Die dunklen Felle

Krimis, Thriller und Science Fiction

Heißes Pflaster: Sommerfrische – Harald Schodl

3 Kommentare


Harald Schodl – Sommerfrische
Verlag: Text/Rahmen
368 Seiten
ISBN: 978-3950434361

 

 

 

 

Zugegebenermaßen war mir der Verlag Text/Rahmen bisher unbekannt. Ok, den Verlag gibt es noch nicht so lange, aber immerhin hat er schon einige Bücher rausgebracht – darunter einige Krimis. Sehr gelungen finde ich übrigens die grafische Gestaltung der Bücher, die – nomen est omen – aus Text und Rahmen besteht. Wunderbarerweise hab ich nun in einen Krimi hinein schnuppern dürfen, denn die Beschreibung von Harald Schodls „Sommerfrische“ hat mich sehr angesprochen.

Carl Sandtner erhält einen kryptischen Anruf von seinem alten Freund Benny, den er aber eine Weile nicht mehr gesehen hat. Doch zu einem klärenden Treffen kommt es nicht, da Benny verschwindet. Einzig seine Ex macht sich Sorgen und stellt eine Vermisstenanzeige – wegen den Unterhaltszahlungen. Die Polizei zeigt auch wenig Interesse an der Aufklärung, denn der frühere Journalist könnte ja aus freien Stücken verschwunden sein, Anzeichen für eine Straftat lassen sich jedenfalls nicht finden. Nichtsdestotrotz gibt ihm der ermittelnde Beamte den Tipp in Bennys letztem Job nach dem Rechten zu sehen. Als Kaufhausdetektiv hat Benny zwar ständig Straftaten gesehen, die keine waren, aber vielleicht ist er ja per Zufall tatsächlich einer richtigen Straftat auf die Schliche gekommen? Und so heuert Carl im Kaufhaus an und begibt sich auf Bennys Spuren.

Im Klappentext wird nun noch von einem Serienbrandstifter gesprochen, der Jagd auf Sozialdemokraten macht – politische Morde also. Spannend, doch ein wenig irreführend, denn dieser spielt tatsächlich nur eine Nebenrolle und hat mit der Handlung um Carl und Benny nur am Rande zu tun. Der Fokus liegt tatsächlich auf den Ganoven – den kleinen, wie die beiden Kaufhausdetektive Manfred Racz und Stefan Kalhammer, sowie den großen, dem Gangsterboss Johannes Hofmann, seinen zwei Handlanger Satin-Schorsch und Zucker-Pauli sowie seiner Freundin Annette, die zufälliger Weise die Schwester von Manfred ist. Am Anfang geht Carl mit seiner verdeckten Ermittlung im Kaufhaus ein wenig unter, da mehrere Erzählstränge begonnen und weiter geführt werden, doch das ändert sich dann nach einer Weile und Carl rückt mehr in den Fokus.  Danach hat das Buch auch einiges an Highlights zu bieten – über Verfolgungsfahrten, Folter bis hin zu Angriffen auf Sandtner – und auch das Ende hatte einen spannenden Showdown im Gepäck. Positiv aufgefallen ist mir der Beginn des Buches, der mit zwei Dingen überzeugen konnte: einem Zitat von Gramsci, das sehr geschickt gewählt wurde, und dem ersten Kennenlernen von Carl, der mit dem Bus durch Wien fährt, die Straßen und die Stadt betrachtet und an der drückenden Sommerhitze leidet. Diese aufgeheizte, knisternde Atmosphäre schimmert im Laufe des Buches immer wieder durch und verleiht ein gewisses Extra.

Carl Sandtner ist für mich die einzige Figur, der ich Sympathie entgegen gebracht habe – abgesehen vom Brandstifter, der aber ja eben nur eine Nebenrolle hat. Alle anderen Charaktere sind mir schlichtweg sehr unsympathisch gewesen und hatten auch wenig andere interessante Aspekte, die mich reizen konnten. Zudem haben die Kriminellen – ob nun klein oder groß – eine recht derbe Sprache bzw. einen recht derben Umgang miteinander bzw. mit anderen. Das verdeutlicht zwar den harten Umgang in der Branche, war mir aber ein wenig zu viel.
Bei Carl Sandtner sah das ganz anders aus – und die Figur hat auch sehr viel Potential. Als Journalist ist er ja prädestiniert dafür, seine Nase in Angelegenheiten zu stecken, die ihn nichts angehen. Und das macht er auch fröhlich und munter in dem Kaufhaus – mit Wanzen im Büro des Chefs und natürlich unauffällig-auffälligen Fragen im Kollegenkreis. Im nächsten Fall darf er also wirklich gerne seine Nase in die politischen Morde stecken oder größere Herausforderungen suchen – auch wenn dann vielleicht das Gangster-Feeling dafür in den Hintergrund tritt. Er ist auf jeden Fall eine Figur, die man nicht über den Haufen werfen sollte – und für seinen ersten Fall war das ja nur die Aufwärmphase, nicht? So dass er sich dann hoffentlich bald im nächsten Fall ein Sahnestückchen schnappt.

So ganz bin ich mir nun nicht sicher, ob ich bisher eine deutliche Meinung transportieren konnte, deshalb nochmal kurz zusammengefasst: Der Krimi ist ein gutes Erstlingswerk mit ein paar kleinen Defiziten, aber mit einer Figur die Potential für weitere – und komplexere – Fälle hat, ob nun im „richtigen“, kriminellen Milieu oder eben mit politischen oder wirtschaftlichem Hintergrund , ich kann man hier vieles gut vorstellen. Der Klappentext hat leider, leider falsche Erwartungen in mir geweckt, was ich leider nicht ganz aus meiner Meinung raushalten konnte, ich aber dem Buch eigentlich nicht anlasten möchte.

Fazit:
Ein guter Einstieg des Autors ins Krimigenre mit aufgeheizter Atmosphäre und kleinen Defiziten, aber einer Hauptfigur mit Potential für mehr!

3 Kommentare zu “Heißes Pflaster: Sommerfrische – Harald Schodl

  1. Habe die Rezension diesmal nur überflogen, da ich mir im Verlauf des Winters selbst noch ein Bild machen möchte. In jedem Fall ein interessanter Titel, bei dem ich gespannt bin, ob er das hält, was der Klappentext verspricht.

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