Die dunklen Felle

Krimis und Schafe – und Felle (oder Fälle?)

Lady Bag is back! | Krokodile und edle Ziele – Liza Cody

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Liza Cody – Krokodile und edle Ziele
Verlag: Argument
Übersetzerin: Else Laudan
431 Seiten
ISBN: 978-3867542272

 

 

 

 

Die Bag Lady ist wieder da!
Ja, ich gebe es zu, in bin mittlerweile ein Fan von Liza Cody geworden. Nicht nur „Lady Bag“ konnte mich überzeugen, sondern auch die Trilogie um Catcherin Eva Wylie sowie „Miss Terry“. Nun ist aber die Bag Lady zurück! Jeder der sie im ersten Teil kennen gelernt hat, wird auch diesen Teil nicht missen wollen – und wer sie noch nicht kennt, der muss sowieso diesen Teil lesen. Die Bag Lady begibt sich auf einen weiteren Kreuzzug gegen den Teufel, diesmal in Gestalt einer Frau, mit dem süßlichen Namen Cherry.

Die Lady Bag, mit eigentlichem Namen Angela May Sutherland, sitzt gerade ihre letzten Tage im Knast ab. Doch bevor sie in die Freiheit, zu Elektra, ihrem Windhund, und den Fläschchen Roten zurückkommt, zwingt ihr eine Mitgefangene mit dem hübschen Namen Kerrilla Cropper auf, mal nach ihrem Sohn Connor zu sehen, den diese in der Obhut ihrer Mutter zurückgelassen hat. Draußen landet die Bag Lady bei ihren alten Freunden Pierre und Schmister, die mittlerweile bei Cherry, Pierres Freundin wohnen und auf Elektra aufgepasst haben. Ohne ihr Wissen wollen diese sie vom Alkohol befreien, doch nur damit versteht sie ja Elektras Antworten. Und irgendwann kommt ihr der Gedanke an Kerrilla und Connor wieder in den Kopf. Sie bekommt es nur kurz zu Gesicht, doch das halb verhungerte Kind mit den Zigarettennarben auf dem Arm weckt ihr Mitleid. Kein Wunder also, dass sie sich mit Pierre und Schmister zu dessen Rettung auf macht. Ob nun die Kostümierung als Nonnen dabei eher hilft oder nicht, ist egal, denn schließlich zählt nur der gute Gedanke. Oder?

Schon bevor ich das Buch in Händen gehalten habe, habe ich mir danach die Finger geleckt. Die Lady Bag hat mich im ersten Buch völlig überzeugen können. Es war einfach grandios! Und auch dieses Buch enttäuscht nicht, wieder ist der Autorin ein abgefahrener Roadtrip durch die Straßen Londons gelungen. Denn obwohl die Bag Lady eigentlich nichts weiter will, als sich ihrem Roten zu widmen und mit Elektra zu klönen, kommen ihr zwei Dinge in die Quere: ihr Gewissen und leider auch immer wieder der Teufel. Mit dem sie allerdings lebhafte Unterhaltungen führt. Er wird es nicht müde, sie immer wieder in Versuchung zu führen, ihr ihre Fehler vorzuhalten und hämisch zu grinsen, wenn einer seiner Schergen ihre Bemühungen vernichtet. Deshalb muss sie ganz dringend mit Elektra sprechen. Denn sie ist eine gute Seele, eine weise Ratgeberin. Aber das ist gar nicht so einfach, wenn einem die besten Freunde Medikamente unterschieben, die einem den Alkoholgenuss verleiden…

Und dann ist da ja noch Connor. Ein wirklich schreckliches Kind. Aber eben ein armes, vernachlässigtes, missbrauchtes Kind. Und ob die Bag Lady nun will oder nicht, der Kleine landet immer bei ihr. Und so tingeln sie durch London und treffen die skurrilsten Gestalten. Eine fürsorgliche Familie (allerdings nur mit Bezahlung), den dicksten Mann der Straße, die Nachbarn von Nebenan, Polizisten und Engel, aber auch des Teufels Tochter. Und auch wenn die Bag Lady ein gutes Herz hat, so möchte sie Connor doch loswerden. Im Krankenhaus, bei der Fürsorge, doch nichts klappt.

Eine irrwitzige Achterbahnfahrt durch London bietet Ms Cody diesmal. Mittendrin eine halbnüchterne, nörgelnde Pennerin, ein Transvestit und einer, der sich nicht entscheiden kann. Es macht so viel Spaß mit diesem ungleichen Trio durch London zu gondeln, den Teufel zu bekämpfen und Connor zu retten. Und doch geht es noch um so viel mehr, um elementare Dinge im Leben: Verantwortung und Gewissen, Freundschaft und Vertrauen, wahre Liebe und den Tod. Und wie es schon beim letzten Mal war, so zeigt die Lady Bag ein London, welches man nicht so oft in den Büchern sieht. Das Leben auf der Straße, im Winter, im Obdachlosenasyl. Als einzige Frau zwischen Unmengen von Männern, die alle ihr Essen wollen. Eingekapselt und warm, aber nur solange man sich an die Regeln hält. Und wenn nicht, sitzt man wieder auf der Straße, im Schnee, bei Minusgraden. Aber die Lady Bag darf diesmal auch die Arbeiterschicht auskundschaften, mit eigenen, kleinen Häuschen, aber ganz sicher nicht ohne Probleme, nur weil sie ein Dach über dem Kopf haben. Und die in den Sozialwohnungen, Junkies und Dealer. Das Spektrum der Lady Bag ist diesmal weit gefasst und gibt einen tiefen Einblick. Und doch haben wir bestimmt noch nicht alles von London gesehen. Zumindest nicht mit der Lady Bag. Ms. Cody – wie wäre es denn mit einer Trilogie?

Fazit:
Abgefahren und skurril – die Lady Bag ist wieder da und begibt sich auf einen weiteren genialen Roadtrip durch London. Durchgeknallt und störrisch versucht sie auf ihr Gewissen zu hören und nicht auf den Teufel, gerät aber natürlich trotzdem von einer Misere in die nächste. Der Wahnsinn – absolut zu empfehlen!

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