Die dunklen Felle

Krimis, Thriller und Science Fiction

Sonnensattes Weizenland: Am roten Fluss – Marcie Rendon

9 Kommentare


Marcie Rendon – Am roten Fluss
Verlag: Argument
Übersetzerinnen: Laudan & Szelinski
214 Seiten
ISBN: 978-3867542296

 

 

 

 

Mit dem Schlagwort „Country Noir“ ist dieser Krimi in der Verlagsvorschau des Argumentverlages aufgetaucht. Und gespannt wie ein Flitzebogen war ich, denn es ist doch selten bzw. fast unmöglich, über eine Autorin zu stolpern, die dieses Genre bedient. Und bevor nun jeder über mich herfällt – ich kenne zumindest keine andere Autorin aus dem Country Noir, die ins Deutsche übersetzt wurde und den englischsprachigen Raum kenne ich so gut wie gar nicht, so dass man mir hier lieber Tipps geben sollte, wenn denn welche bekannt sind, als sich darüber zu mokieren. Und auch wenn der (eben zumeist männliche) Country Noir von vielen meiner geschätzten Krimibloggerkollegen hoch gelobt wird, mich konnte er bisher nicht abholen. Jetzt also ein Versuch mit Autorin und Protagonistin – von meiner Seite aus ein gelungener Versuch!

Zugegebenermaßen ist die Protagonistin Renee Blackbear, von allen nur Cash genannt, ein kleiner Wildfang. Ungestüm und eigensinnig boxt sie sich schon seit Jahren alleine durchs Leben, von Pflegefamilie zu Pflegefamilie geschoben und als Arbeitskraft missbraucht, so dass es nicht verwundert, dass Cash alsbald auf eigenen Beinen stehen will. Im Weizengürtel gelingt dies mit harter Arbeit auf den Weizenfeldern – zumindest wenn man nicht heiraten und Farmersfrau werden will. Da der Weizen aber nun nicht immer Saison hat, poliert die Neunzehnjährige ihr Gehalt mit Poolturnieren auf, bei denen das Bier zwar massig fließt, aber Cash eben auch ihrem Spitznamen gerecht wird und mächtig einsackt. Sie ist etwas zwischen Göre und alter Frau, rotzfrech, aber arbeitsam hat sie sich den Respekt der Arbeiter verdient. Sie kann zupacken und gehört – auf dem Feld – zu den Männern. In anderen Bereichen sieht das schon wieder anders aus.

Mit dazu schwingt natürlich ihre indianische Herkunft. Diese spielt auch eine Rolle, als die Leiche eines Indianers auf einem abgeernteten Feld auftaucht. Nicht nur Cash ist interessiert, sondern auch der Sheriff erhofft sich ihre Mithilfe. Hier muss ich erwähnen, dass sich der Kriminalfall nicht als sonderlich knifflig herausstellt und die Verbrecherjagd auch eher in Grenzen hält, doch hervorragend gelingt es der Autorin die Zerrissenheit und Zwiespälte zwischen Weißen und Indianern aufzuzeigen. Die Indianer, die in Reservaten leben und zum Arbeiten zu den Farmen fahren und ihre Familien zurücklassen, die Kultur aber auch die Alkoholabhängigkeit, an der auch Cash nicht wenig leidet, die zerrissenen Familien und zertrampelten Traditionen, die Vorurteile – all das findet sich in der Krimigeschichte, aber auch in Cash. In ihrer eigenen Geschichte, aber auch in der ihrer Mutter.

Neben Cash ist definitiv – und das gehört sich dann auch so in einem Country Noir – das Land die zweite, aber gleichrangige Protagonistin. Wenn man ein Buch liest und man schon fast das Spreu aus den Seiten fliegen sieht, die glühende Hitze spürt und den Geruch von Schweiß nach harter Arbeit riechen kann, dann, ja dann ist eine Landschaft beim Leser angekommen. Weite, unendliche Weizenfelder, ein paar verstreute Orte, staubige Straßen, aber eben auch hartarbeitende Menschen, die dem Land alles abtrotzen, die abends in die ortsansässige Kneipe gehen und ansonsten nicht viel Lebensinhalt zu haben scheinen – dieses Lebensgefühl in einem so dünnen Buch verpackt zu kriegen, lässt einen durch den Text fliegen, neben der raubeinigen Cash, und den einfachen Krimifall wohlwollend ab nicken, weil er einfach grandios verpackt ist.

Fazit:
Kriminalistisch einfach gestrickt, dafür mit zwei Protagonistinnen, die einen umhauen: Cash, die rebellische Indianerin, und der sonnendurchtränkte Weizengürtel zwischen Dakota und Minnesota. Endlich ein Country Noir nach meinem Geschmack!

 

 

 

9 Kommentare zu “Sonnensattes Weizenland: Am roten Fluss – Marcie Rendon

  1. Deine Besprechung scheint meine Erwartungen zu bestätigen. Freue mich schon darauf „Am roten Fluss“ zu lesen – aber Ariadne ist eh seit Jahren ne sichere Bank.

  2. Sehr gut beschrieben: das Land als zweite Protagonistin!

  3. Pingback: Marcie Rendon: Am roten Fluss | KrimiLese

  4. Tolle Buchbesprechung! Freue mich umso mehr auf das Buch und besonders auf die zwei Protagonistinnen ;-).

  5. Wenn man ein Buch förmlich fühlen kann, ist das für mich ein fetter Pluspunkt. Ist vorgemerkt :3

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