Die dunklen Felle

Krimis und Schafe – und Felle (oder Fälle?)

Fast perfekt: Revolverherz – Simone Buchholz

16 Comments

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Simone Buchholz – Revolverherz
Verlag: Knaur
304 Seiten
ISBN: 978-3426500378

 

 

 

 

Ja, ich bin ein wenig zu diesem Buch überredet worden. Eigentlich wollte ich „Blaue Nacht“ (Teil 5) lesen, den Krimi, der aktuell von Simone Buchholz erschienen ist. Und das wollte ich nur, weil meine beiden Bloggerkolleginnen von Wortgestalt und MyCrimeTime von der Autorin so schwärmen und ich mir dachte, na dann muss ich da auf jeden Fall auch reinsehen. Nun wohne ich aber im Süden und der einzig verfügbare Band von Simone Buchholz in der Buchhandlung war eben „Blaue Nacht“. Nun hat Nicole mir aber ans Herz gelegt, lieber mit dem ersten Band zu beginnen. Da ich da schon bei Bottini die Erfahrung gemacht habe, dass dies besser gewesen wäre, hab ich nun also erst mal zu „Revolverherz“ gegriffen.

Als eingefleischte Süddeutsche beginnt Norddeutschland für mich gleich zwei Zentimeter hinter der Grenze von Baden-Württemberg/Bayern.  Mit „Revolverherz“ befinden wir uns aber nun wirklich in Norddeutschland, genauer gesagt in Hamburg. Das Buch platzt fast aus allen Nähten mit Hamburger Orten und Marken. Auch wenn ich noch nicht in Hamburg war, war das Hamburg in „Revolverherz“  für mich äußerst authentisch. Zum einen gibt es da die schönen Plätze, Plätze die von Touristen besucht werden, aber auch versteckte Ecken, die nur den Hamburgern bekannt sind. Zum anderen sind da die Ecken, in die lieber keiner so genau sehen will. Und doch sind sie da. Und auch hier tummeln sich Touristen – so ist das eben in Hamburg, einer Stadt, die eben gerade für die Reeperbahn und den Kiez berühmt ist. Was die Atmosphäre aber vollendet sind die Menschen, die Simone Buchholz in ihr Buch einbaut. Zu Chastity Riley kommen wir später, aber gerade die Nebenfiguren machen die Darstellung komplett. Von Julchen und Ali, den eigentlichen Köpfen hinter dem Kiez, bis zu Klatsche, Chastitys Nachbarn, Liebhaber und Ex-Verbrecher, von den Polizisten, angefangen bei Faller, einem alten Haudegen, der das Herz auf dem rechten Fleck hat und sich um Chas sorgt wie um seine eigene Tochter (oder fast noch mehr), und Calabretta, dem feurigen Südländer, bis hin zu Carla, Chastitys beste und quirligste Freundin, die unter viel Herzschmerz leidet und auch bei Chastity noch nicht aufgegeben hat. Abwechslungsreich und überzeugend sind die Figuren in Simone Buchholz Krimi und runden die Atmosphäre des Buches ab.

Der Kriminalfall  – jemand tötet junge Frauen, zieht ihnen die Kopfhaut ab und setzt ihnen Perücken auf – hat mich zugegebenermaßen nicht ganz so vom Hocker gerissen. Zumal er nur durch eine zufällige Begegnung gelöst wurde – und doch werde ich mir den nächsten Band auf jeden Fall bald reinziehen. Es ist aber nicht nur die Kulisse Hamburgs, die mich hier reizt, auch wenn sie sehr stimmig und überzeugend ist. Nein, es gibt dafür auch zwei andere Gründe. Der kleinere ist, dass mir aus den anderen Rezensionen bekannt ist, dass die Fälle mit den folgenden Büchern komplexer und ausgeklügelter werden und darauf freue ich mich schon. Der wichtigere Grund ist aber der folgende: Chastity Riley.

Über den amerikanischen Namen sehen wir mal hinweg – der Vater war eben Amerikaner – aber ansonsten ist Chastity Riley einfach eine tolle Frau. Seit der Vater sich erschossen hat und sie allein zurückgelassen hat – die Mutter hat sich schon lange vorher in die USA verabschiedet – denkt sie, sie müsste etwas beweisen, studiert, wird Staatsanwältin und kann nicht von den Mordfällen nicht lassen. Sie ist der Chef und hat sich diesen Respekt auch schon verdient. Im Laufe einer Ermittlung zieht sie sich immer zurück und denkt sich in den Täter ein. Der Verlust ihres Vaters macht es ihr schwer, Bindungen einzugehen – vor allem zu 15 Jahre jüngeren Nachbarn, doch sie kann sich nicht Klatsches Anziehungskraft erwehren und will es auch gar nicht. Stark, aber nicht knallhart. Man/Frau muss als Frau nicht gleich ein Mann sein oder einen ersetzen, es darf ruhig mit Makeln sein – das macht es nicht nur authentischer sondern auch real. Eine Wahnsinnsfrau ist Simone Buchholz hier gelungen. Stark!

Fazit:
Eine Staatsanwältin, die einen umhaut und ein Wahnsinnssetting – wenn jetzt die Krimifälle noch mehr Futter bekommen – Perfekt!

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16 thoughts on “Fast perfekt: Revolverherz – Simone Buchholz

  1. Das bekommen sie, versprochen! Wird mit jedem Buch thematisch interessanter, der Kriminalfall. Ich habe Band 1 mit 3 Sternen bewertet, Band 2 dann mit 5. 😉

    Und ich schließe mich Nicolas Meinung an, die Reihe am besten in chronologischer Reihenfolge zu lesen. Auch wenn jeder Fall für sich funktioniert, die Figurenentwicklung macht viel aus. Auch für das große Ganze spielt es eine Rolle. Guter Rat!

    Hach ja, so viele schöne Sätze, ich habe die Bücher wirklich sehr gern gelesen!

  2. Jaaaaaaa! Dich hat das Chas-Fieber erwischt. Statt guter Besserung sage ich dann einfach mal das hier: toll! *konfetti werf* Und die Kriminalfälle werden in der Tat von Band zu Band interessanter weil komplexer. Wobei auch die Figuren eine interessante Entwicklung machen, die manchmal auch richtig ans Herz rührt. Wie zum Beispiel Carla im zweiten Band … Nee, ich verrate nichts. Außer, dass es mein Lieblingsband ist. 😉
    Es freut mich wirklich sehr, dass Philly und ich dich anfixen konnten. 😀
    P.S.: Den My-Crime-Time-Link kannste eigentlich entfernen. Den Blog gibt es seit ein paar Tagen nicht mehr. Führt also ins Leere. 😉

    • Ha, wie wunderbar, meiner nänlich auch! 🙂 Also der zweite Band, Lieblingsband. Und “Eisnattern”, die Story mit den Jugendlichen und dem Obdachlosen.

    • Was? Wie? Wieso das denn? Ich hab die letzte Rezension noch nicht gelesen… und überhaupt – warum gibt es denn mycrimetime nun nicht mehr?
      Aber noch kurz zu Simone Buchholz und ihrer Reihe – der zweite Band muss jetzt noch ein wenig warten, da ich ja für den Juni schon ganz viele andere Bücher rausgesucht habe, aber ich werde mir den nächsten Teil auf jeden Fall holen, denn von Chas Riley möchte ich schon mehr erfahren.

      • Och, das schreibe ich dir mal im Laufe der Woche in Ruhe (denke mal, in eurer FB-Gruppe steht auch was dazu).
        Und Simone Buchholz lohnt sich auch häppchenweise immer mal wieder. Es lohnt sich, versprochen!

  3. Simone Buchholz ist ja positiv in aller Munde momentan. Ich darf verraten, dass es bei uns morgen ein wenig anders sein wird. Kurt war mit “Blaue Nacht” nicht so ganz zufrieden. Ich muss mir irgendwann mal ein eigenes Bild machen.

    • Hm… kann ich jetzt schlecht vergleichen, weil ich eben nur Revolverherz gelesen habe. Aber irgendwann komme ich ja vielleicht auch bei Blaue Nacht an. Ich bin auf jeden Fall schon gespannt, was Kurt dazu sagt – denn die beiden Mädels, Philly und Nicole, waren ja durchweg begeistert.

      • “Blaue Nacht” habe ich sogar noch aufgehoben, weil ich mit der Reihe so fix durch war. Wollte noch etwas Gutes zum Genießen auf Lager haben. 😉

      • Ah, ich dachte, das hättest Du auch schon gelesen. Aber ich kenn das – wenn man was Gutes gefunden hat, will man ja nicht alles gleich weglesen und sich noch was aufheben..

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