Die dunklen Felle

Krimis und Schafe – und Felle (oder Fälle?)

Krimi-Leserunde zu “Der Auserwählte” von Frank Göhre

51 Comments

In der kleinen, aber feinen Gemeinde der Krimi-Blogger haben wir vor Kurzem beschlossen, nochmals eine Krimi-Leserunde zu veranstalten. Nach einigen terminlichen und inhaltlichen Abstimmungen, ist es nun soweit: morgen startet unsere Leserunde! Ausgesucht haben wir uns “Der Auserwählte” von Frank Göhre, ein feiner Noir-Krimi aus dem Pendragon-Verlag.
Und auch wenn wir die Runde quasi “unter Bloggern” beschlossen haben, sind jederzeit spontane Mitleser willkommen, egal ob Blogger oder Leser.

Frank Göhre – Der Auserwählte
Inhalt: Eloi – Der Auserwählte – ist gelinkt worden. Nun schuldet er David Geld. Drogengeld. Der illegal in Hamburg lebende Afrikaner gerät mächtig unter Druck. Und plötzlich ist Eloi verschwunden. Gekidnappt. Welche Rolle spielt Elois Mutter bei dem Verbrechen? Liegt der Schlüssel zur Aufklärung in ihrer bewegten Vergangenheit, die sie Ende der Achtzigerjahre auf eine kanarische Insel führte?
Auf der Sonneninsel herrschte ein ›genialer Erzieher‹ über eine Gruppe höriger Anhänger. Und Elois Mutter war seine Gespielin. Jetzt geht es um Geld – um sehr viel Geld. Aber auch um Gerechtigkeit, Schuld und Sühne aus scheinbar längst vergangener Zeit …

Leseabschnitte:

1. Abschnitt: Anfang – S. 57 (Kapitel 1-8)
2. Abschnitt: S. 58 – S. 121 (Kapitel 9-20)
3. Abschnitt: S. 122 – S. 189 (Kapitel 21 – 31)
4. Abschnitt: S. 190 – Ende (Kapitel 32 – 45)

Wer ist bei der Leserunde dabei?

Philly von Wortgestalt
Gunnar von Kaliber.17
Kaisu von life4books
Alexander von Der Schneemann
Michael von Bookaholics
Stefan von Crimealley
Ich 🙂
… und natürlich jeder, der sich spontan entschließt, mitzumachen!

Wie läuft die Leserunde ab?

Die Leserunde startet morgen, am 22.04.2017. Im Kommentarbereich unter diesem Beitrag richte ich pro Leseabschnitt einen Kommentar ein, unter dem jeder, der den Abschnitt gelesen hat, kommentieren und mit den anderen darüber diskutieren kann. Jeder liest in seinem eigenen Tempo und kommentiert im jeweiligen Leseabschnitt, wenn er soweit ist.

Da bei einer Leserunde das Buch gelesen und der Inhalt auch besprochen wird, besteht Spoilergefahr. Wer also das Buch noch nicht kennt, aber noch lesen möchte, meide bitte den Kommentarbereich. Leser, die das Buch bereits kennen, sind natürlich auch herzlich eingeladen, mitzudiskutieren.

 

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51 thoughts on “Krimi-Leserunde zu “Der Auserwählte” von Frank Göhre

  1. 1. Abschnitt: Anfang – S. 57 (Kapitel 1-8)

    • Moin in die Runde!

      Ok, also das ging ja recht zügig mit dem ersten Abschnitt. Und das passt aktuell richtig gut zu meiner, ich nenne es mal “Lesestimmung”. Also diese direkten Einstiege in eine Handlung, kurz und auf den Punkt erklärte Umstände und keine Füllpassagen mit viel Gerede. Das mag ich gerade sehr gerne lesen.

      Mir gefällt außerdem dieses Konstrukt aus Konflikt-, oder eher Zwangssituationen, in denen die Figuren jeweils stecken. Das macht es spannend und lässt so ein Gefüge entstehen, bei dem alles in Abhängigkeit zueinander steht.

      Das Komunen-/Sekten-Thema finde ich auch interessant, gerade von außen betrachtet, ist die da entstehende Gruppendynamik mir immer ein Rätsel, hat aber auch wiederum etwas faszinierendes. Ich bin gespannt, wie intensiv das hier noch behandet wird. Und wie weit so ein kurzer Roman das rüberbringen kann.

      Die Figuren und die Szenen, in denen sie miteinander reden und interagieren finde ich noch ein wenig steif, das wirkt auf mich erstmal noch recht Spielfilm-mäßig und wenig natürlich. Aber das ist nicht unbedingt wertend gemeint, eher so eine Feststellung, Beobachtung von außen.

      • Ich hoffe doch, es gibt noch einen Unterschied zwischen Kommune und Sekte… auch hier im Buch. Allerdings hat es sich bisher wirklich eher wie eine Kommune angehört. Mal sehen, was man darüber noch so erfährt. Spannend dazu finde ich Frank Göhres eigenen Kommentar vorne “Übereinstimmungen mit Personen und Vorkommnissen auf Gomera und anderswo sind beabsichtigt, aber dennoch fiktiv”. Ein paar Körnchen Wahrheit sind dann wohl dort irgendwo zu finden, was?

      • Ja, ich wollte Kommunen und Sekten jetzt nicht in einen Topf werfen. Es ging mir nur im die dort entstehende Gruppendynamik und auch das Isolieren.

    • Ich habe zu Anfang eines Buches immer Schwierigkeiten, mir all die Namen zu merken, glücklicherweise gibts in diesem Fall ein Personenverzeichnis, das erleichtert das Verständnis der Handlungs- und Konfliktlinien doch sehr. Dafür ist nach diesen 58 Seiten gesorgt: Drogenkohle weg, Eloi weg (wirklich entführt?) und David in der Klemme. By the way: Eloi. Wer nennt sein Kind so? Musste da noch jemand an H.G. Well’s”Zeitmaschine” denken? Ich hänge gleich noch einen Abschnitt dran. 🙂

      • *verlegen hüstel* … danke für den Hinweis mit dem Personenverzeichnis, da hab ich mal fett drüber weggeblättert. Das hätte mir bestimmt auch geholfen. 🙂
        Über den Namen Eloi hab ich auch nachgedacht – zuerst dachte ich, vielleicht was afrikanisches, aber wo Du jetzt Wells und die Zeitmaschine erwähnst… hat dann vielleicht eine tiefere Bedeutung? Wenn immerhin Wells sein zukünftiges Volk danach genannt hat und nun Bettina und Klaus, zwei “Ex-Kommunarden” ihr Kind so nennen?

      • Ja, sonst ist mir der Name Eloi aus der Popkultur auch nicht weiter bekannt, also gut möglich, dass das eine Art Easteregg ist. Ich bin so grottenschlecht im Merken von Namen in Filmen und Romanen, egal ob das Personen-, Länder-, oder Gruppennamen sind, dass ich diesen Bezug beim Lesen gar nicht hergestellt habe. 😀 Ist schon ein Wunder, dass ich nicht vergesse, dass Tony Soprano Tony heißt. Hehehe. Guter Einwand, Michael! 😀

      • Ich habe bezüglich des Namens mal kurz recherchiert, Eloi ist die französische Variante des Names Eligius, nach dem heiligen Eligius, Patron der Goldschmiede und geht auf das lateinische Verb eligere zurück. Und bedeutet “auswählen”, damit bedeuter Eloi “der Auserwählte”. It’s magic! 😉

      • Ach schön, jetzt bin gerade an der Stelle, an der das auch im Roman erklärt wird. 😀

    • Ich habe den ersten Abschnitt heute morgen beim Frisör gelesen… da hat man ja viel Zeit. Und irgendwie hat da genau der erste Abschnitt reingepasst. Hab ich gut eingeteilt… hehe…

      Mir ist der Einstieg ein wenig schwer gefallen. Einerseits finde ich den Schreibstil toll – so vernappt und schnörkellos, ohne viel Geschwafel. Das liest sich auch wie nix weg. Aber irgendwie hatte ich schon gleich am Anfang ein wenig den Anschluss verpasst. Wie Gomera? Und der Illegale, David? Ist das der David aus Hamburg? Was macht der denn jetzt auf Gomera? Naaaa…. Ich glaube allerdings, dass ich mich jetzt, am Ende des ersten Leseabschnitts, wieder ein wenig sortiert habe.

      An zwei oder drei Stellen in Gesprächen hat es bei mir ein wenig gehakt – die kamen mir dort ungelenk, künstlich vor. Aber dass es viele Gespräche gibt und nur wenig Beschreibung, einfach zackige Dialoge und kein Geschwafel kommt mir sehr gelegen. Ich vermute mal, so lässt sich das Buch auch ruck zuck durchlesen.

      Und mal nebenbei, das arme Schwein in der Sache ist im Moment ganz sicher David. Illegal in Hamburg und für einen Hungerlohn jeden Job machen und nun noch Angst haben müssen, dass man die Hucke voll kriegt, weil das reiche Söhnchen sich das Geld für den Drogendealer abnehmen hat lassen. So, und die große Frage ist ja nun – ist Eloi entführt worden? Oder, vielleicht doch nicht? Und wenn nicht, erpresst er seine Eltern selbst? Will er damit das Drogengeld erpressen – wobei mir 5 Mio dann schon ein wenig hoch gegriffen dafür erscheinen. Ah, na mal sehen….

      So, ich muss mich leider für heute verabschieden, bin jetzt dann auf einem Geburtstag, aber morgen dann wieder dabei. Bin gespannt, wie es Euch so gefällt.

      • Ah, hier werden schon die ersten Vermutungen aufgestellt. 😉

      • Aber wurde ihm nicht eins überzogen auf dem Parkdeck, nachdem man ihn seine Identität hat bestätigen lassen? Da hätte er seine Entführung ja mit vollem Körpereinsatz inszeniert. Was kein völlig abwegiger Gedanke wäre. Aber ich hatte aus der Szene heraus schon den Eindruck, dass er tatsächlich entführt wurde. Mal gucken, ob ich mich da habe linken lassen. 😀

    • Ich fand es am Anfang auch sehr schnell und wirr, was Ort- und Zeitsprünge betrifft (da hat mir das Personenregister nur bedingt geholfen). Aber inzwischen blicke ich besser durch.
      Der Stil liegt mir ansonsten schon. Sehr schnell, knapp und kurz. Als wäre es schon für ein Drehbuch.
      Bei der Story warte ich noch etwas ab wie die Gomera-Kommune eingebaut wird.

      • Ja, du hast recht, hat einen gewissen Drehbuchcharakter. In Hinblick auf den Erzählstil liegt mir das auch. Dafür wirken aber auch, wie ich schon meinte, die Dialoge so Spielfilm-mäßig, und damit etwa steif. Das fällt mir in deutschen Filmen recht häufig auf, dass ich die Dialoge relativ unnatürlich finde. Im Theater wiederum mag ich das. Hm, hat wahrscheinlich auch immer etwas mit der Atmosphäre und den Figuren zu tun.

  2. 2. Abschnitt: S. 58 – S. 121 (Kapitel 9-20)

    • Also, ich weiß nicht recht. So richtig warm werde ich nicht mit der Geschichte. Das permanente Rumgehüpfe zwischen den verschiedenen Zeitebenen und Handlungsorten machen es nicht gerade leicht, am Ball zu bleiben. Als Film, wenn man auf den ersten Blick optisch erfassen kann, worum es gerade geht, mag das super funktionieren, aber als Roman? Ständig werden Handlungsbögen angerissen und gerade, wenn man anfängt, sich darauf einzulassen und eigentlich gern wissen würde, wie es weitergeht, ist das Kapitel zu Ende und man hat die nächsten zwei Absätze erst mal damit zu tun, herauszufinden, in welchem Jahr wir jetzt schon wieder sind und an welchen Handlungsfaden jetzt angeknüpft wird. Das erscheint mir alles sehr hektisch und dem Erzählfluss abträglich. Und dann das Personal: natürlich sympathisiert man mit David, schon aufgrund seines Schicksals. Aber was er für ein Mensch ist, weiß man nicht mal von ihm, den ich zunächst als Hauptfigur identifiziert hatte, der dann aber in diesem zweiten Viertel des Buches kaum vorkommt, geschweige denn weiß ich das von einer der anderen Figuren (außer Mike, dem Wüstling). So sind bisher alle Figuren für mich ziemlich uninteressant. Davids Klemme klingt bislang auch nicht sonderlich dramatisch. Ständig wird ihm versichert, dass schon alles in Ordnung komme und man im Ernstfall irgendwelche reich sprudelnden Quellen anzapfen würde. Im Fall Eloi ist auch Stillstand. Da bleibt als halbwegs spannende Frage im Moment nur, was damals in der “Kommune” passiert ist und was das mit der Handlung in der Gegenwart zu tun hat. Nun ja, mal schauen. Ganz hab ich die Hoffnung nicht aufgegeben, dass ich noch positiv überrascht werde.

      • Die stetig wechselnden Handlungsebenen bereiten mir hier wiederum die meiste Freude, ich mag das sehr gern, es wird nicht monoton und man baut sich so Stück für Stück die Handlung zusammen, das gefällt mir. Ich kann deine Kritik aber durchaus nachvollziehen, man wird halt schon immer dann aus einer Szene gerissen, wenn man sich gerade darauf eingelassen hat. Hier finde ich das ganz passend zu dem knappen Stil.

        Stimmt, David ist eine Figue, mit der man leicht sympathisieren kann. Allerdings hat auch für mich hier in diesem Abschnitt das Eingreifen von Janet diese Zwangslage, in der er steckt und die einen ja mit der Figur noch mehr mitfühlen lässt, sehr schnell aufgelöst, für meinen Geschmack auch zu schnell.

        Dafür hat mir die Episode über das Kennenlernen von Eloi und David aber ausgereicht, um den Figuren einen Hintergrund zu geben, einen gemeinsamen Kontext. Da brauche ich nicht mehr Infos, da steckte für mich eigentlich alles drin, was ich dür das Verständnis der beiden und zu ihrer Beziehung an dieser Stelle wissen muss.

      • Ich muss dir recht geben, es ist schon etwas hektisch und der Autor macht es dem Leser nicht einfach. Und aus der Drogengeld-Nummer ist die Luft tatsächlich raus, aber dafür könnte der Tod der Urlauberin auf Gomera wieder eine Rolle für David spielen.

      • Ich hätte den Fokus auch mehr bei David und Eloi gesehen. Ich war auch irgendwie total auf Hamburg eingestellt und La Gomera hat mich auf dem falschen Fuß erwischt. 🙂
        Ist aber auch schon wieder ein komischer Zufall, dass Bettina, Elois Mutter, ihn in der La Gomera Kommune bekommen hat und David dort ja zuerst Unterschlupf gefunden hat. Ob wohl Eloi absichtlich David gesucht hat? Oder hat er die ganzen Artikel über die Boat People erst gegoogelt, nachdem er David kennen gelernt hat?

      • Ich hatte den Eindruck, dass das Zusammentreffen von Eloi und David vor der Postfiliale zufällig war. Aber wenn man bedenkt, dass die beiden Verknüpfungen zu Gomera haben, wäre das ein bisschen viel Zufall. Andererseits muss die Geschichte ja auch irgendwie zustande kommen. 🙂

    • Ich finde die Story bis hierhin ganz gut, besonders der erzählende Part gefällt mir, die Dialoge finde ich nach wie vor etwas steif.

      Was da in der Kommune anging, klang ja schon echt abgedreht und passt auch zu dem, was mir bei diesen Themen als erstes in den Sinn kommt. Gerade unter dem Deckmantel der sexuellen Befreiung dann letztlich ein Ausnutzen und Benutzen, und ein Ausüben von Macht.

      Ob die Entführung Elois nun mehr mit der Kommune oder mit den Drogen zu tun hat… ich tippe auf ersteres, vielleicht hängt aber auch alles zusammen.

      • Du lagst mit Deiner Kommune/Sekte Theorie also gar nicht so schlecht. Es ist wohl eine schmaler Grat – und Pavel hat ihn definitv überschritten.
        Ich denke auch, dass die Drogen nur eine untergeordnete Rolle spielen und das Geschehen auf La Gomera Elois Entführung verursacht haben. Fragt sich nun allerdings, warum jetzt? Und warum überhaupt? Also bleibt doch noch einiges zu erzählen…

    • So, ich bin wie befürchtet heute nicht dazu gekommen, auch nur eine Silbe zu lesen. Beide Töchter forderten volle Aufmerksamkeit. Und im Anschluss daran musste erstmal Fußball geguckt werden. 😉 – Ist dennoch interessant, mal eure Kommentare zu lesen, da sich inzwischen ein wenig die Erinnerung regt. Is ja schon ein paar Jahre her, seit ich den Roman gelesen habe. Ich hoffe, dass ich morgen zumindest mal etwas quer lesen kann und gebe dann hier meinen Senf ab.

      • Aber cool, dass du dich noch kurz gemeldet hast! Und das soll ja auch ganz ohne Zwang oder Zeitdruck hier stattfinden. 🙂 Freue mich schon neugierig auf deine Anmerkungen und Erinnerungen!

    • Mein Empfinden aktuell ist so die Mitte zwischen Philly und Michael. Eigentlich mag ich einen schnörkellosen Plot und sich abwechselnde Stränge, aber auch für meinen Geschmack ist es hier teilweise too much. Vor allem finde ich die Anzahl der Personen für eine so kurze Geschichte fast zu viel. Ich hatte mich am Anfang schon gewundert, dass für ein Buch von etwas mehr als 200 Seiten ein Personenregister vorangestellt wird.
      Zur Handlung: Der Fokus in diesem Abschnitt liegt auf der Kommunenvergangenheit. Auch wenn hier viele Zusammenhänge nur angerissen werden, denke ich auch, dass hier ein Motiv für Elois Entführung liegt.

    • Ich dachte, ich würde in dem Buch nun ein bisschen besser zurecht kommen, aber mir machen die ständigen Sprünge ein wenig zu schaffen. Eine Zeitangabe am Anfang der Kapitel würde mir mehr helfen als das vorangestellte Personenregister.
      Ich bin dann auch etwas überrascht, dass der Fokus der Geschichte doch auf der Story in La Gomera zu sein scheint. Was auch immer sich da letztendlich entscheidendes abgespielt hat. Von dem was man erfahren hat, hat Philly vielleicht gar nicht so unrecht gehabt mit ihrer Anspielung auf eine sektenähnliche Struktur, denn Pavel scheint mir schon so, als würde er sich als großer Heilsbringer inszenieren. Und als Bettina dann verschwindet – mit Saras Unterstützung – hat sie da nur Eloi dabei? Was ist mit ihrer Tochter Miriam? Spielt die eine Rolle?
      Und Eloi selbst kommt ja nun quasi gar nicht mehr vor – man erfährt nichts über seine Entführung, außer dass seine Mutter das alles unter dem Deckel halten will und Geld von der Tante anzapfen will. Auch hätte ich gedacht, dass David sehr bald und sehr schnell Schwierigkeiten bekommt, weil er kein Geld bei Blacky abliefert.
      So recht leuchtet mir das alles noch nicht ein und es ist mir ein wenig zu sprunghaft. Trotzdem mag ich die Kürze des Schreibstils.

    • Ich hatte gestern wohl so den schlimmsten Tag, seit ich mich erinnern kann und bin demnach doch etwas stolz, überhaupt Kopf und Zeit gefunden zu haben, etwas weiter zu lesen. Manchmal ist es ja auch schön, wenn man etwas hat, um sich abzulenken. – Interessant das Buch nochmal (quer-)zulesen und komischerweise an vielen Stellen dasselbe zu denken, wie bei der ersten Lektüre. Und nun auch konkret wahrzunehmen, wieviel Zeit vergangen ist. Insbesondere in der Szene, wo – ich meine es war Mike – über den Bau und die Kräne an der Elbphilamonie spricht, die schon irgendwie immer Anlass kontroverser Diskussionen gewesen zu sein scheint. – Zudem geht es mir wie damals: Mit “Blacky” werd ich komischerweise nicht warm bzw. ist mir dieser zu nahe am typischen Tatort-Bösewicht angelegt.

      • Klingt ja furchtbar, ich hoffe, dir geht es gut!

        Ja, an der Elbphilamonie-Stelle habe ich auch kurz aufgemerkt. 🙂

      • Ja, alles gut. Musste leider mit einem Großteil meiner Familie brechen. Man hat über Jahre die Augen vor vielen Dingen verschlossen und zweite und dritte Chancen gewährt. Jetzt war es halt der berühmte Tropfen zu viel. Es fühlt sich aber an, als hätte ich alles richtig gemacht und eine Last wäre von meinen Schultern genommen. Die nächsten Wochen werden wohl jedoch noch etwas … nun ja, unruhig. – Aber genug seelische Nabelschau. Unser aller Hobby ist da ein Segen. Ich kann abschalten. Also zurück zum Göhre. 😉 Und euch allen noch nen schönen Abend!

      • Oh ha…. aber wenn es sich so anfühlt, als wäre eine Last von Dir genommen, dann war es jetzt auf jeden Fall das Richtige!
        Und es ist immer noch toll, dass Du – trotz wenig Zeit – quer liest und mitdiskutierst. 🙂

      • Hm, ok, verdammt, Familie ist immer schwierig. Alles Gute dafür!!

        Ja, stimmt, mit Büchern lässt es sich gut vor der eigenen Realität fliehen.

      • Schön, wenn einen das Hobby ablenken und auf andere Gedanken kommen lässt. 🙂

  3. 3. Abschnitt: S. 122 – S. 189 (Kapitel 21 – 31)

    • Hm, irgendwie hat mich der Autor in diesem Abschnitt jetzt doch verloren. Beziehungskisten sind in der Regel nicht meins, das interessiert mich stofflich einfach nicht und auch hier habe ich jetzt gemerkt, wie mein Interesse mehr und mehr abnahm. Die wechselnden Handlungsebenen sind dafür das einzig spannende im Moment.

      Bettina, Mike, Klaus, Berni. Und der Sven und die Britta. Hm. Das fühlt sich für mich jetzt wiederum zu sehr nach deutschem Fernsehkrimi an. In Anlehnung an Stefans Tatort-Bösewicht.

    • Irgendwie habe ich mich jetzt mich Göhres Stil arrangiert. Dieser Abschnitt lief viel flüssiger. Bei den zeitlichen Sprüngen besser drin und finde es teilweise interessant wie Göhre mehrere Jahre in zwei oder drei Zeilen abhandelt. Auch die politisch-gesellschaftlichen Fakten als Orientierung zum zeitlichen Rahmen finde ich nicht schlecht.
      Was die Handlung betrifft, finde ich es merkwürdig, dass Gomera hier jetzt kaum noch eine Rolle spielt. Stattdessen ein bizarres Beziehungsgeflecht, in dem jeder für sich Vorteile sucht. Anstand und Moral sind längst über Bord geworfen worden.
      Ich habe jetzt schon überlegt, ob Blacky hinter Elois Entführung steckt. Ich dachte zuerst, dass David Blacky erst später von Eloi erzählt hat, aber wegen der ganzen Zeitsprünge kann man das auch irgendwie nicht sagen…
      Nebenbei: Ist Mike Elois Vater?

      • Ah – das ist wirklich ein positives Merkmal in den Zeitsprüngen, allerdings für den Standardleser mitunter auch nicht einfach, wenn Göhre die Jahre an einigen Fakten darstellt, anstatt einfach nur das Jahr zu nennen. Allerdings auch etwas, was ich so noch nicht gesehen habe und wirklich gut gemacht finde.

        Ich kann mir Blacky als Entführer nicht so recht vorstellen – aber ich kann mir Blacky überhaupt nicht so richtig vorstellen. Über den wird ja nicht so viel ausgesagt, außer dass er der böse Bube ist. Ich hab mal kurz überlegt, ob nicht Mike Eloi entführt hat. Die Idee, dass er Elois Vater sein könnte, ist mir nicht gekommen. Er ist ja sehr angetan von Bettina, aber von ihrer Seite kommt keinerlei Interesse – vielleicht will er ihr, und dann gleich noch Klaus, eins damit auswischen, dass er Eloi entführt hat und einen Haufen Geld fordert. Andererseits beschattet er ja Eloi… Hm, ich muss mich vom Ende wohl überraschen lassen, denn ich hab keine Ahnung wohin das führt.

    • Pfuhh…. ich hab diese Woche wenig Zeit, ich muss aber auch sagen, dass mich das Buch einfach noch nicht abgeholt hat. Ich bin immer mal wieder verwirrt von den Zeitsprüngen, auch wenn ich mich irgendwie daran gewöhnt habe.
      Was mir am meisten zu schaffen macht, ist, dass es um was ganz anderes geht, als ich erwartet habe. Ich hatte die Stichwörter Hamburg, Kiez, Noir im Kopf und jetzt ist das Buch ja schon im letzten Abschnitt hauptsächlich auf die Vorgänge in der Kommune in La Gomera fokussiert gewesen und schweift jetzt in damaliges und heutiges Beziehungskuddelmuddel ab. Die Entführung von Eloi ist nun endgültig Nebenhandlung – dabei würde mich das viel mehr interessieren. Und David. Und Blacky. Und überhaupt.
      Ach, ich weiß auch nicht. Wenn das Ende nun nicht bombastisch wird wird das Buch es in meiner Gesamtbewertung doch schwer haben.

  4. 4. Abschnitt: S. 190 – Ende (Kapitel 32 – 45)

    • Hm, also das Ende selbst fand ich gelungen, aber ich hatte mich thematisch nach der intensiven Beziehungsschau wohl schon soweit inhaltlich vom Roman entfernt, dass ich jetzt am Ende auch nicht mehr so richtig mit vollem Herzen dabei war.

      Fesselnd war im gesamten Roman für mich in jedem Fall der Wechsel der verschiedenen Handlungsebenen, das fand ich gut gemacht. Aber inhaltlich war bei mir ab der Mitte dann die Luft raus und die kam jetzt auch nicht mehr so richtig zurück.

      Das Machtgefüge in der Kommune war zwar tragisch, aber vom Plot her leider auch irgendwie erwartungsgemäßg, da gab es für mich jetzt ehrlich gesagt keine allzu großen Überraschungen, also keine interessanten Facetten an den Figuren, selbst Bettina als eigentlicher Dreh- und Angelpunkt blieb ja doch in diesen recht starren Dialogen gefangen.

      Bin gespannt, was ihr noch für Eindrücke schildert!

    • Das Ende war nochmal spannend und rasant. Die nüchterne Aufzählung/Zusammenfassung am Schluss fand ich dann aber irgendwie merkwürdig angesichts der sonstigen Auslassungen, die den Roman sonst prägen.

      Bezüglich der Vaterschaft von Eloi habe ich dann mal doch daneben gegriffen. Das war doch überraschend, wenngleich das Thema “Sexueller Missbrauch” in Bezug auf Myriam sich andeutete. Was ich mich aber dann doch gefragt habe, welche Rolle hatte Blacky in der Entführung? Ich habe das jetzt so verstanden, dass Pavel und Hardy ihn engagiert haben und dann ausbooten wollten. Aber wozu hatten sie ihn überhaupt dabei?

      Grundsätzlich war der gewählte Stil gewöhnungsbedürftig, aber am Ende hatte ich mich daran gewöhnt und fand ihn okay. Man muss sich insgesamt viel zusammenreimen, dadurch blieben für mich die Figuren insgesamt blass.

      • Ich hatte aber auch zwischenzeitlich Mike in Verdachte, es hat dann nur zu einzelnen Szenen nicht passen wollen. Aber die Möglichkeit habe ich in Erwägung gezogen.

        Letztlich hat mich den Umstand, wer Elois Mutter ist mehr überrascht als die Offenbarung des Vaters.

        Blacky wirkte auf mich letztlich nur wie ein Strohmann, eine Marionette. Aber so richtig habe ich das schon nicht mehr auf dem Schirm. Erschreckend, schließlich habe ich das Buch erst vor drei Tagen beendet… Ich sag ja, ich merk mir nix.

  5. Reblogged this on crimealley and commented:
    Christina von “Die dunklen Felle” ist für die nächsten Tage “Austragungsort” einer kleinen, aber feinen Leserunde der Krimi-Blogger-Gemeinde. Im Fokus steht Frank Göhres Roman “Der Auserwählte”. Es sind alle interessierten herzlich eingeladen, mitzudiskutieren. Startschuss ist morgen, am 22.04.2017.

  6. Das ist ein schönes Projekt, denn es ist ein Buch, dass mehr Aufmerksamkeit verdient.
    Viel Freude euch allen.
    Anne

  7. Ja sorry, bin nicht dabei. Hab die Einladung via FB gesehen, aber voll unsozial ignoriert. Weil das Leben gerade Aufmerksamkeit verlangt. Und ich habe vor einigen Monaten festgestellt, dass Göhre nicht so meins ist. Zumindest in Sachen Kiez-Trilogie. 😉 Euch aber ganz viel Spaß!

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