Die dunklen Felle

Krimis und Schafe – und Felle (oder Fälle?)

Ernährung, extrem: Allesfresser – Christine Lehmann

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Christine Lehmann – Allesfresser
Verlag: Argument
252 Seiten
ISBN: 978-3867542111

 

 

 

 

Der 12. Lisa Nerz Krimi zeigt wieder ein sehr spannendes und auch hochaktuelles Thema: Veganismus. Vegan – das Wort ist im Moment in aller Munde und ein wahrer Trend. Zwischen Wohlfühl-Veganern und Extremen ist hier auch alles zu finden. Und wie wir Lisa Nerz kennen, macht sie keine halben Sachen und lotet die Grenzen aus. Wie weit muss oder kann man sein Leben umstellen, um vegan zu sein? Und wann muss das Ende erreicht sein, wann geht die Lebensqualität verloren? Stellt man nur seine Ernährung um oder greift man auf alle Bereiche zurück? Kann man noch normale Kleidung kaufen und tragen oder glücklich über eine Wiese laufen? Oder muss man sich um jede Ameise sorgen machen? Ihr seht schon, ein facettenreiches Thema, in dem es einen reichhaltigen Boden für Diskussionen gibt. Und jetzt Lisa Nerz da rein – das Experiment kann beginnen.

Richard Weber, Staatsanwalt und Freund von Lisa Nerz, requiriert sie für einen Auftrag. Hinni Rappküfer, ein bekannter Fernsehkoch und absoluter Fleischfan, wurde entführt. Die Polizei vermutet die Verfasserin eines Vegan-Blogs dahinter, die findet, dass die Menschen erst aufwachen, wenn sie das „Menschenschlachthaus“ kennen gelernt haben. Doch die Schreiberin ist anonym, auch wenn man aus den Texten einiges ableiten kann. Lisa soll sich in die vegane Szene einschleusen und herausfinden, wer die Schreiberin ist und ob diese hinter der Entführung steckt. Doch die Szene ist engmaschig und – vor allem – misstrauisch.

Lisa Nerz ist und bleibt wie wir sie kennen. Mit Feuereifer tritt sie nicht nur für die Schreiberin ein, sondern schmeißt erst mal alles raus, was nicht vegan ist und kauft sich neue Klamotten. Ja genau, auch ihre geliebte Lederjacke legt sie ab. Sie wird vegan. Doch sie kann zwar aus ihren Kleidern, aber nicht aus ihrer Haut. In der veganen Szene angekommen, muss sie sich doch ab und an recht am Riemen reißen und nicht immer gelingt ihr das. Auf die Probe gestellt wird sie und kann einem Brand und der Polizei nur entkommen, weil sie eben nicht auf den Kopf gefallen ist. Keine Diskussion lässt sie aus, stürzt sich bereitwillig in nette Gespräche aber auch gerne in scharfzüngige Diskussion mit Leuten, die keine anderen Meinungen zulassen. Eckt an, stößt an, aber arbeitet sich beharrlich voran.

Auch in diesem Buch habe ich wieder viel lernen dürfen. Zum Beispiel über Produkte, bei denen man gar nicht an tierische Bestandteil im oder in der Produktion des Produkts nachdenkt. Oder das man mit dem Auto Insekten überfahren könnte, oder gar beim Laufen auf sie treten. Ja, Lisa trifft sie alle: Leute, die sich eben einfach nur vegan ernähren, aber auch extreme Veganer. Doch auch hier ist nicht jeder gleich. Sich um Tiere zu sorgen und deshalb nicht mehr eine Straße entlang gehen zu können, ist harmlos, schmälert aber die Lebensqualität bis auf ein unwesentliches Nichts. Doch auch aggressive Extreme gibt es, die Tiere befreien, Metzgereien beschmieren oder deren Scheiben zertrümmern – und eben Fernsehköche entführen und sie gut verpackt ins Kühlregal legen. Alle Seiten werden ausgelotet und beleuchtet, als auch beharrlich bearbeitet und aufgebohrt.

„Ich bin anders. Ich bin straight. Ich mache die Augen auf, ich unterscheide nicht zwischen menschlichen und tierischen Tieren, Haustieren und Schlachtvieh.“ (S. 6, Zitat aus dem Blog vegancode)

Der Text des Blogs lässt einen schon schlucken. Doch so extrem er ist – er verfehlt seine Wirkung nicht, man denkt nach, man lernt daraus. Doch der Einstieg ins Buch war dadurch ein wenig schwierig, denn in den ersten Seiten wechselt sich Lisas Unterhaltung mit Richard beim Essen Kochen mit Ausschnitten aus dem Blog ab, relativ kurze Abschnitte jeweils, die einen rausreißen und wieder ausspucken. Doch nach dem ersten Schock und Einstieg begleitet man Lisa durch die vegane Szene, entdeckt, hört zu, glaubt und zweifelt. Es ist ein Streit, der noch nicht ausgefochten ist: Vegan – ja oder nein? Für Lisa steht am Ende aber die Entscheidung fest und ich vermute, dass einige Veganer damit so gar nicht einig sind.

Fazit:
Veganer aufgepasst – mit spitzer Zunge und herausgefahrenen Ellbogen wühlt sich Lisa Nerz durch Eure Szene! Gewohnt rotzig und nirgendwo hineinpassend räumt sie durch und findet im veganen Dschungel letztendlich den Täter. Lisa Nerz und ein brisantes, hochaktuelles Thema – das ergibt immer eine sehr gelungene Mischung!

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One thought on “Ernährung, extrem: Allesfresser – Christine Lehmann

  1. Pingback: Dr. Richard Weber, die Erste: Gaisburger Schlachthof – Christine Lehmann | Die dunklen Felle

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