Die dunklen Felle

Krimis und Schafe – und Felle (oder Fälle?)

Freche Göre: Der 13. Brief – Lucie Klaasen

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Lucie Klassen – Der 13. Brief
Verlag: grafit
345 Seiten
ISBN: 978-3894253493

 

 

 

 

Anstatt wie von ihren Eltern gewünscht, in Münster ein Jurastudium zu beginnen, bleibt Lila Ziegler einfach im Zug sitzen und landet in Bochum. Anfangs noch mit 100 Euro ausgestattet, die sie einem Obdachlosen spendet, ist sie auf der Suche nach einer Übernachtungsmöglichkeit und ergaunert sich bei Privatdetektiv Danner einen Schlafplatz auf der Couch. Der erwartet, dass sie morgens wieder verschwindet, doch Molle, sowohl Danners Vermieter als auch der Eigentümer der im Haus ansässigen Kneipe serviert Lila nicht nur ein opulentes Frühstück, sondern auch einen Job als Bedienung in seiner Kneipe. Nachdem Danner merkt, dass er Lila nicht mehr los wird, erkennt er auch die Vorteile in ihr, denn er steckt gerade in einem Fall fest, in dem Lila ihm sehr gut helfen könnte. Es geht um die 16jährige Eva Ahrendt, die aus einem Fenster der Schule gesprungen ist. Der Fall ist bei der Polizei zwar noch nicht abgeschlossen, doch das Ergebnis steht eigentlich fest: Selbstmord. Staschek, ein Polizist, engagiert Danner, um den Fall zu untersuchen, da seine Tochter Lena die beste Freundin von Eva Ahrendt war und er seine Tochter auch in Gefahr sieht. Danner hat sich als Sportlehrer in das Gymnasium eingeschleust, doch als Lehrer bleibt man von den Geheimnissen der Schüler ausgeschlossen. Doch Lila geht auch locker als 16jährige durch und wird somit als neue Mitschülerin eingeschleust und versucht Eingang in die Clique zu finden, welcher Eva Ahrendt angehörte.

Lila Ziegler ist jung, aufsässig, rotzfrech und eine gute Lügnerin. Schon von Kind auf hat sie sich gegen die strengen Regeln und vorausgezeichneten Wege des Elternhauses gewehrt. So ist es kein Wunder, dass sie den Weg zum Jurastudium kurzerhand boykottiert, um es ihrem Vater, dem Oberstaatsanwalt, schon mal gar nicht recht zu machen. Mit bunt gefärbten Haaren und bunten Klamotten schlägt sie bei Danner auf, doch zeigt sie ihre Wandlungsfähigkeit. Mit entsprechender Schminke und Kleidung geht sie sowohl als 16jährige in der Schule durch, als auch als 26jährige auf dem Polizeiball als Danners Begleitung. Wie alt genau Lila jetzt eigentlich ist – wer weiß das schon? Verschiedene Angaben kommen aus ihrem Mund – immer dem Anlass entsprechend. Das Lügen fällt ihr leicht, schließlich kommt es nur darauf an, so nahe an der Wahrheit zu bleiben wie nötig, damit die Lüge glaubhaft ist. Und doch hat sie arge Gewissensbisse, als sie Evas Freundinnen anlügt, um an Informationen zu kommen.

Da haben wir nun also Lila, den Jungspund, in einem Haufen Männer im mittleren Alter. Danner, der Privatdetektiv, früher Polizist, ein notorischer Herzensbrecher, der das aber nur tut, weil er mal richtig verletzt wurde (im Übrigen von “der Schlampe” aka der Chefin der Kriminalpolizei bzw. dann Vizepolizeipräsidentin). Zu ihm gesellt sich Molle, die gute Seele der Truppe, dessen Kneipe der Treffpunkt für alle ist, dessen Kühlschrank nie leer wird und der Danner und Staschek den Kopf zu Recht rückt, wenn sie Lila nicht mit der von Molle vorausgesetzten Höflichkeit begegnen. Und dann noch Staschek, Polizist, glücklich verheiratet, mit Kindern. Er ist sich aber auch nicht zu schade mit Lila zu flirten. Da muss er allerdings auch erst mal mit Danner konkurrieren.
Ach, was soll ich sagen – eine wahnsinnig tolle Truppe. Wirklich, ich finde die Konstellation toll. Jeder hat seinen Platz und sie agieren wie ein altes Ehepaar, gut geölt, auch wenn es ab und an quietscht.  Hat das mit der Liebelei zwischen Lila und Danner dann sein müssen? Wirklich? Das ist wohl mein ewiger Kritikpunkt – so gut ein Krimi auch ist, irgendeine Liebesgeschichte verleidet mir doch immer wieder den Spaß daran. Das ist allerdings auch mein einziger Kritikpunkt, denn ansonsten konnte der Krimi bei mir punkten.

Die Ermittlung spielt sich hauptsächlich in der Schule ab, Lila findet hier schnell Anschluss und kennt auch einige Tricks, um Geheimnisse heraus zu kitzeln. So ist nicht nur schnell ein grabschender Lehrer gefunden, sondern auch die Liebeleien und Verbandelungen der Schüler werden schnell aufgedeckt. Doch sind das die Gründe für den Selbstmord von Eva Ahrendt? Eine Sicherheit sollen die Schultüren geben, die von außen nur mit einem Coin geöffnet werden können, welche die Lehrer*innen bei sich tragen. Doch wenn man alleine mit zwei Schulrowdys im Klassenzimmer zurück bleibt ist somit auch jeder Hilfe von außen der Weg abgeschnitten. So werden die Lehrer*innen durchleuchtet und die Schüler*innen, aber auch die Eltern bleiben vor Lilas und Danners Ermittlung nicht gefeit. Und vorsichtig müssen sie obendrein noch sein. Dass das Verhältnis von Polizei zu Privatdetektiven eh schon immer ein wenig kibbelig ist, ist bekannt, doch in diesem Fall haben wir noch die Leiterin der Kripo, die Ex von Danner, welche die privaten Ermittlungen erschwert und auch mal sonntags morgen eine Hausdurchsuchung bei Danner anordnet. Hier gibt es also ganz viel Reibungsfläche- und für den Leser Auflockerung zwischendurch.
Und so ganz kurz fragt man sich dann am Ende, was eigentlich mit Lilas Eltern ist – von denen hört man nämlich im ganzen Buch nichts. Lila – Lost in Bochum?

Fazit:
Ein furioser Auftakt mit einer frechen, sehr jungen Ermittlerin im Kreis von gestandenen Männern – nur die Liebelei, ja, die hätte mal wieder nicht sein müssen.

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5 thoughts on “Freche Göre: Der 13. Brief – Lucie Klaasen

  1. Pingback: Abschluss “Ich lese deutsch!” | Die dunklen Felle

  2. Also mir hat das Buch ziemlich gut gefallen (sogar die Liebelei ;-)) – vielen Dank fürs Ausleihen 🙂

    Liebe Grüße,
    Melanie

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