Die dunklen Felle

Krimis und Schafe – und Felle (oder Fälle?)

Duell: Tag Null – Leif Tewes

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Leif Tewes – Tag Null
Verlag: fhl Verlag
232 Seiten
ISBN: 978-3958486027

 

 

 

Tom war mal Scharfschütze. Jetzt ist er Auftragsmörder. Doch irgendetwas stimmt nicht, er verfehlt sein Ziel. Wer ist die Frau und warum hat Tom danebengeschossen? Nun muss Tom nicht nur für gut Wetter bei seinen Auftraggebern sorgen, sondern auch herausfinden, was es mit der Frau auf sich hat. Paula Hertel, eine studierte Historikerin. Schon das scheint seltsam, auch wenn sich Tom normalerweise nicht darum schert, wen er erledigen soll. Allerdings ist es sein erstes Mal zu Hause, seine sonstigen Aufträge haben ihn in die Krisengebiete der Welt geführt.
Derweil macht sich Kommissar Berg große Sorgen. In seinem Land hat sich die Balkan-Mafia gefestigt und schreckt auch nicht vor Auftragsmord zurück, um ihre Ziele zu erreichen. Ein Banker, ein General und nun eine Historikerin. Kein Wunder, dass Tom und Berg nicht aneinander vorbei können. Der Kommissar mit den ungewöhnlichen Methoden und der Auftragskiller, der sich gerade viele Gedanken macht, spielen ein Katz-und-Maus-Spiel in den Schluchten Frankfurts, mit tödlichem Ende.

Tom, bei der Bundeswehr zum Scharfschützen ausgebildet und dann in die Selbständigkeit übergegangen, ist ein nachdenklicher Auftragsmörder. Der Autor lässt ihn zurück blicken, auf seine Ausbildung und seine Jahre als Mörder in Ländern, die wir alle aus den Nachrichten kennen. Seine Melancholie rührt von seiner Begegnung mit Hannah, die ihn tief berührt und an seinem Leben zweifeln lässt.

„Aber die Stunden mit Hannah waren wie ein flüchtiger Blick durch ein Schlüsselloch in ein anderes Leben. Zu kurz um alles klar zu erkennen, zu lang, um es zu vergessen.“ (S. 59)

Tom denkt ans aufhören, aber noch hat er einen Auftrag. Doch der verpatzte Schuss verschafft ihm auch Ärger mit seinen Auftraggebern. So lässt der Autor tief in den Auftragsmörder Tom blicken, zeigt Rückblicke und sein Hadern mit der Zukunft. Gerade die Blicke in die Vergangenheit waren sehr interessant, wenn sie auch das Tempo des Thrillers etwas gezügelt haben. Das zieht der Autor dann aber mächtig an, so dass man auch ein fulminantes, filmreifes Finale hat, wenn auch kein Hollywood-Popkorn-Kino-Ende.

Doch bevor man dahin kommt, lernt man ja noch den zweiten Part des Duos kennen: Kommissar Berg. Frustriert von der Entwicklung seiner Stadt und seiner Machtlosigkeit als Polizist, arbeitet er unermüdlich daran, das organisierte Verbrechen aus seiner Stadt zu kriegen – ohne Erfolg. Die Reihen sind dicht, Zeugen verschwinden oder wollen nicht mehr aussagen. Und das auch nur, wenn man überhaupt eine Verbindung zur Mafia findet. So ist für Berg schon lange die Entscheidung gefallen.

„Ob er denn diese Situation in seinem Job nur noch mit Zynismus ertragen könne, wollte sie wissen. Er antwortete ausweichend, er könne die Strukturen nicht ändern, aber nach seinen Überzeugungen handeln, die im Grunde immer noch die gleichen seien wie auf der Polizeischule. Dass diese Mittel, mit denen er arbeitete, nicht immer legal waren, hatte er ihr immer verschwiegen.“ (S. 179)

So finden sich zwei Gegenspieler, die so gar nicht sind, wie man sie sich vorstellt. Deren Aufeinandertreffen hätte für mich noch ein wenig länger sein können, denn das Wortduell war sehr spannend. Beide sind schnörkellos und klar, so wie das auch der Schreibstil widerspiegelt. Für mich ein spannender Thriller, bei dem ich es schade finde, dass ich ihn nicht schon gekauft habe, als ich den Autor, Leif Tewes, auf der Langen Leipziger Kriminacht mit seinem Thriller gehört habe. Egal – jetzt ist das nachgeholt.

Fazit:
Ein Duell der Spitzenklasse – ein nachdenklicher Auftragsmörder und ein Kommissar, der eine etwas andere Lösung sucht. Ein tolles Debüt!

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