Die dunklen Felle

Krimis und Schafe – und Felle (oder Fälle?)

Interview – Lawrence Block

5 Comments

Um Lawrence Block zu kontaktieren habe ich seinen Pressekontakt Erin angeschrieben und innerhalb von 2 Minuten eine Zusage zum Interview bekommen. Das war mal richtig schnell! Aber auch die Antworten haben, nachdem ich die Fragen geschickt habe, haben nicht lange gedauert. Und deshalb darf das Lawrence Block Interview auch als erstes erscheinen.
Ich habe das Interview ins Deutsche übersetzt – for the original, English version, please scroll down a bit.

Übersetzte Version:

1. In Deutschland lässt sich eine Tendenz erkennen, vergessene Bücher und Autoren wieder zu entdecken. Ein Trend, der in der Krimiszene gerne gesehen ist. Das bedeutet, dass die neue Übersetzung und Veröffentlichung der Matthew Scudder Krimis genau zur richtigen Zeit kommt. Was war der Grund für Dich das genau jetzt zu tun und warum hast Du den Weg des Self Publishing gewählt?

Als es möglich wurde, selbst zu veröffentlichen, habe ich die Idee mit großem Enthusiasmus aufgenommen und habe viele meiner älteren Titel, die nicht mehr gedruckt werden, herausgebracht, zuerst als Ebook und dann als On Demand Taschenbücher. Das hat super funktioniert und war sehr befriedigend. Es hat mir bewusst gemacht, wie viel Potential es hat, wenn man sein eigenes Werk selbst herausgibt.

Ich kann mich nicht erinnern, was mich auf die Idee brachte, aber ich war frustriert darüber, dass meine Bücher in Deutschland nicht mehr verfügbar waren. Sowohl die Scudder als auch die Rhodenbarr Titel waren einige Jahre zuvor sehr beliebt gewesen, aber ich vermute, es hat Änderungen im Markt begeben und neuere Titel wurden nicht mehr übersetzt sowie ältere Titel wurden nicht mehr nachgedruckt. Und so hab ich mich mit Stefan Mommertz zusammen getan, um die Bücher mit geteiltem Gewinn selbst herauszugeben. Er hat die ersten drei Titel – Die Sünden der Väter, Drei am Haken, und Mitten im Tod – zusammen mit einigen Kurzgeschichten von Scudder übersetzt. Jetzt arbeitet er am vierten Titel – A Stab in the Dark – und in der Zwischenzeit habe ich ein Arrangement mit Sepp Leeb getroffen, welcher acht der Scudder Krimis für Heyne übersetzt hat, als diese zum ersten Mal in Deutschland veröffentlicht wurden. Er hat sich die Rechte für seine Übersetzungen gesichert und hat diese korrigiert, wo es nötig war. Und jetzt gebe ich diese neu heraus, auch hier teilen wir uns den Gewinn. Bis jetzt konnten wir also noch drei weitere veröffentlichen – Acht Millionen Wege zu sterben, Nach der Sperrstunde und Am Rand des Abgrunds – und weitere von Sepps übersetzten Titeln werden bald erscheinen.

Das Projekt ist sehr spannend. Es ist schwierig, deutsche Leser wissen zu lassen, dass es die Bücher gibt, dass sie wieder verfügbar sind, aber sie sind ein empfängliches Publikum und wir können jetzt langsam einige Verkäufe sehen.

2. Wenn Du an die Charakterentwicklung von Matthew Scudder denkst, gibt es da die eine Sache, die Du wirklich hättest machen wollen, aber nicht gemacht hast und nun bedauerst?

Nein, ich kann mich an nichts erinnern, was ich anders gemacht hätte. Ich habe mich entschieden, Scudder in Echtzeit altern zu lassen, was mitnichten eine Regel für fiktionale Detektive ist, denn sie tendieren dazu für immer gleich alt zu sein. Ich bin froh, dass ich diese Entscheidung getroffen habe, denn andersherum wäre es schwierig geworden, den Level an Realismus zu halten, denn ich beabsichtigt habe. Auf der anderen Seite macht es eine Fortsetzung der Serie schwierig, denn Herr Scudder wird langsam zu alt, um Abenteuer zu erleben.

Im Übrigen habe ich den gleichen Fehler in meinem eigenen Leben gemacht – und da würde ich es anders machen, wenn ich die Chance dazu bekommen würde. In Echtzeit zu altern mag für fiktionale Charaktere gut sein, aber ich fürchte, es ist nicht so eine gute Idee für das wahre Leben.

3. Wie sehen Deine nächsten Pläne für Deutschland aus? Wird eine andere Serie von Dir frisch übersetzt? Oder schreibst Du gerade an einem neuen Krimi oder einer Krimiserie?

Ich hoffe, dass es uns möglich ist, alle Scudder Krimis zu übersetzen und zu drucken. Was danach ist, weiß ich noch nicht. Die Bernie Rhodenbarr Krimis liefen in Deutschland sehr gut vor einigen Jahren, also ist das eine Möglichkeit. Und Keller, der Auftragsmörder, wäre auch ein guter Kandidat für eine deutsche Übersetzung.

Im Übrigen, soweit es Bernie und Keller betrifft, bin ich nicht auf Self Publishing festgelegt. Wenn ein deutscher Verlag Interesse hat, bin ich sehr interessiert daran, von ihm zu hören.

4. Und eine zusätzliche Frage: Was ist Dein Lieblingskrimi?

Darf ich ein paar meiner Lieblingskrimischriftsteller anstatt eines einzelnen Buches nennen? Donald E. Westlake, Ross Thomas und Evan Hunter waren alles gute Freunde von mir und erstklassige Schriftsteller. Ich vermisse sie und ich bin froh, Ihre Bücher zu haben. Und – da wir von Deutschland reden – sollte ich noch erwähnen, dass ich ein großer Fan von Philip Kerrs Bernie Gunther Krimis bin.

Abschließend hoffe ich, dass Du Deine Leser darüber informierst, dass ich einen Newsletter habe – normalerweise in Englisch, aber hin und wieder auch in Deutsch. Um auf den Verteiler zu gelangen, einfach eine leere Email an lawbloc@gmail.com mit dem Betreff NEWSLETTER – DE senden.

 

Original Version:

1.    In Germany we have right now a tendency to rake up some forgotten novels and authors, which is very welcomed in the crime fiction reader scene. That means that the new translation and publish of the Matthew Scudder novels come to the right place. What was the reason for you to do this now and why are you doing selfpublishing?

When it became possible to self-publish, I took it up with great enthusiasm, and brought out many of my out-of-print backlist titles, first as ebooks and then as print-on-demand paperbacks. This worked very well, and was very gratifying, and it made me aware of the potential of publishing one’s own work.

And I don’t recall what brought it to mind, but I’d been frustrated that my books were no longer available in Germany. Both the Scudder and the Burglar titles were po[ular there some years ago, but I guess there were changes in the market and newer titles went untranslated while earlier ones went out of print. And so I teamed up with Stefan Mommertz to self-publish on a basis of shared income, and he’s done the first three Matthew Scudder titles—Die Sünden der Väter, Drei am Haken, and Mitten im Tod—along with several of the Scudder short stories. Now Stefan’s at work on the fourth book, A Stab in the Dark, and in the meantime I’ve made arrangements with Sepp Leeb, who translated eight of the Scudder titles for Heyne when they were first published. He secured the rights to his translation, and has edited them when necessary, and I’m republishing them, again on a basis of shared income; so far I’ve been able to bring out Acht Millionen Wege zu sterben, Nach der Sperrstunde, and Am Rand des Abgrunds, and more of Sepp’s titles will be coming very soon.

So this is all very exciting. It’s difficult to let German readers know about the books—that they’re available again—but they are a receptive audience, and we are beginning to see some sales.

2.    If you think of the character development of Matthew Scudder, is there one thing you really wanted to do, but you don’t and now you regret it?

No, I can’t think of anything I wish I’d done differently. I made the decision to have Scudder age in real time, which as you know is by no means the rule with fictional detectives; they tend to stay the same age forever. I’m glad I made this choice, because to do otherwise would be out of keeping with the level of realism I aim for in the books. On the other hand, it has made it difficult to continue the series, as Herr Scudder is a bit too old to go on having adventures.

Incidentally, I made the same mistake in my own personal life—and there I might do it differently if I had the chance. Aging in real time may be good for fictional characters, but it’s not such a good idea in the real world, I’m afraid!
3.    What are your next plans for Germany? Will another of your series get a fresh translation? Or are you writing a new novel/series?

I’m hoping we’ll be able to get all of the Scudder titles translated and in print. After that, I don’t know. The Bernie Rhodenbarr books did well in Germany years ago, so they’re a possibility. And my hit man character, Keller, would be a very fine candidate for German translation.

Incidentally, as far as Bernie and Keller are concerned, I’m not committed to self-publishing. If a German publisher is interested, I’d be very interested in hearing from them.
4. And an additional question out of scope: YOUR favorite crime novel?

May I name a few favorite crime novelists instead of a single book? Donald E. Westlake, Ross Thomas, and Evan Hunter were all good friends of mine, and superb writers; I miss them,and am glad I have their books. And I should probably add that—speaking of Germany—I’m a great fan of Philip Kerr’s Bernie Gunther novels.

Finally, I hope you’ll let your readers know that I have a newsletter—generally in English, but now and then we get out an issue in German. To get on the list for it, just send a blank email to lawbloc@gmail.com, with the header NEWSLETTER – DE.
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5 thoughts on “Interview – Lawrence Block

  1. Ich muss gestehen, dass ich von Lawrence Block noch nichts gelesen habe. Aber dieses Self-Publishing mit den Übersetzern finde ich eine tolle Idee. Das sollte man eigentlich unterstützen.

  2. Klasse Interview!! L.B. ist einfach ne coole Socke. Wie Chandler hat der einfach einen Style, den kannst du nicht kopieren. Einer der ganz, ganz, ganz Großen im Genre des Kriminalromans und nebenbei bemerkt auch noch ein feiner Typ, mit dem man sich herrlich (und ellenlang) über Bücher austauschen kann.

    Ansonsten bleibt wirklich nur zu hoffen, dass L.B. es nicht bei den Scudders belässt bzw. sich ein Verlag findet, der auch seine anderen Titel übersetzt.

    @ Gunnar
    Scudder-Reihe unbedingt lesen. Ganz großes Tennis!

    • Dankeschön – es hat mir auch viel Spaß gemacht.
      Ich drück ja auch die Daumen, dass es noch mehr Lawrence Block Veröffentlichungen gibt. Vielleicht findet sich ja sogar wieder ein Verlag.

  3. Pingback: Monatsrückblick März 2017 | Die dunklen Felle

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