Die dunklen Felle

Krimis und Schafe – und Felle (oder Fälle?)

Neutrinos: Das Signal – Patrick Lee

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978-3-499-27150-2
Patrick Lee – Das Signal
Verlag: rororo (Rowohlt)
Übersetzerin: Ulrike Thiesmeyer
461 Seiten
ISBN: 978-3499271502

 

 

 

 

Eine frühere Kollegin und Freundin von Sam Dryden bittet ihn um Hilfe. Als Sicherheitskraft war sie bei Bayliss Labs engagiert, einem Tochterunternehmen eines Rüstungskonzerns, welches an Forschungen arbeitet. Nun ist sie auf der Flucht, denn sie ist im Besitz eines Gerätes, welches Radiosendungen aus der Zukunft empfängt. Und zwar aus einer Zukunft, die 10 Stunden und 24 Minuten entfernt ist.  In den Händen der Guten können damit Straftaten vereitelt werden, z. B. 4 Mädchen aus einer Gefangenschaft gerettet werden, bevor der Täter sie in Flammen aufgehen lässt, nachdem sie einen Notruf abgesetzt haben. In den falschen Händen hilft das Gerät bei der Ermordung von Politikern, um finanzielle Vorteile zu haben und für sonstige finstere Machenschaften. Für Sam Dryden beginnt eine atemlose Jagd, bei der er es mit einem Gegner zu tun hat, der schon vor ihm weiß, wo er hingehen wird – egal wann er sich dazu entscheidet es zu tun.

Patrick Lees Thriller hat alles was ein guter Thriller so braucht: einen taffen, aber rechtschaffenen Exagenten mit Erfahrungen in Spezialeinsätzen, einen direkten, temporeichen Einstieg, der praktisch gar nicht mehr aufhört – heißt, das Tempo ist ungebrochen bis zum Schluss, eine schaurig-böse Organisation, deren Ziele man nie genau weiß, bei denen aber bestimmt niemals was Gutes rauskommt. Mit der Liebelei wurde diesmal gespart – es gibt nämlich keine – was ich sehr erfrischend finde, denn diese Lovestories in den Thrillern finde ich immer ein wenig unnötig.

Das entscheidende – und unterscheidende – Element ist aber die Science Fiction Komponente. Diesmal ein Gerät, welches Radiosendungen aus der Zukunft empfängt. Übrigens auch mal nur Musik oder nerviges Rauschen und nicht nur erhellende Nachrichtensendungen. Wie cool ist das denn? Ein Radio mit Meldungen aus der Zukunft.
Im ersten Teil um Sam Dryden ging es um ein kleines Mädchen, welches Gedanken lesen konnte und natürlich von mächtigen Männern verfolgt und für ihre Zwecke genutzt wurde bzw. werden sollte. Die Idee fand ich gut, aber nicht außergewöhnlich. Die Idee mit dem Radio ist nun schon eine ganz andere. Die technische Umsetzung überlasse ich mal Eurer Fantasie (oder ihr lest einfach das Buch), aber die Komplikationen, die sich daraus ergeben, die haben die Gehirnwindungen schon angekurbelt.

Dryden und Marnie, die FBI-Agentin, die ihn erst verfolgt und dann mit ihm gemeinsam gegen die „Gruppe“ (das sind die Bösen) vorgeht, müssen immer wieder versuchen, ihre Aktionen so zu verschleiern, dass diese nicht in den Nachrichten auftauchen. Hört sich einfach an? Ist es aber nicht, wenn man ständig von schießwütigen Killern verfolgt wird und neben ein paar Leichen, brennenden Autowracks und Streifenwagen, die einen verfolgen, auch noch Straftaten verhindert, bevor diese geschehen. Denn offiziell erfasste Meldungen können auch im Radio empfangen werden – oder in der Zukunft gar eingespeist werden. Solche fiesen Tricks, damit arbeiten natürlich die Bösen. Die haben auch eine Möglichkeit gefunden, mit dem Gerät sogar weiter in die Zukunft zu sehen, als nur einige Stunden (für technische Details – siehe Buch, funktioniert aber wohl im übertragenen Sinne wie ein Spiegel im Spiegel) und spielen in der Weltgeschichte herum, genauer gesagt, bei der Wahl des amerikanischen Präsidenten im Jahre 2024. Und so muss man neben der höllisch temporeichen Jagd auch ein wenig aufpassen, um die zwar logischen, aber kniffligen Gedankengänge zur Vermeidung oder eben auch bewussten Herbeiführung der Zukunft nachvollziehen zu können.

Für mich war das Buch genau das richtige zum richtigen Zeitpunkt. Ich brauchte mal eine kleine Auszeit und einfach nur gute und spannende Unterhaltung. Ein Pageturner, den ich auch an einem Tag geschafft hätte, wenn ich nicht nebenher noch ein paar andere Sachen hätte erledigen müssen. Und wenn auch keine tiefschürfenden Erkenntnisse warten, lässt mich doch die Frage nicht los, was ich wohl mit so einem Radio anfangen würde. Ich würde jetzt keine bösen Sachen damit anstellen, aber wer kann schon finanziellen Vorteilen widerstehen? Die Lottozahlen kurz vorher erfahren und noch schnell einen Schein ausfüllen. Ich käme aber glaube ich schnell in ein Dilemma, wenn ich dann versuchen würde, Straftaten zu verhindern. Ich bin eben kein Exagent, der mal locker leicht einen Straftäter überwältigt, sondern nur Büroangestellte. Aber man wächst ja an seinen Aufgaben, also… na ja, das sind nur so ein paar Gedankengänge zum Abschluss. Jedenfalls bin ich jetzt schon gespannt, welche Science Fiction Komponente Patrick Lee für seinen nächsten Thriller um Sam Dryden aus dem Hut zaubert!

Fazit:
Temporeich, spannend und mit dem gewissen Extra: Radionachrichten aus der Zukunft! Ein außergewöhnlicher und kniffliger Fall für den Exagenten Sam Dryden, der den Thriller vom Durchschnitt abhebt.

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7 thoughts on “Neutrinos: Das Signal – Patrick Lee

  1. Hey, das hört sich nach der perfekten Lektüre für einen faulen und verregneten Sonntag an! Hast du den ersten Band der Reihe auch gelesen? Ich bin bei Reihen ja meist immer etwas spießig und fange gerne von vorne an. Habe gerade bei Skoobe (boah, ich liebe diese Lese-Flat!) gesehen, dass sie “Mindreader” haben. Das ist dann wohl mal der erste Teil. Ist direkt mal auf meinen Merkzettel gewandert. Und am Sonntag soll das Wetter ja eher schlecht sein … 😉

    • Ja, Band 1 habe ich auch gelesen – und rezensiert – siehe hier: https://diedunklenfelle.wordpress.com/2014/10/01/staatsfeind-nr-1-mindreader-von-patrick-lee/
      Persönlich hat mir der zweite Teil besser gefallen, weil das Sci-Fi-Gimmick einfach mehr hergibt und das Grübeln über die Paradoxen, die hier auftreten, einfach Spaß macht.
      Empfehlen kann ich übrigens auch die Trilogie um die Pforte – da gefällt mir das Gimmick und dessen Auswirkungen noch besser. Hierzu hab ich allerdings keine Rezension – die Teile habe ich gelesen, bevor ich einen Blog hatte.

      • Dass du den ersten Teil bereits rezensiert hast, ist mir dann auch wieder eingefallen. Der Name kam mir so bekannt vor. 😉 Mh, ich denke, ich werde trotzdem mal mit dem ersten Band anfangen (okay, den zweiten haben sie bei Skoobe auch noch nicht ^^). Die Pforten-Trilogie haben sie allerdings auch… Verdammt, schon wieder so viele schöne Lesetipps! Ich liebe es! Dankeschön! 🙂

      • Wie immer – gerne. Ich hab auch schon wieder eine Lesetipp bei Dir gefunden… die Liste wird wohl immer länger sein als ich je Zeit habe…
        Ach ja, und weil ich es noch nicht geschrieben habe: Willkommen zurück!
        Und weil ich Dich ja ein wenig kenne, möchte ich noch kurz erwähnen, dass die Patrick Lee Thriller wirklich “nur”, aber eben wirklich spannende Unterhaltung sind – wobei ich das Nachdenken über das “Was wäre, wenn…” sehr spannend finde, so nach dem Motto Gedankenexperiment.
        Also, was soll ich sagen – ich bin gespannt, wie Dir der Autor und die Bücher gefallen – egal, mit welchem Du anfängst (falls Du mit der Trilogie beginnst, solltest Du übrigens wirklich mit Teil 1 anfangen, denn diese bauen aufeinander auf) 🙂

      • Och, ich lasse mich inzwischen auch gerne mal einfach nur mal nen Nachmittag lang lesend unterhalten. Vergangenes Jahr habe ich mich zum Beispiel durch ziemliche viele Jack-Reacher-Bände von Lee Child geschmökert. Ob ich dann auch drüber blogge? Wahrscheinlich nicht. Aber ich lasse dir auf jeden Fall einen dicken Kommentar nach der Lektüre da!

        Und … danke!

      • Oh, ja sehr gerne, denn es wäre schade, wenn ich jetzt nicht irgendwann erfahre, wie es Dir gefallen hat. 🙂

  2. Pingback: Monatsrückblick April 2016 | Die dunklen Felle

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