Die dunklen Felle

Krimis und Schafe – und Felle (oder Fälle?)

Monatsrückblick September 2016 + Kriminell-literarisches Hamburg

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So, schon wieder ist ein Monat vorbei. Diesen Monat hatte ich quasi eine Deutschlandtour, da ich sowohl geschäftlich als auch privat verreist bin und hab die Zeit in Flieger und Zug genutzt, um zu lesen. Zugegebenermaßen ist so eine 5stündige Zugfahrt auch ein wenig einschläfernd, aber ansonsten lässt sich die Zeit dort ja zu fast nichts anderem nutzen, als sich ins Lesevergnügen zu stürzen.
Aber natürlich hab ich nicht nur auf Reise gelesen, sondern auch zu Hause und so sind doch wieder ein paar Bücher zusammen gekommen. Und hier sind sie:

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Mord in der Mangle Street – M.R.C. Kasasian
Wolfsspinne – Horst Eckert
Johnny Porno – Charlie Stella
Ein letzter Drink – Dennis Lehane
Knastpralinen – Simone Buchholz
Fahrenheit 451 – Ray Bradbury (ebook)
Die Geächteten – Hillary Jordan (ebook)
Mit leichtem Gepäck – Lawrence Block (ebook)

Zu einigen dieser Bücher wird es keine Rezension geben, deshab hier ein Einzeiler dazu, wie es mir gefallen hat:

Johnny Porno: Wenn man den Klappentext mal außen vor lässt, ist das ein feiner Mafiakrimi, um einen Porno, viel Geld und einen naiven, aber ehrlichen Mann – und alle wollen die drei Dinge haben. Lauf, Johnny, lauf!

Knastpralinen: Chastity Riley ist einfach eine Frau, die man lieben muss. Da ist es auch egal, dass sie den Täter schon wieder per Zufall findet – Chastity, die Stadt, das Flair, das alles, macht aus den Krimis von Simone Buchholz etwas besonderes.

Fahrenheit 451: Klassiker, den man vermutlich gelesen haben muss. Mir fehlte er noch. Check, erledigt. Allerdings bei Weitem nicht so beeindruckend wie 1984 oder Schöne, neue Welt. Jedenfalls für mich.

Die Geächteten: Täter, die je nach der Schwere ihrer Tat eine andere Hautfarbe erhalten. Hat sich auf dem Klappentext irgendwie nach mehr angehört, aber war ganz nett.

Mit leichtem Gepäck: Ein Kurzroman, aber nicht aus der Reihe um Matthew Scudder. Ich mag die Figurenzeichnung und fand die Story – trotz ihrer Kürze – recht gut, allerdings fehlte mir das Krimi-Element. Wenn er länger gewesen wäre, wäre das vielleicht noch was geworden…

Soooo, nun kommen wir zu HAMBURG!
Hamburg wollte ich schon länger mal besuchen. Als ich dann die Ankündigung gelesen habe, dass Malla Nunn auf Lesetour nach Deutschland kommt und ich mit Entsetzen feststellen musste, dass Süddeutschland anscheinend nicht dazuzählt, habe ich beschlossen, dass ich das Schöne mit dem Literarischen verbinde und einen Urlaub in Hamburg rund um die Lesung von Malla Nunn geplant. Neben Hafenrundfahrt, Speicherstadt und Michel gab es für mich also den Argument Verlag, Malla Nunn, Friedrich Ani und Nicole.

Am Mittwoch habe ich mich also auf nach Hamburg gemacht – mit “Knastpralinen” von Simone Buchholz aber auch “Johnny Porno” von Charlie Stella im Handgepäck. Über die sechs anderen Bücher im Koffer reden wir mal nicht.

20160922_110602Donnerstags hat mich mein erster Weg zum Argument-Verlag geführt. Viele meiner nicht-touristischen Ziele haben mich ein ganz anderes Hamburg sehen lassen, ein lebedinges, mit viel Flair und Charme. Und da kann der Argument-Verlag mit seinem außergewönlichen Äußerem, aber auch seinem gemütlichen Inneren ganz klar mithalten. Else Laudan war ja nun mit Malla Nunn auf Lesereise, aber 20160922_113736ich habe mit Lisa, die für die Öffentlichtkeitsarbeit zuständig ist und vermutlich den Bloggern unter Euch auch wohl bekannt ist, ein halbes Stündchen über den Verlag, die Krimis und das Leben und Arbeiten in einem Krimiverlag geklönt. Lisa “wohnt” im Archiv, in dem die Wände voller Bücherregale sind und auch der Gang ist voll davon. Ich hab da mal einen Teil fotografiert… und daneben meine klägliche Ausbeute hier zu 20160930_215716Hause. Aber es werden ja quasi ständig mehr. 🙂

 

 
Nach ein paar wenigen touristischen Zielen bin ich dann bei Nicole in Ottensen, einer Ex-Krimibloggerin, die man aber noch auf anderen sozialen Medien findet, aufgeschlagen. Ahh, wie schön. Ein herrlicher Nachmittag, um über Krimis, Bloggen und alles rund ums Buch zu quasseln. Danach hab ich dann übrigens einen kleinen Spaziergang durch Ottensen gemacht, was ich jedem empfehlen kann, nicht nur wegen meinem Ziel – dem Bonscheladen, den Nicole mir empfohlen hat, – sondern weil der Stadtteil seinen ganz eigenen Charme versprüht und unbedingt gesehen werden sollte.

 

20160922_203849Danach habe ich mich dann zum Buchladen in die Osterstraße aufgemacht, in dem die herrliche Malla Nunn, gemeinsam mit Else Laudan, die für sie übersetzt hat, ihre Lesung zu “Zeit der Finsternis” gehalten hat. Nach anfänglichen Textsuchen, die konspirativ zwischen den beiden Damen geflüstert wurden und zur Unterhaltung des Publikums gedient haben, ging es dann mit der Lesung los. Malla Nunn hat auf Englisch gelesen, Else Laudan auf Deutsch. Die folgende Fragerunde / Diskussion hat dann Else Laudan übersetzt. Natürlich nicht zu lange, denn die Damen wollten danach ja schon noch eine Kleinigkeiten essen. 🙂 Bis halb zehn oder so, war aber schon dr20160922_211947in. Malla Nunn ist eine sehr angenehme Person und hat den Schalk in den Augen, auch wenn die ernsten Themen ihrer Bücher natürlich auch zur Sprache kamen. Die Bücher hatte ich dabei, aber ich habe dann nach der Lesung noch das Krimiregal der Buchhandlung durchgesehen und wenn ich nicht unsicher gewesen wäre, ob ich so spät noch Bücher dort hätte kaufen dürfen, hätte ich das halbe Regal leer gekauft – ein so gut sortiertes Krimi-Buchregal ganz nach meinem Geschmack hab ich noch nie gesehen. Mainstream und Regionalkrimi hat man dort gar nicht gefunden, dafür aber jegliche Krimiperlen der letzten Monate und Jahre. Seufz….
Nun ja, jedenfalls hab ich mir natürlich noch die zwei Bücher von Malla Nunn – “Tal des Schweigens” und “Zeit der Finsternis” – die ich dabei hatte, signieren lassen. Das sind übrigens Teil 3 und 4 der Reihe um Emmanuel Cooper und Shabalala – Teil 1 und 2 sind im Aufbau-Verlag erschienen, doch soweit ich weiß, ist Teil 1 gerade nicht mehr über den Buchhandel zu beziehen.

 

20160923_200542Am Freitag hab ich mich dann touristischen Zielen gewidmet, bevor ich abends zur St. Katharinenkirche gepilgert bin, um Friedrich Anis Lesung zu “Nackter Mann, der brennt” beizuwohnen, moderiert von Tobias Gohlis. Neben einer festlichen Beleuchtung und moderner Kunst aus einem Berg Stühle war das wohl einer der stimmigsten Orte für eine Lesung, die ich je erlebt habe. Und auch eine Herausforderung für Moderator und20160923_204134 Autor, denn mit dem Hall in einer Kirche muss man erst mal umgehen lernen.
Friedrich Ani ist ein sehr eigener, aber angenehmer Mensch, dem seine Bücher wirklich am Herzen liegen. “Es muss raus” – ist einer der Sätze, der sich bei mir festgebrannt hat. Die Fragen aus dem Publikum waren eher zurückhaltend, bzw.  nicht vorhanden, dafür waren aber einige vom Moderator vorbereitet, wobei ich zugeben muss, hier wäre vermutlich mehr drin gewesen. Ich schätze Tobias Gohlis Meinungen über Krimis, aber das mit der Moderation muss er noch ein wenig üben. Vielleicht waren auch Ani und Gohlis nicht so kompatibel und in anderer Konstellation funktioniert es besser. Nichtsdestotrotz war auch dies ein gelungener Krimiabend, den ich mit Nicole und dem “Nichtleser” in einer Kneipe ausklingen habe lassen.

Ach ja, sorry für die schlechte Fotoqualität, es liegt mir einfach nicht. Schon gar nicht in heimeligen, wunderschön beleuchteten Kirchen.

Am Samstag bin ich dann wieder heimgefahren, diesmal im Handgepäck “Ein letzter Drink” von Dennis Lehane und (schon wieder) “Johnny Porno” von Charlie Stella.

So, das war es mit Hamburg, aber auch mit dem September. Wer braucht schon die Frankfurter Buchmesse, wenn er ein kriminell-literarisches Hamburg haben kann???
Ich war zwar noch nie auf der Frankfurter Buchmesse, aber ich würde um nichts auf der Welt meinen Hamburg Urlaub dafür hergeben.

 

 

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2 thoughts on “Monatsrückblick September 2016 + Kriminell-literarisches Hamburg

  1. Wenn ich so Deine Eindrücke lese, ärgere ich mich, dass ich mich nicht aufraffen konnte, zur Lesung von/mit Malla Nunn nach Marburg zu fahren. Aber “Zeit der Finsternis” zu lesen, darauf freue ich mich.

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