Die dunklen Felle

Krimis und Schafe – und Felle (oder Fälle?)

Geister und Alkohol: Mord im Zeichen des Zen – Oliver Bottini

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9783832163112
Oliver Bottini – Mord im Zeichen des Zen
Verlag: Dumont
370 Seiten
ISBN: 978-3832163112

 

 

 

 

Im November 2015 habe ich „Im weissen Kreis“, den 6. Lousie Boni Krimi von Oliver Bottini gelesen und feststellen müssen, dass es kein kluger Schachzug war, mitten in der Reihe zu beginnen. Jedenfalls war das damals mein Gedanke. Heute, nachdem ich „Mord im Zeichen des Zen“, den 1. Louise Boni Krimi gelesen habe, muss ich das Urteil ein wenig revidieren. Damals habe ich von Geistern gesprochen, die Boni verfolgen. Es sind die Toten, die ihr zu schaffen machen. Personen, die ihr nahe standen, aber auch Menschen, die sie getötet hat. Diese Geister sind allerdings auch schon im ersten Teil vorhanden und Bottini zeigt sich hier als König der Andeutungen, denn nicht alle Toten, die sie verfolgen, habe ich mir zusammen reimen können. Louise Boni bleibt geheimnisvoll. Aber mal von Anfang an.

Es ist Winter und Schnee fällt, als im kleinen Örtchen Liebau ein buddhistischer Mönch auftaucht. Nur in Robe und mit Sandalen, dafür mit Kopfverletzungen. Hollerer, ein Polizist des Dorfes, versucht herauszufinden, was der Mönch dort macht und wohin er möchte, doch der schweigt. Und steht auf und geht weiter. Unbeirrt, durch schneebedeckte Felder, eisige Lüfte und klirrend-kalte Wälder.
Hollerer ruft Hilfe und kriegt Boni. Louise Boni, Kommissarin bei der Freiburger Kripo, soll auf Entziehungskur. Kurz bevor ihr Chef sie sich schnappen kann, kommt der Notruf über den Mönch gerade recht. Boni muss noch nachdenken, ob sie sich wirklich eingestehen kann, dass sie Alkoholikerin ist und so kommen ein Ausflug aufs Land und ein mysteriöser Mönch gerade recht. Doch im Schnee warten ihre Geister und der Mönch ist nicht nur mysteriös, sondern auch in höchster Gefahr.

Louise Boni, verfolgt von ihren Geistern, getrieben von ihrer Alkoholsucht, aber immer auf der Seite der Hilflosen, der Schutzbedürftigen. Ob diese nun wollen oder nicht. Der Mönch fragt nicht nach Hilfe, er erklärt nichts, aber er hält Boni auch nicht davon ab, ihm zu folgen und sich nachts in den gleichen Unterschlupf zurückzuziehen wie er. Und des Nachts kommen tatsächlich Männer in den Wald und suchen den Mönch. Doch wer sind diese?

Boni befasst sich mit Buddhismus und Zen, die fernöstliche Religion ist ihr fremd und ein Experte muss her. Der Mönch kommt aus einem Kloster in Frankreich, doch dort scheint alles in Ordnung. Der Vorsteher ist mitteilsam und ausgeglichen, die Mitarbeiter der Organisation Asile d’enfants, die dort einige Waisenkinder aus Asien vorübergehend betreuen, die in Europa an Eltern weiter vermittelt werden sollen, scheinen mit dem Leben im Kloster nur wenig zu tun zu haben.

Bottinis Schreibstil, den er bis zum 6. Band noch verfeinert und verkürzt, lag mir auch diesmal. Mir ist klar, dass Bottini ein Faible für den Buddhismus hegt, doch muss ich zugeben, dass mir das Thema aus „Im weissen Kreis“ wesentlich mehr zugesagt hat. Nichtsdestotrotz habe ich mehr über das Thema Buddhismus erfahren als ich bisher wusste und somit ist wieder klar erkennbar: Lesen bildet.

Der Wehrmutstropfen (!) der Geschichte ist Louise Alkoholismus. Sie ist darin gefangen und kann sich nicht eingestehen, dass sie süchtig ist. Dabei klimpern bei jedem Schritt die Schnapsflaschen in ihrer Jackentasche. Der Fokus liegt auf dem Kriminalfall, doch Bonis Alkoholismus zieht sich durch fast alle Seiten. Ob es eben die klimpernden Flaschen sind, oder ihr Chef, Bermann, der versucht, ihr klar zu machen, dass sie ab Montag nicht mehr arbeitet, sondern sich frei nimmt, eine Entziehungskur machen muss und keinesfalls wieder kommen darf, bevor sie den Tag nicht nüchtern übersteht. Es war mir einfach zu viel – Bonis Geister dienen zwar zur Erklärung, warum sie zur Flasche greift, aber die Geister hätten für mich schon gereicht. Zum Glück weiß ich, dass die Serie ausgefeilter, thematisch tiefer und auch alkoholfreier wird, so dass ich den nächsten Teil schon mal auf meine Wunschliste gepackt habe. Schließlich war auch Teil 6 spitze.

Fazit:
Eine Louise Boni, die mit Geistern und Alkohol kämpft, war mir ein wenig zu viel, doch Bottinis Schreibe und seine Art der Themenpräsentation sehr gelungen. Ein Debüt, welches definitiv Lust auf mehr macht.

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