Die dunklen Felle

Krimis und Schafe – und Felle (oder Fälle?)

Paranoia: Cambridge 5, Zeit der Verräter – Hannah Coler

10 Comments


Hannah Coler – Cambridge 5, Zeit der Verräter
Verlag: Limes
406 Seiten
ISBN: 978-3809026822

 

 

 

 

Es mag ein spannendes Thema sein, doch bisher konnten mich die Spionageromane nicht locken. Hin und wieder habe ich reingeschnuppert, aber ich finde das Konzept der Spionage und Gegenspionage, die ständige Paranoia und Geheimniskrämerei immer eher ein wenig verwirrend denn spannend. Nichtsdestotrotz hat mich der Klappentext von Hannah Colers Roman magisch angezogen und als Schmankerl habe ich das Buch auch noch in einer Leserunde lesen dürfen. Eine perfekte Situation, um aufkommende Verwirrung während des Lesens gleich mal zu diskutieren und auszumerzen, so dass ich die Geschichte um die Cambridge 5 genießen konnte.

Kim Philby und die Cambridge 5, ein berühmt-berüchtigte Gruppe von fünf Studenten aus Cambridge, die in30er Jahren von der Sowjetunion als Spione angeworben wurden, sind das Thema von Wera, einer deutschen Studentin. Sie zieht nach Cambridge, um dem Thema möglichst nah zu sein, aber auch, da Professor Hunt, sich bereit erklärt hat, hierfür ihr Doktorvater zu sein. Doch das Thema ist heikel, denn Philby mag zwar in der Sowjetunion als Held gefeiert werden, in Cambridge hingegen wird über ihn lieber geschwiegen.  Und dann findet Wera eine Leiche – hat sie mit ihren Recherchen etwa jemanden aufgeschreckt?

Krimi/Thriller oder doch eher Roman? Hannah Coler, im Übrigen ein Pseudonym einer bekannten Historikerin, die auch schon einige andere Bücher veröffentlicht hat, gelingt es, die Geschichte der Cambridge 5 mit einer spannenden Handlung zu kombinieren. Im Prinzip setzt sich das Buch aus drei Handlungssträngen zusammen, die miteinander verwoben werden.

Zum einen wird die Geschichte um die Cambridge 5, aber mit Fokus auf Kim Philby, über Weras Arbeit transportiert. Auch wenn den Ausschnitten ihrer Arbeit die wissenschaftlichen Noten fehlen – zum Glück für mich, denn so liest sich ihre Arbeit sehr spannend – kann diese im Anhang nachlesen. So ist ihre Arbeit eher eine Biografie um den berühmten Meisterspion, denn ein wissenschaftliches Pamphlet. Neben den realen Tatsachen werden auch Vermutungen über Philbys Entscheidungswege aufgegriffen und untersucht, z. B. welche Gründe Philby dazu bewogen haben, Großbritannien zu verraten, doch auch auf Philbys Umfeld, wie Dr. Arnold Deutsch, der Philby für die Sowjetunion angeworben hat, wird ein tieferer Blick geworfen.

Der zweite Handlungsstrang spielt in den siebziger Jahren und dreht sich wieder um fünf Studenten, einer von Ihnen Hunt, aber auch Jenny Green, die beide später in Cambridge unterrichten. Doch auch die anderen drei sind noch in Cambridge zu finden und haben ihren Weg gemacht: Denys, Master des College samt Gattin Georgina und Stef, ein Computergenie mit eigener Firma. 2014 finden wir dann Wera, die neben Jasper und David, eine der Doktoranden bei Hunt ist. Wera wird nach und nach in das Cambridger Leben reingezogen und muss überrascht feststellen, dass Cambridge nicht nur in den Dreißigern ein beliebtes Rekrutierungsgebiet der Geheimdienste war, sondern es immer noch ist.

Ganz leicht gelingt es der Autorin die Paranoia über das ganze Buch auszubreiten. Man ist sich einfach nicht mehr sicher, wer jemand ist oder wer er vorgibt zu sein. Irgendwann verdächtigt man jeden der Spionage und wechselt auch fröhlich zwischen den Geheimdiensten. Ein Rätselraten par excellence beginnt und auch wenn man vielleicht doch eine/n der Spione schon von Anfang an im Verdacht hatte, ist man am Ende von anderen doch wieder überrascht.

Die Abwechslung mit den Auszügen aus Weras wissenschaftlicher Arbeit lassen die Spannung und das Rätselraten nur noch größer werden, sie fügen sich ein und wechseln hab, ganz ohne zu stören. Das Ende ist dann aber logisch und entwirrt die Rätsel, wenn auch ganz kleine Kleinigkeiten übrig bleiben, über die man noch nachdenken kann. Ein ganz kleines Manko für mein Krimiherz ist, dass das Ende dann doch recht unspektakulär daher kommt. Hier hätte die Autorin noch ein fulminantes Ende einbauen können, doch in diesem Sinne passt das Ende wieder hervorragend. Es ist eben kein Krimi/Thriller, es ist ein Roman um die spannenden Verwicklungen Cambridges in die Geschichte der Geheimdienste.

Fazit:
Ein spannender Roman um die Cambridge 5, aber auch um die immer noch anhaltende Verwicklung von Cambridge in die Geschichte der Geheimdienste. Wer weiß schon genau, wer ein Spion ist? Schaut Euch Eure/n beste/n Freund/in lieber nochmal genauer an!

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10 thoughts on “Paranoia: Cambridge 5, Zeit der Verräter – Hannah Coler

  1. Hört sich ja wirklich gut an, eigentlich genau was für mich. Vielleicht schaffe es ein anderes Mal zu einer Leserunde.

    • Na, Bücher kann man ja auch alleine lesen. Die Leserunde hat genau in meine Urlaubswoche gepasst, sonst hätte ich auch nicht teilnehmen können. Einfach zuviel los gerade.
      Und die Regeln bei Leserunden.de sind ja auch etwas strikter als bei Lovelybooks, allerdings gefallen sie mir dadurch besser, weil die Teilnahme und das Miteinander dadurch besser funktionieren.
      Aber im Moment hab ich auch kaum Zeit für Leserunden – es gibt allerdings noch Leseaktionen, an denen man teilnehmen kann. Da kann man sich auf Rezensionsexemplare bewerben, die bekommt man dann ohne Leserunde, soll aber eine Rezi schreiben und streuen und das Ganze innerhalb von 4 Wochen (das findet aber im großen Bücherforum statt unter literaturschock.de). Aber ich weiß nicht, ob Du das überhaupt brauchst. Nora versorgt Dich ja bestimmt gut mit Rezi-Exemplaren… stell ich mir zumindest so vor. 🙂

      • Nein, um Bücher ging es mir ja auch nicht. Da habe ich wahrlich genug Auswahl.
        Es wäre interessant gewesen, mal eine andere Leserunde auszuprobieren, bei der du dabei gewesen wärst. Aber vielleicht können wir Anfang des Jahres nochmal eine Blogger-Leserunde starten.

      • Also eigentlich bin ich ja für Leserunden immer zu haben. Aber unsere letzte Leserunde hat mich nicht so gut gefallen – zum einen war das Buch so überhaupt nicht meins und dann fand ich alles ein wenig zäh. Vom Entscheidungsprozess bis zur Leserundenbeteiligung. Philly und Du, ihr zwei wart da beide kräftig dabei, aber so manch andere nicht. Und dadurch fand ich es anstrengend. Bei leserunden.de gibt es das halt nicht. Da ist irgendwie mehr… hm… wie soll ich es ausdrücken… lass mich ein tolles Businesswort benutzen… da ist mehr Drive dahinter.
        Also vielleicht eher im kleinen Rahmen eine Leserunde? Ach, ich weiß nicht. Auch so muss ich mal sehen, wie es jobmäßig weiter geht. Es ist grad alles viel und wenn Leserunde, dann möchte ich dafür auch Zeit haben.

      • Ja, die letzte war nicht optimal. Mehr Drive ist immer gut. Eilt auch nicht. Wir können da ja zur gegebener Zeit mal wieder drüber nachdenken.

      • Ja, gerne. Dieses Jahr wird es vermutlich eh eng werden. 🙂

      • Hach, Leserunde fände ich auch mal wieder schön. Aber stimmt schon, die letzte war … schwierig, und vielleicht auch gerade im Vorfeld bei der Titelfindung zu groß. An unsere Johnny-Porno-Runde erinnere ich mich aber gern. Vielleicht organisieren wir irgendwann mal wieder im kleinen Kreis eine, und wer sich dann anschließen mag, ist herzlich eingeladen. Im Moment wäre das bei mir zeitlich auch etwas eng, aber im Dezember dürfte es auch wieder besser werden. Würde mich freuen, wenn uns irgendwann nochmal die Lust dazu packt! 😉

      • Eine kleinere Runde finde ich gut – lass uns das im Auge behalten. Eigentlich hab ich im Dezember Urlaub, aber ich weiß noch nicht, ob da wirklich Zeit ist. Ich fahr ein paar Tage weg und dann ist ja auch irgendwann Weihnachten und so… aber nächstes Jahr klappt es bestimmt irgendwann.

  2. Geheimdienst- und Spionageromane finde ich eigentlich immer sehr spannend, allerdings darf es auch bei mir nicht zu paranoid sein und es muss auch nicht immer die ganz große Verschwörung dahinter stecken. Cambridge 5 reizt mich auch irgendwie nicht, ich wollte dagür aber schon lange mal bei Olen Steinhauer reinlesen. Die Zeit, wieder mal.

    • Ach ja, die fehlt halt immer. Aber lass Dich von mir nicht täuschen – ich bin da leicht in paranoide Stimmung zu versetzen. Ich verdächte dann immer erst mal jeden. 🙂
      Aber es gibt ja noch genug andere Spionageromane, die man lesen kann.

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