Die dunklen Felle

Krimis und Schafe – und Felle (oder Fälle?)

Massenweise Männer: Bull Mountain – Brian Panowich

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Brian Panowich – Bull Mountain
Verlag: Suhrkamp
Übersetzer: Johann Christoph Maass
335 Seiten
ISBN: 978-3518466575

 

 

 

 

So ganz kann ich mich den euphorischen Meinungen aus dem Feuiellton nicht anschließen. Dafür ist meine Meinung über Bull Mountain, einen Country Noir, zu gemischt. Es gab Dinge, die mir sehr gut gefallen haben, völlig anders als meine Erwartungen und überraschend, aber insgesamt war mir das Buch einfach zu testosterongesteuert und das Ende hat mich, nachdem ich kurzfristig äußerst positiv überrascht war, fürchterlich enttäuscht.

Der Bull Mountain gehört dem Burroughs-Clan. Das ist so und war schon immer so. Die Familie hat früher Schwarzgebrannten vertickt und ist mittlerweile auf Crystal Meth umgestiegen. Um den Berg zu schützen wird natürlich auch nicht mit Waffen gespart und auf dem Berg wimmelt es von Helfern des Clans. Clayton Burroghs steigt aus dem Familiengeschäft aus, bzw. betritt es erst gar nicht und wird stattdessen Sheriff. Solange der Clan nicht vom Berg kommt, scheint die Ruhe im Städtchen gewahrt.
Dann taucht ein ATF-Agent auf, einer von vielen, doch mit einer neuen Idee, die Sheriff Burroughs überzeugt und auf den Berg steigen lässt, um mit seinem Bruder zu verhandeln. Doch nichts ist so einfach wie es scheint, und schon gar nicht ist jeder, was er vorgibt zu sein.

Ein Haufen Hinterwäldler, die den Berg beanspruchen und verteidigen, die ihr Meth schon in der zweiten Generation über den gleichen Weg zu den Käufern schleusen. Ein Berg mit Geheimnissen und Gräbern, auf dem Fremde völlig verloren gehen. Letztendlich lebt momentan nur noch Halford Burroughs auf dem Berg, nachdem Raymond, der dritte Bruder, ein Jahr vorher getötet wurde. Und natürlich die vielen anderen harten Kerle, die den Besitz schützen und in der Verbrecherbande ihren Platz haben. Im Buch “suppt” das Testosteron durch jede Seite und Frauen sind hier, wie leider viel zu üblich, auf die Mutter oder Hure beschränkt, bis auf eine einzige Frau, die am Ende eine Sternstunde hat, die aber anscheinend auch nicht ohne Mann kann und ihr Stern wieder erlischt. Vielleicht bin ich gerade ein wenig zu feministisch unterwegs und schnappe zu viele Denkanstöße auf, aber Bull Mountain tropft schon sehr von Männlichkeit, Härte, Besitzansprüchen und Derbheit. Im Ganzen war mir das einfach zu viel.

Nichtsdestotrotz ist es eine Geschichte, die einen in den Bann zieht, denn der Autor zeigt nicht nur einen Kampf um einen Berg, sondern wie es dazu kam. In Rückblenden, die über drei Generationen reichen, zeigt er ein Geflecht aus Begebenheiten, Entscheidungen und Taten, die zu der heutigen Situation führt. Und hier zeigt sich, dass nicht die Verbrechen die Ursache für den Angriff auf Bull Mountain sind, sondern die Familie. Persönliche Angelegenheiten, ungelöste Konflikte in der Familie, schwelende Streitereien – mit Aussprachen haben es die Männer auf Bull Mountain nicht so. Und so gären die Konflikte bis zu einem Showdown auf dem Berg.

Einer, der die Ausnahme bildet ist Clayton Burroughs, auch wenn mir unklar ist, wie er der Sheriff sein kann. Er sagt sich von seiner Familie los und wird Sheriff im gleichen Ort. Aber er unternimmt faktisch nichts gegen seine Familie, bzw. deren Verbrechen. Ist das nicht die Aufgabe eines Sheriffs? Und so nah an der Familie zu bleiben, wenn ich mich lossage, macht für mich irgendwie auch keinen Sinn. Es scheint, als könnte er weder mit der Familie, noch ohne sie. Wäre da nicht ein anderer Job passender gewesen? Vor allem, da er nur zum Sheriff gewählt wurde, weil niemand anderes gegen ihn antreten wollte. Auch von außen wird er eher skeptisch beäugt und es wird gerätselt, ob er nicht doch mit der Familie noch zusammen steckt und den Posten nur mal zur Sicherheit belegt hat.

Was soll ich also abschließend sagen? Es war spannend und ließ sich zügig lesen, vor allem durch die Rückblenden, die zeigen, wie sich die Familientragödie anbahnt; die aktuellen Ereignisse müssen da leider hinten anstehen. Tendenziell war es mir einfach zu „männlich“, wenn ich das mal so sagen darf. Zuviel Reviergehabe – schön verpackt als Heimatverbundenheit und Familienzusammenhalt – zuviel Testosteron und zuviel Stolz. Und natürlich zu wenig Frauen bzw. Chancen für Frauen. Zudem hat mich leider das Ende enttäucht, obwohl ich erst euphorisch war. Die letzten drei Seiten oder so, haben es aber wieder versaut.
Ich glaube, das war mein erster Country Noir und demnach müsste ich das Genre für mich ziehen lassen, aber es war ja nur ein Vertreter und so werde ich mich da mal noch nicht abschrecken lassen.

Fazit:
Ein Männerstreit auf dem Land, mit zuviel Testosteron und Waffen geschmückt,  aber mit Rückblicken, die ein Familiendrama enthüllen und einen doch ein wenig in den Bann ziehen. Für mich ein durchwachsenes Lesevergnügen.

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2 thoughts on “Massenweise Männer: Bull Mountain – Brian Panowich

  1. Bei allem berechtigten Hinweis auf die Frauenfiguren muss man doch auch mal konstatieren, dass diese archaische Form der Gewalt doch einfach ein Männerproblem ist. Von daher finde ich die Nebenrollen der weiblichen Personen in dieser Art von Büchern auch gar nicht verwunderlich bzw. verwerflich.
    Wenn du das Genre noch mal weiter ausprobieren willst, kann ich dir nur Daniel Woodrells “Winters Knochen” empfehlen. Das Ding ist einfach großartig, vor allem wegen seiner weiblichen Hauptperson.

    • Gunnar, sorry, ich hab gestern total vergessen, die Kommentare zu beantworten… also…
      Ich sehe schon ein, dass das Buch ein ganz anderes geworden wäre, wenn die Frauen auf dem Berg gesessen hätten, aber es war einfach so geballt an Männern und so typisch Frauenrolle, dass man das einfach erwähnen musste.
      Und danke für den Tipp – von Daniel Woodrell hab ich sogar noch was im Regal stehen, allerdings anderes. Es kommt mal auf die Weihnachtswunschliste… 🙂

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