Die dunklen Felle

Krimis und Schafe – und Felle (oder Fälle?)

Interview – Davide Longo

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Ganz besonders habe ich mich gefreut, als Davide Longo zugestimmt hat, mir ein kleines Interview zu geben. Vor allem, nachdem ich mich durch seine, nur auf Italienisch verfügbare Webseite geklickt hatte und es doch geschafft habe, ihm eine Nachricht zu schicken.
Leider hat er es nicht geschafft, dass Interview in meinem Urlaub zurückzusenden und nun hab ich es leider ein paar Tage liegen lassen. Aber jetzt, jetzt ist es endlich übersetzt und steht für Euch bereit!

Ich wünsche Euch viel Spaß dabei und kann jedem von Euch nur nochmals ans Herz legen, ein Davide Longo Buch zu lesen. Es lohnt sich!

Hier ist die Version in Deutsch – for the “original” / English version, please scroll down.

Deutsche Version:

1. Wolltest Du schon immer eine Dystopie schreiben oder gab es da einen bestimmten Grund oder ein bestimmtes Ereignis, welches Dich dazu brachte, “Der aufrechte Mann” (L’uomo vertical) zu schreiben?

Ich war schon immer fasziniert von der postapokalyptischen Sichtweise. Die Handlung des Romans ist nach und nach entstanden, indem immer mehr und unterschiedliche Faszinationen hinzu kamen: Literatur, Nachrichten. Im Speziellen ist das Italien, welches von vielen Italienern als ein Land unter Belagerung angesehen wird. Immigranten stehen an den Grenzen. Und wir haben eine Menge Grenzen, sehr schwierig zu kontrollieren. Es ist einfach, die Probleme oder den Verlust des eigenen Landes anderen zuzuschreiben.

2. Das überraschendste Element für mich war der Elefant. War es von Anfang an Deine Absicht, eine Parabel zu schreiben und warum hast Du diese Form gewählt?

Das ganze Buch muss als Parabel in der Bibel gelesen werden, nicht als realistische Geschichte. Der Elefant repräsentiert Weisheit, Zeit, Geduld, aber auch die Fähigkeit, in einem Moment alles zu zerstören, dank seiner Kraft. Es ist die Natur, das Eine, welches ohne den Menschen lebt. Ich würde sagen, dass die Natur, das Leben, besser ist ohne den Menschen.

3. Neben “Der aufrechte Mann” (L’uomo vertical) sind zwei Krimis von Dir in Deutschland veröffentlicht worden. Aber ich habe auch gesehen, dass in Italien andere Geschichten, z. B. auch Kinderbücher von Dir, veröffentlicht wurden. Hast Du ein bevorzugtes Genre? Und wenn ja, warum?

Ich bevorzuge – außer im sexuellen Sinne – keine Gattung. Literarische Genre sind eine Erfindung der Verlage. Genres müssens verkaufen, die Bücher in Büchereien und Buchhandlungen katalogisieren und dem Leser helfen, sich zu Recht zu finden. Ich glaube, es gibt nur gute Autoren, mittelmäßige und brillante Autoren. Sogar schlechte Autoren. Ich hoffe, dass ich ein guter Autor bin. Ein Schriftsteller, der manchmal einen Tisch herstellen möchte, manchmal einen Stuhl und wann anders vielleicht eine Bank oder eine Bibliothek. Das Wichtigste ist, dass Leute sie benutzen und sich dabei denken, dass sie von „einem guten Handwerker“ gemacht sind.

4. Zum Abschluss noch die Frage nach Deinem Lieblingskrimi?

Meine liebsten Krimis sind „Das Versprechen“ von Friedrich Dürrenmatt, „Die grauen Seelen“ von Philippe Claudel und „Amok“ von Emmanuel Carrère. Nicht gerade traditionelle Krimis, wie Du siehst!

English Version

1. Did you always wanted to write a dystopia or was there a specific reason or event, which drives you to write “L’uomo vertical”?

I have always been attracted to the post-apocalyptic dimension, as well as from that of the original. The story of the novel has risen gradually, adding many different fascinations: literary, general news. In particular Italy for
many Italians it is seen as a country under siege. Immigrants are pressing at the borders. And we have a lot of borders, difficult to control. It ‘easy to attribute the problems or the loss of our country to foreigners

2. The most surprising thing for me was the elephant.  Was it your intention to write it as a parable and why have you chosen this form?

The whole book has to be read as a parable in the Bible, not in realistic terms. The elephant represents wisdom, time, patience, but also the ability to destroy everything in an instant thanks to its strength. He is the nature, the one
that lives without man. I would say that nature that life is better without the man.

3. Beside “L’uomo vertical” two crime fiction novels of you have been published in Germany, but I have seen you also published in Italia also other novels, e. g. a book for children. Do you have a preferred genre? And if so, why?

I have no gender preferences (except in the sexual sphere). The literary genre is an invention of the publishers. It needs to sell, to catalog the books in libraries, bookstores and to help the reader navigate. I believe there are only
good writers, mediocre writers and superlatives writers. Even bad writers. I hope to be a good writer. A good writer who sometimes wants to make tables, chairs sometimes, sometimes a bench or a library. The important thing is that
people use them and think “is made by a good craftsman.”

4. Just one short question at the end: what is your favorite crime novel?

My favorite crime novels are The promise by Durrematt, Le anime grigie di
Philip Claudel, L’avversario di Carrere. Not the traditional crime novel, as
you see!

 

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One thought on “Interview – Davide Longo

  1. Deine Interviewreihe ist ne tolle Sache! Und stimmt, Davide Longo. Da war doch was. Unbedingt hoch im SUB damit. 😉 Schönen Abend und LG

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