Die dunklen Felle

Krimis und Schafe – und Felle (oder Fälle?)

Very cozy: Istanbul Tango – Esmahan Aykol

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978-3-257-30036-9
Istanbul Tango – Esmahan Aykol
Verlag: Diogenes
Übersetzerin: Antje Bauer
326 Seiten
ISBN: 978-3257300369

 

Im Urlaub begebe ich mich gerne nach Norden. Die britischen Inseln, Irland, Skandinavien… wenn es doch mal ein wenig mehr Sonne sein soll, dann höchstens mal die Kanaren. Ich mag heißes Klima einfach nicht so, weder trocken noch feucht, und die heißen Tage im deutschen Sommer sind mir völlig ausreichend (auch wenn diese sich dieses Jahr Zeit lassen). Literarisch hingegen bin ich da sehr viel offener und versuche die Welt zu bereisen. Da stört das Klima ja auch nicht so, da kann man dann auf dem heimischen Sofa in Land, Kultur und Leute eintauchen. Und erstaunlicherweise war ich noch nie in der Türkei. Weder persönlich noch literarisch. Zumindest bei letzterem hab ich nun Abhilfe schaffen können mit Esmahan Aykols „Istanbul Tango“, den vierten Teil um Buchhändlerin Kati Hirschel.

Kurz nachdem eine Wahrsagerin Kati Hirschel, Inhaberin eines Buchladens in Istanbul, eine Leiche in ihrem Leben prophezeit hat, kommt Nil, eine Freundin ihrer Mitarbeiterin Pelin, ins Krankenhaus. Sie ist plötzlich in einem Cafe zusammen gebrochen, die Diagnose lautet Herzversagen und nun liegt sie im Koma. Da Nil noch jung war und keine Herzprobleme hatte, wittert Kati kriminelle Machenschaften und beginnt, im Umfeld der Kranken herumzuschnüffeln.

Das erste Wort, was einem bei Esmahan Aykols Krimi durch den Kopf schießt, ist cozy. Kati Hirschel ist Buchhändlerin, aber während der Handlung so gut wie nie in ihrem Buchladen. Viel lieber steckt sie neugierig ihre Nasen in anderer Leute Leben und quetscht sie aus. Ein Glück für sie, dass die Türken redselig sind – jedenfalls betont sie das öfters –  denn sie stochert sehr ungeniert in jedermanns Leben und Geheimnissen. Sie ist nicht nur neugierig, wie sich das für eine Cozy-Heldin gehört, sondern auch fürchterlich quirlig, manchmal schnippisch und fast schon persönlich beleidigt, wenn man ihr mal etwas nicht verrät. Ein Wirbelwind! Einfach ist Kati Hirschel ganz sicher nicht und das bekommen auch ihre beiden Mitarbeiter Pelin und Fofo mit, Fofo wohnt sogar bei Kati, so dass er sich ihr kaum erwehren kann und brav unterordnet. Kurzerhand zieht auch der Bruder von Nil, Hakan, ein und bezahlt Kati auch noch für ihre Nachforschungen. Ganz nebenbei entdeckt sie zudem noch vielleicht eine neue Liebe.

Persönlich finde ich Kati Hirschel und ihre Art gewöhnungsbedürftig und vermutlich nicht für jeden geeignet. Ein wenig schade ist auch, dass Kati sehr raumgreifend ist, so dass für den interessanteren Akteur, nämlich Istanbul, nicht mehr so viel Platz ist, wie ich gerne gehabt hätte. Ab und an blitzt Istanbul hervor, meist kulinarisch oder in Nebensätzen, wenn Kati von einem zum nächsten Befragten hetzt. Man merkt eine gewisse Turbulenz und Vielfalt, die in Istanbul herrscht, aber insgesamt finde ich die Kultur und Geschichte der Stadt zu wenig hervorschauend.

Das hätte sich ändern können, wenn man das Thema des Romans, welchen Nil schreibt, weiter ausgearbeitet und als Begründung für den Herzanfall hergenommen hätte. Der Roman handelt von der türkischen Geschichte, als die Republik neu gegründet worden ist und Atatürk Republikbälle veranstaltet hat, damit sich Männer und Frauen beim Tango näher kommen. Diese Tatsache hat Nil als Basis genommen um eine Geschichte über ein auswanderndes Pärchen, dass dann in den Wirren der argentinischen Militärdiktatur landet, zu spinnen. Das ist aber auch schon leider alles, was man über den Roman erfährt und er ist nur eine von vielen Spuren, die Kati verfolgt.

Desöfteren muss man sich fragen, warum Kati eigentlich ermittelt, denn gestorben ist ja erst mal niemand. Und wenn, dann durch Herzversagen. Ok, sie wird von Hakan bezahlt, um Nachforschungen anzustellen – aber das hat sie auch schon vor dessen Angebot gemacht.  Nichtsdestotrotz deckt Kati nach und nach alle Geheimnisse von Nil auf und findet auch heraus, warum das Herz versagt hat. Ob Kati nun aber wieder öfters in ihrem Buchladen anzufinden sein wird, wage ich zu bezweifeln. Der nächste Kriminalfall findet sich bestimmt. 😉

Fazit:
Very cozy folgt man der quirligen Kati Hirschel durch die turbulenten Straßen Istanbuls, um das Herzversagen der Journalistin Nil aufzuklären. Thematisch hätte man hier noch sehr viel mehr herausholen können, doch so bleibt es: einfach gute Unterhaltung für zwischendurch.

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