Die dunklen Felle

Krimis und Schafe – und Felle (oder Fälle?)

Neuer Fan: Neonregen – James Lee Burke

4 Comments

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James Lee Burke – Neonregen
Ein Dave-Robicheaux-Krimi
Verlag: Pendragon
Übersetzer: Hans H. Harbort
414 Seiten
ISBN: 978-3865325488

 

 

 

Lieber Dave,

nun überlege ich schon eine ganze Weile, welche Zeilen ich hier niederschreiben möchte. Ich finde nur schwer Worte, aber möchte doch gerne so viel sagen.

Beginnen muss ich wohl mit einer kleinen Rechtfertigung, denn Dein geistiger Vater, James Lee Burke, ist nun schon lange ein Star des Krimigenres und ich, als Krimileser und -blogger, hätte schon viel früher auf seine Werke stoßen sollen. Ja, wir befinden uns in einer Zeit, in der viele Autoren wieder entdeckt werden, deren Bücher bis jetzt entweder nur im englischen Original erhältlich oder in deutscher Übersetzung aber nur noch antiquarisch zu bekommen sind. Doch schon seit einer Weile werden Werke mit Dir oder Deinen Brüdern im Geiste Hackberry sowie Billy Bob Holland, neu veröffentlicht und dem deutschen Publikum zugänglich gemacht. Als ich dann den ersten Titel “Regengötter” (mit Hackberry Holland) gelesen habe, war ich nicht begeistert. Das Buch war dick und schwer, die Spannung hat Berg- und Talfahrten gemacht und dementsprechend hab ich erst mal wieder einen Bogen um “Burke”-Bücher gemacht.

Doch nun habe ich einen zweiten Versuch gewagt. Mit Dir, Dave. Mit “Neonregen”, in dem Du noch Lieutenant der Mordkommission in New Orleans bist. Nicht Dein erster Fall, aber der erste Fall, den Du mit uns teilst. Und der hat es in sich. Du konntest Dich aber auch nicht raushalten, was? So bist Du eben. Ein harter Kerl, gerne mit der Waffe in der Hand, aber eben mit einem weichen Herz. Für die, die von der Gesellschaft geringschätzig angeguckt werden, schlägt Dein Herz. Du bist ein Kerl, von dem wir Frauen die Finger nicht lassen können, auch wenn wir in ständiger Sorge und Angst leben, dass Deine Arbeit in unser Privatleben stürzt. Aber Du bist eben ein Guter. Ein guter Mensch, der die Bösen bekämpft und nur so kannst Du Deinen Job machen. Mit vollem Einsatz.

Doch Du wusstest ja gar nicht, in welches Wespennest Du gestochen hast. Du warst nur Angeln. Aber es ist wohl eine Eigenart von Polizisten und Detektiven immer und überall über Leichen zu stolpern. Und so hast Du doch tatsächlich beim Angeln die Leiche einer jungen Schwarzen gefunden. Ertrunken? Das glaubt zumindest der dortige Sheriff, doch Du bist hartnäckig, hast schon zu viele Leichen gesehen und forderst eine Autopsie. Und so hat alles angefangen. Per Zufall erfährst Du, dass man Dir an den Kragen will und beißt Dich fest, wie ein Hund in den Knochen. Ah, eher wie ein tollwütiger Hund. Du beißt nicht nur, Du stichelst und bohrst, trittst der örtlichen Polizei auf die Füße, sprengst die Poolparty des Drogenbosses. Ja, Du piesackst und stocherst bis Du die Wespen aufgescheucht hast. Wer konnte denn wissen, dass die Tote die Gespielin des Drogenbosses war und “entsorgt” werden musste?

Wäre es doch nur so einfach. Aber natürlich war es das nicht. Die junge Frau hatte einen Sack voll Hoffnungen und Träume im Gepäck und ist hart auf dem Boden gelandet. Doch aufgeben wollte sie nicht und dazu war sie genau am richtigen Ort. Zur richtigen Zeit. Und hat versucht daraus Nutzen zu schlagen. Doch ein Drogenboss ist eben nicht ein Drogenboss, weil er so freundlich zu den Menschen ist. Ein Drogenboss macht kurzen Prozess. Und macht dann weiter. Mit dem Schmuggeln von Drogen und Waffen. Schon wenn es nur darum gegangen wäre, doch es gab ja noch einen versteckten politischen Hintergrund. Ganz ehrlich, ich hätte ihn fast nicht entdeckt, so hintergründig hat Dein Schöpfer das eingebaut. Drogen, Waffen, Politik – ein Dreigestirn gestrickt aus Macht und Geld, mit welchem die Geschicke anderer Länder locker zu steuern sind. Ganz schön harter Stoff!

Und ich war dabei! Na ja, also fast, zumindest. Es kam mir so vor als wäre ich dabei gewesen. Ich habe mit Dir mit gefiebert und gebangt, ich war am Boden, geprügelt und gefesselt, unter Wasser gedrückt, mit Waffen bedroht, suspendiert und misstrauisch, sogar gegenüber Deinem eigenen Partner Cletus Purcel. Ich war dabei. Es war ganz schön brenzlig an einigen Stellen. Aber dann konnten wir wieder kurz Luft holen, ein Buch lesen, New Orleans in uns aufnehmen, die Atmosphäre, die Schwüle, die Feuchtigkeit. Fast schon tropisch. Das heiße Klima, die Geschichte der Stadt und die vielschichtige Bevölkerung sorgen für ein atmosphärisch dichtes Füllhorn an Möglichkeiten.

Mit Dir hat einfach alles gestimmt. Der Fall war spannend und ausgeklügelt, New Orleans ist mir ans Herz gewachsen und vor allem Du bist jemand geworden, den ich in meinem Leben nicht mehr missen möchte. Also verzeih, dass ich Dich erst so spät in mein Leben geholt habe. Ich wusste es nicht besser. Doch nun wird sich alles ändern. Deine bereits wieder auf Deutsch erschienenen Fälle stehen auf meiner Wunschliste und weitere sind in Übersetzung. So komme ich noch einige Zeit über die Runden, doch bitte denk nicht einmal dran, aufzuhören, Deine Fälle zu erzählen. Mach weiter und nimm mich mit. Hinein in Fälle, in denen wir die Guten sind, die Armen und Schwachen beschützen und den Bösen eins auswischen. Denn darauf kommt es an im Leben: den Bösen in den Arsch zu treten – und dabei verdammt gut auszusehen.
Rock On!

Christina

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4 thoughts on “Neuer Fan: Neonregen – James Lee Burke

  1. Sehr schön geschrieben und macht Lust aufs reinlesen. Eine kurze Frage noch: In welcher Zeit spielen die Romane ungefähr? Ich meine nur, da es sich ja um Wiederveröffentlichungen handelt.

    • Vielen Dank – ich freu mich. Ich wollte mal was anderes ausprobieren.
      Das Buch ist im Original 1987 erschienen und zu dieser Zeit spielt es auch – es gibt allerdings mittlerweile so um die 20 Krimis mit Dave Robicheaux und die Handlungszeit “wandert” mit. Leider sind noch nicht alle übersetzt, bzw. teilweise im Moment nur antiquarisch oder als ebook zu bekommen. Als Softcover bemüht sich der Pendragon Verlag alle Krimis der Serie auf den Markt zu bringen.

  2. Pingback: Rückblick und so was alles…. | Die dunklen Felle

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