Die dunklen Felle

Krimis und Schafe – und Felle (oder Fälle?)

Wer ist Martin Blume? : Inenodabilis – George B. Wenzel

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George B. Wenzel – Inenodabilis
Verlag: tredition
444 Seiten
ISBN: 978-3734505331

 

 

 

 

Ich habe Euch „Inenodabilis“ ja schon in meiner Vorschau für Juli präsentiert. Irrtümlicherweise habe ich mir als Erscheinungsdatum Ende Juli notiert, doch es kam dann doch schon früher. Egal – dann kommt die Rezension dazu eben jetzt. Passenderweise hatte ich das Glück, den Autor auch zu einem kleinen Interview zu überreden, welches ich Euch morgen präsentieren werde. Macht Euch auf was gefasst, denn wir begeben uns in eine dunkle Zeit von Deutschland: es geht um Spionage, doppeltes, ach was dreifaches Spiel (oder gar noch mehr) und zwei Ermittler, welche einen Fall ihrer Laufbahn nicht vergessen können. Die alles entscheidende und durchgängige Frage ist: Wer ist Martin Blume?

Als Martin Blume eines Tages spurlos verschwindet, alarmiert die Postbotin die Polizei. Die beiden Kommissare Georg Rosa und Max Reinhardt bekommen den Fall zugeteilt. Weder die Durchsuchung der Wohnung noch des Ladengeschäfts des Antiquitätenhändlers bringt irgendwelche Hinweise, die Nachbarn kannten ihn kaum, Familie gibt es keine, Freunde sind nicht bekannt. Seltsamerweise ist die Wohnung sehr unpersönlich, keine Fotos, keine persönlichen Dokumente, aufgeräumt. Als der Fall schon im Sande zu verlaufen droht, taucht die Leiche eines Jungen auf, der einen Zettel mit Blumes Namen in der Hosentasche hatte. Der Junge ist in einem LKW mit vielen anderen Kindern aus dem Osten nach Deutschland geflüchtet, doch die Verbindung zu Martin Blume bleibt zuerst unklar. Als diese jedoch fest steht und die Ermittlungen wieder Schwung aufzunehmen scheinen, wird Georg und Max der Fall plötzlich entzogen und an das BKA übergeben.
Jahre später entschließen sich Georg und Max in Rente zu gehen. Doch der Fall um Martin Blume hat sie nie ganz los gelassen, so dass sie kurzerhand beschließen, die Ermittlungen privat wieder aufzunehmen. Doch sie stochern in einem tot geglaubten Wespennest, dessen Wirrungen und Wendungen sich erst nach und nach ergeben.

Ein deutsch-deutscher Kriminalroman. Hört sich erst mal komisch an. Über 20 Jahre ist es her, dass Die BRD und die DDR sich zu einem Land wieder vereinigt haben. Ich war 8 Jahre alt als die Mauer viel – außer an viele Fernsehberichte kann ich mich an kaum etwas erinnern. Auch die Zeit davor, eine Zeit, in der Deutschland getrennt war, kann ich mich nicht erinnern und ich hatte auch keinen Bezug dazu, wie z. B. Verwandte, die im Osten gelebt haben. Und wenn ich nun darüber nachdenke, dann kenne ich nur wenige Krimischriftsteller, welche die Zeit des Kalten Krieges aus Deutschland heraus betrachten. Eben keine Spionagegeschichten zwischen den Amis und Russen, sondern zwischen den Deutschen, zweierlei Deutschen, die zwischen diesen Großmächten eingeklemmt waren. Und so habe ich mich ganz besonders gefreut, dass „Inenodabilis“ dieses Thema aufgreift und mir näher bringt. Ich nutze Kriminalliteratur auch um etwas zu lernen. Ich will nicht belehrt werden, aber das Wissen, welches hier auf spannende Art und Weise eingearbeitet ist, sauge ich auf wie ein Schwamm.

Die deutsch-deutsche Geschichte ist nicht einfach – zu DDR-Zeiten dort totgeschwiegen, in der BRD wurde das auch gerne versucht, doch hier ist in den 60er/70er Jahren ja schon einiges aufgedeckt worden. Nun kann vieles was totgeschwiegen oder verheimlicht wurde nachgeschlagen und recherchiert werden. Das ist nicht einfach, es gibt eine Menge. Doch man merkt dem Buch an, wie viele Stunden Recherche hier drin stecken. Viele Begriffe sind jedem von uns geläufig, doch sollte das nicht so sein, gibt es Querverweise, die zu einem gut gefüllten Anhang führen, in dem Erklärungen, aber auch weiterführende Erläuterungen, Quellen u. ä. enthalten sind.

Nun aber keine Angst, das Buch ist ein Krimi und kein Geschichtsbuch. Die deutsch-deutsche Geschichte ist in eine spannende Spionagegeschichte rund um den verschwundenen Martin Blume gestrickt. Die beiden Ermittler, Georg Rosa und Max Reinhardt, dröseln mühevoll und immer wieder von Hindernissen ausgebremst, Stück für Stück auf, um sich dann zu fragen, ob die Aufdröselung überhaupt die Wahrheit ans Licht gebracht hat oder sie getäuscht wurden. So ist das, wenn man sich in den Dunstkreis von Spionen aus aller Herren Länder begibt, die sich hier in Deutschland getummelt haben – zusätzlich zu den Deutschen, die auch nicht unbeleckt waren. Und so weiß man nicht, wer für wen spioniert, aber noch viel weniger, ob der nicht schon längst wieder für jemand anderen spioniert. Ein Verwirrspiel par excellence!

Zugegeben, die Ermittler – Rosa und Reinhardt, aber auch deren Frauen, die leider nur schmückendes Beiwerk sind, und die amerikanische Unterstützung Benjamin Todt und Joe Black –  blieben für mich etwas farblos, vielleicht weil man von so vielen anderen Krimis schon gewohnt ist, dass das Privatleben der Ermittler immer eine Rolle spielt. Doch ich habe das private Geplänkel nicht vermisst. Ich war völlig damit beschäftigt, den entwirrenden Fäden (die sich hinter mir wieder verwirrt haben) zu folgen und nebenbei deutsch-deutsche Geschichte aufzunehmen. So gibt es auch keinen Showdown am Ende, doch immer wieder Höhepunkte in der Geschichte, wenn ein Stück entwirrt wurde und man ist kontinuierlich an der nächsten Auflösung dran. Besonders gut hat mir im Übrigen der Epilog gefallen – der wieder alles auf den Kopf stellt, was man vorher als wahr und definitiv angesehen hatte.

Zum Abschluss muss ich noch einen Punkt erwähnen. Der Schreibstil, auch wenn er ein wenig weitschweifig war und knackiger sein könnte, hat mir gut gefallen, doch leider hat das Buch noch einige Grammatik-/ Rechtschreib- bzw. Tippfehler, die der letzten Korrektur wohl entgangen sind. Mich hat es beim Lesefluss nicht gestört, aber sie sind mir halt doch aufgefallen. Aufgrund der Veröffentlichung in einem Selfpublisher-Verlag (Book on Demand) habe ich jetzt allerdings die Möglichkeit, das Buch nochmal zu lesen und diese Fehler aufzuspüren. Das Feedback werde ich dann dem Autor zur Verfügung stellen und schon die nächsten bestellten Bücher – nachdem die Korrekturen dann an den Verlag gegangen sind – werden eine korrigierte Version enthalten. Ich würde mich freuen, wenn ein paar von Euch auch in das Buch hineinschnuppern, ich rate allerdings dazu, noch ein paar Tage zu warten, bis die Korrekturen umgesetzt sind, damit diejenigen unter Euch, welche sich durch ein paar Fehler im Buch stören, sich dadurch nicht vom tollen Inhalt abhalten lassen.

Fazit:
Interessanter Einblick in die deutsch-deutsche Geschichte und das Geschäft mit der Spionage kombiniert mit einer spannenden Ermittlung, die versucht Licht in das Dunkel zu bringen. Empfehlenswert!

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3 thoughts on “Wer ist Martin Blume? : Inenodabilis – George B. Wenzel

  1. Korrekturlauf wurde per 19.10. umgesetzt

  2. Pingback: Monatsrückblick Oktober 2016 | Die dunklen Felle

  3. Pingback: Neu entdeckt #1 | Fluchtpunkt Lesen

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