überraschen konnte. Und zudem auch ziemlich langweilig aufgebaut. *gähn*

    Ich denke auch, dass daraus eine Reihe gemacht wird. Der Schluss deutet sehr klar darauf hin ;-).

    • Immer gerne – ich sollte und möchte viel öfter verlinken, aber ich denke leider nicht oft daran. 🙂

      Ich gebe zu, ich hatte fast befürchtet, dass die Dystopie nichts für mich ist, aber letztendlich weiß man es halt doch erst, wenn man das Buch gelesen hat.

  3. Pingback: Tyrell Johnson: Wie Wölfe im Winter – der BLOG der SCHURKEN

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