Die dunklen Felle

Krimis und Schafe – und Felle (oder Fälle?)

Tief im Wald: Teufelstritt – Ursula Hahnenberg

1 Comment

142_48415_169645_xxl
Ursula Hahnenberg – Teufelstritt
Verlag: Goldmann
319 Seiten
ISBN: 978-3442484157

Julia Sommer ist Försterin im Ebersberger Forst. In dem Forst, in dem einst ihr Vater Förster war, bevor er mit Julias Mutter und Julia im Wagen verunglückte und Julia Waise wurde. Ihre Oma Martha hat sie damals aufgezogen und nun wohnt das Weibergespann, gemeinsam mit Julias Sohn Florian im alten Haus der Familie. Doch der Neuanfang im erzkatholischen Dorf hat auch Nachteile: nicht nur der Kindergarten hat Schwierigkeiten mit dem nicht-getauften Florian, sondern auch das Dorf beäugt skeptisch die „Förstersliesel“. Besonders schwer macht es ihr allerdings ihr Chef, Ludwig Voss. Ein unangenehmer Mensch, der Julia auch schon körperlich bedrängt hat und der für die Jagd schwärmt. Als Julia dann Ludwig Voss erschossen im Wald findet, ist sie nicht nur die Hauptverdächtige, sondern macht auch noch alles falsch was man falsch machen kann.

Ich finde es immer wieder schön, selbst aus einem Krimi, der nicht den Anspruch hat ein politischer oder sozialkritischer Krimi zu sein, noch etwas zu lernen. So hat Julia Sommer bzw. die Autorin mir die Försterei näher gebracht. Wie wichtig es ist, neue Baumbestände zu pflanzen, alte Baumbestände zu erhalten, nicht wahllos Tiere zu schießen oder auch die Waldbrandgefahr im Auge zu haben. So ein Wald macht ganz schön Arbeit und Julia Sommer ist im Wald in ihrem Element. Der Wald und dessen Ruhe bedeuten ihr alles, abgesehen natürlich von ihrem Sohn und ihrer Oma. Sie ist ein zurückhaltender Mensch, der misstrauisch gegenüber Fremden ist und nur schwer Kontakt schließt. So hat sie auch erst eine Freundin im Ort gefunden, Teresa, und ist sonst mit sich, ihrer kleinen Familie und ihrem Wald zufrieden.

Leider wird ihr dieser Charakterzug zum Nachteil, als sie verdächtigt wird, Ludwig Voss erschossen zu haben. Am Tatort fasst sie alles an, läuft dann weg um Hilfe zu holen und wird von zwei Nordic Walkerinnen gesehen – fortan ist man weder bei der Polizei noch im Dorf zimperlich mit ihr. Zumal Julia kurz vorher mit Voss Streit hatte, sie es sich mit dem Pfarrer und der Feuerwehr verscherzt hat und auch noch die Tatwaffe die alte Waffe ihres Vaters ist – die sie Voss ohne Überlassungsschein einfach gegeben hat. Nun hätte es vielleicht Mittel und Wege gegeben, die Polizei milde zu stimmen, doch Julia verhält sich äußerst unkooperativ und verstrickt sich so immer mehr in die Geschichte und die Stimmung im Dorf heizt sich auf.

Während man in der Erzählung Julia folgt, gibt es noch Einwürfe aus einem Tagebuch. Dieses wurde von einer Frau geführt, die in ihrer Ehe, die sie anfangs als Erlösung aus dem Elternhaus glaubte, die Hölle auf Erden wird. Die Einträge sind sehr aufwühlend und zeigen ein verdecktes Familiengeheimnis. Das Miträtseln, wie zwei Erzählstränge zusammen gehören, macht mir in Krimis immer noch am meisten Spaß, wobei man relativ schnell herausfinden konnte, wer die Tagebuchschreiberin war, allerdings noch lange nicht, wer der Täter / die Täterin ist.

Die beiden Stränge zu verbinden und die Familiengeschichte zu entschlüsseln um den Täter zu erraten, die aufgeheizte Stimmung im Dorf, die bis zum Mobbing reichte, der drohende Sorgerechtsstreit, welcher über Julia hängt wie eine Gewitterwolke –  das alles hat für Spannung gesorgt. Die Försterei und der Wald waren für die lehrreichen und erholsamen Momente im Buch. Unglücklicherweise hat mir allerdings Julia Sommer nicht so zugesagt – viele ihrer Aktionen waren mir unverständlich – unlogisch und zum Teil selbstschädigend. Sie hat sich mit ihrer Art das Leben selbst schwer gemacht, dabei war der Mord ja eigentlich genug Aufregung. Leider blieben auch die im Klappentext versprochenen Nachforschungen aus – denn der Fall löst sich irgendwie nach und nach selbst auf, Julia hat damit nur wenig zu tun – schade, denn hier wäre noch Potential gewesen.

Fazit:
Ein spannender Krimi mit Einblick in die Försterei und einer aufgeheizten Dorfatmosphäre, aber leider mit einer Hauptfigur, die mir nicht so zusagte. Ein Lesevergnügen, aber eins mit noch Potential nach oben!

Advertisements

One thought on “Tief im Wald: Teufelstritt – Ursula Hahnenberg

  1. Pingback: Monatsrückblick August 2016 | Die dunklen Felle

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s