Die dunklen Felle

Krimis und Schafe – und Felle (oder Fälle?)

Bedrohlich: Amnesia – Jutta Maria Herrmann

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Jutta Maria Herrmann – Amnesia
Verlag: Droemer
297 Seiten
ISBN: 978-3426519974

 

 

 

 

 

Helen erhält eine erschreckende Diagnose: Krebs, Endstadium, nicht heilbar. Sie kämpft mit schweren Angstzuständen und ihre Medikamente verursachen Erinnerungslücken und Blackouts. Ihre Beziehung hat sich an der Diagnose aufgerieben und so macht sie sich auf in ihr Heimatdorf, um ihre Mutter und Schwester zu besuchen. Warum weiß sie selbst nicht so genau, schon lange war sie nicht mehr zu Hause, in dem kleinen Dorf, zieht ihre neue Heimat Berlin deutlich vor.
Als sie im Dorf ankommt gibt es zuerst auch keine Überraschung: ihre Mutter sieht sie als Belästigung, ihre Schwester Kristin begrüßt sie herzlich. Doch Kristin hat mittlerweile Leon geheiratet und mit Leon verbindet Helen eine schlechte Erinnerung. Schon bald vermutet Helen, dass Leon Kristin schlägt – und keine zwei Tage später wird Leon tot aufgefunden.  Hat etwa Helen Leon getötet und kann sich daran nicht mehr erinnern?

Es gibt eine Sache, die Jutta Maria Herrmann in ihren Thrillern wunderbarerweise immer gelingt: eine bedrohliche, unheimliche Atmosphäre zu schaffen. Das gelang ihr in „Hotline“ und „Schuld bist Du“, die beide in der Großstadt spielen, aber eben auch in „Amnesia“, in einem kleinen, verschlafenen Dorf. Und dazu benötigt die Autorin auch ganz wenig: ein paar wenige Charaktere, ein Geheimnis aus der Vergangenheit, unausgesprochene Konflikte. Eine stetige Grundspannung mit leichten Spitzen, bei der man oft gar nicht so genau sagen kann, warum es jetzt eigentlich bedrohlich ist, warum einem dieses oder jenes komisch vorkommt. Die Autorin spielt mit den Erwartungen der Leser und benutzt dabei einfache, aber sehr wirkungsvolle Mittel.

Eine ungewöhnliche Protagonistin hat sich Frau Herrmann hier ausgesucht. Todkrank, mit starken Medikamenten betäubt, bis hin zu Blackouts. Und doch irgendwie geschickt gemacht, nicht? Denn Helens Gedächtnislücken sorgen für eine beständige Ungewissheit – bei Helen und beim Leser. Was hat sie in der Zeit gemacht? Hat sie tatsächlich jemand getötet? Dabei gelingt es der Autorin die ständig über Helen schwebende Krankheit zwar präsent zu halten und überzeugend einzubauen, aber nicht die Handlung zu erdrücken. Die Gedächtnislücken sorgen für den zusätzlichen Spannungskick und verstärken die unheimliche Atmosphäre.

Nichtsdestotrotz ist Helen nun kein Charakter, der mir sonderlich sympathisch war. Im Übrigen genauso wenig wie ihre Mutter, die den schwersten Fehler einer Mutter begeht und ein Kind bevorzugt. Oder ihre Schwester, die zwar aufgeregt plappernd daher kommt, allerdings mit einem Tick zu viel, so dass es aufgesetzt wird. Leon ist ja nun sowieso der Buhmann und einzig der Freund aus Kindertagen scheint sympathisch – kommt aber natürlich streckenweise auch als Täter in Frage. So wie eigentlich jeder in der Geschichte. Mit jeder neuen Wendung überlegt man erneut, wer wohl der Täter sein könnte und ist sich dann ganz sicher – bis zur nächsten Wendung. Tatsächlich bleibt das Ende vage offen, wenn auch der Thriller natürlich abgeschlossen ist, so wie die anderen Bücher der Autorin.

Fazit:
So wie ich mir einen Thriller vorstelle: in einer leise bedrohlichen Atmosphäre spielt die Autorin mit den Ängsten ihrer schwer gebeutelten Protagonistin. Ein Thriller, den man an einem Nachmittag wegsaugt und mit einem leichten Frösteln zuschlägt. Sehr gut gelungen!

 

 

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