Die dunklen Felle

Krimis und Schafe – und Felle (oder Fälle?)

Gemischt: Leons Erbe – Michael Theißen

2 Comments

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Michael Theißen – Leons Erbe
Verlag: Bastei Lübbe
232 Seiten
ISBN: 978-3741300141

 

 

 

 

Katja Helmke hat zu kämpfen. Vor einigen Monaten ist ihre Schwester Nicci spurlos verschwunden und nun ist auch noch ihr Sohn von einem Auto angefahren worden und gestorben. Kurz nach der Beerdigung wird sie von einem Rechtsanwalt kontaktiert. Dieser hat von Leon, ihrem Sohn, ein Kästchen erhalten, welches er ihr übergeben möchte. Zu Katjas Überraschung befindet sich darin das Armband ihrer Schwester Nicci. Woher hatte Leon das Armband? Wusste er etwas über Niccis Verschwinden? Und war sein Unfall vielleicht auch gar kein Unfall? Bevor Katja dazu kommt, den Brief aus dem Kästchen zu lesen, überschlagen sich die Ereignisse – und das Kästchen wird gestohlen.

Ich gebe zu, in (Psycho-)Thrillern ist Glaubhaftigkeit nicht unbedingt erforderlich, doch für mein Lesevergnügen muss es zumindest noch weitestgehend nachvollziehbar sein. Bei „Leons Erbe“ bleibe ich mit gemischten Gefühlen zurück. Für mich war es einfach zu viel des Guten: Zu viel wirkte konstruiert, einige Handlungen waren schlicht unlogisch. Zudem schliddert die Protagonistin von Information zu Information, von Situation zu Situation, sodass keine Zeit bleibt zu reflektieren und vor allem in ihrer Situation auch keine Zeit zur Trauer, bzw. Verarbeitung ihrer Trauer. Damit wirkt sie auf mich einfach nicht glaubhaft. Vor allem, als dann auch noch ihr Mann im Krankenhaus gelandet ist, sie aber trotzdem nicht von ihren Nachforschungen lassen kann.

So ist es kein Wunder, dass Katja sich des Öfteren im Kreis dreht, Dinge völlig außer Acht lässt und später wieder aufrollt, auf anderen Dingen wiederum ewig herum kaut  – das ging so weit, dass ich manchmal Schwierigkeiten hatte, bei dem Geschehen zu bleiben und nicht vorzuspringen. Die Geschichte ist insgesamt einfach ein wenig unrund und inkonsistent – nicht der Hintergrund des Ganzen, sondern wie Katja nach und nach hinter die Geheimnisse ihrer Schwester und ihres Sohnes stößt.

Der Thriller ist drängend und fordernd geschrieben, so dass man die Seiten förmlich umblättern will, bevor man sie überhaupt zu Ende gelesen hat, weil man unbedingt wissen will, wie es weiter geht. Und das gelingt dem Autor auch vorzüglich. Die Schreibart unterstützt das Format perfekt und lässt einen förmlich durch die Seiten rasen. Die Sprache ist einfach und die Kapitelenden gespickt mit Cliffhangern.

Neben der drängenden Spannung, die einen das Buch recht zügig lesen lässt, hat mir das Ende auch gut gefallen, denn davon war ich wirklich überrascht. Irgendwann hatte ich mir einen Grund zu Recht gelegt, einen Punkt, an dem die ganze Geschichte angefangen haben musste und der Autor hat mich hier wahrlich hinters Licht geführt und mal einen ganz anderen, ungewöhnlichen Hintergrund gewählt. Keine ausgetretenen Pfade wie das sonst so häufig der Fall ist. Bravo!

Nichtsdestotrotz  muss ich für mich feststellen, dass ich Psychothriller nur noch dediziert zu mir nehmen kann. Oft treffen sie einfach nicht mehr meinen Lesegeschmack und gehören für mich eher zum Fast Food – etwas für zwischendurch, was man schnell wegschmökern kann,  dass aber eben darüber hinaus keinen Mehrwert bietet.

Fazit:
Spannend geschrieben und mit überraschender Auflösung, aber leider zu konstruiert und unglaubwürdig und dadurch kein rundes Lesegefühl

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2 thoughts on “Gemischt: Leons Erbe – Michael Theißen

  1. Halli-Hallo,
    eine tolle Rezi!
    Das Buch fand ich ja auch eher durchwachsen…😃
    Viele Grüße

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