Die dunklen Felle

Krimis und Schafe – und Felle (oder Fälle?)

Balanceakt: Der Schnupfen – Stanislaw Lem

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Stanislaw Lem – Der Schnupfen
Verlag: Eder & Bach / Die ZEIT
Übersetzer: Klaus Staemmler
180 Seiten
ISBN: 978-3945386149

 

 

 

 

Ich versuche heute mal einen Balanceakt. Und zwar werde ich versuchen, Euch etwas zu empfehlen, was mir nicht gefallen hat. Wobei das auch nicht ganz richtig ist. Mal sehen, inwieweit mir dies gelingt.
Wie es dazu kommt?

Vor einer ganze Weile (schon letztes Jahr und auch noch in einer Zeit, in der ich echt wenig Zeit für den Blog hatte), hat mich der Verlag Eder & Bach angeschrieben, ob ich nicht Lust hätte in ihr Projekt „Bibliothek der verschwundenen Bücher“ rein zu lesen, unter der Leitung von „Die Zeit“ und herausgegeben von Eder & Bach, und dies vielleicht auch auf meinem Blog vorzustellen. Ich geh mal davon aus, dass noch einige andere Blogger eine solche Mail erhalten haben, wobei ich in den Blogs, den ich folge, nichts gesehen habe.
Nachdem es bei mir ein wenig ruhiger wurde, habe ich mich entschlossen, das Projekt vorzustellen und versucht mir ein Buch auszusuchen, um auch eine fundierte Vorstellung zu leisten. Das war schon gar nicht so einfach, denn an Krimis und Thriller wimmelt es jetzt nicht gerade und so ist meine Wahl auf „Der Schnupfen“ von Stanislaw Lem gefallen, der zumindest das Wort „Krimi“ im Vorstellungstext hat und ich ja auch gerne mal ein wenig Science Fiction in meinen Krimis mag.
Hier aber nun erstmal die Titel der Reihe:

51ftI37VJrL._SY351_BO1,204,203,200_Françoise Sagan: In einem Monat, in einem Jahr
William Faulkner: Wilde Palmen
Ford Madox Ford: Die allertraurigste Geschichte
E.M. Forster: Auf der Suche nach Indien
Natalia Ginzburg: Die Stimmen des Abends
Stanislaw Lem: Der Schnupfen
Alberto Moravia: Die Gleichgültigen
James Baldwin: Giovannis Zimmer
George Sand: Sie und Er
Aleksandar Tišma: Der Gebrauch des Menschen
Alice Walker: Die Farbe Lila
Tom Wolfe: Die Helden der Nation

Auch wenn der „Krimi“ mich nicht in seiner Funktion als Krimi überzeugen konnte – dazu dann mehr im nächsten Absatz – möchte ich gerne die „Bibliothek der verschwundenen Bücher“ vorstellen, denn die Idee hinter diesem Projekt finde ich großartig. Nun mag hier die Auswahl für die Krimileser klein sein, doch für nicht so genre-bezogene Scheuklappenträger wie ich, sind die wiederentdeckten Bücher kleine Schätze. Wer es noch gerne hübsch im Regal mag, der kann dann auch auf die Komplettausgabe mit Schmuckschuber zugreifen – wer aber nun doch nicht alle Bücher ansprechend findet, kann die Bände eben auch einzeln erwerben und das für einen moderaten Preis für ein Hardcover-Buch.
Ich weiß, der Absatz hat sich jetzt ein wenig nach Werbung angehört, aber das müsst ihr mir verzeihen, da ich die Idee des Projektes wirklich toll und unterstützenswert finde.

Kommen wir nun aber zu „Der Schnupfen“ von Stanislaw Lem. Ein Meister seines Faches und hoch gelobt – ob nun „Der Schnupfen“ DAS Aushängeschild ist, wage ich zu bezweifeln. Ich habe wochenlang an dem Buch gelesen und danach ein wenig gegooglet, wie andere das Buch empfinden und ob ich allein auf weiter Flur bin. Nun ja, fast allein. Viele erwähnen zwar auch einige Punkte, die mir nicht gefallen oder mich verwirrt haben, aber viele sind wohl Lem Fans und heben die positiven Aspekte hervor. Falls ihr also an dem Buch interessiert seid, lohnt es sich, sich auch anderweitig zu informieren. Nun aber zu meiner Meinung.

Der Schreibstil des Autors ist nun wirklich nicht einfach. Man wird mitten hinein in die Geschichte katapultiert und folgt dem Erzähler durch einige Orte in Italien, weiter nach Frankreich. Zuerst weiß man gar nicht, wen man vor sich hat, später erfährt man dann, dass der Erzähler ein ausgemusterter Astronaut ist, der sich als Privatdetektiv verdingt und einige seltsame Vorkommnisse in Neapel untersucht, bei der mehrere alleinstehende Amerikaner mit bestimmten äußerlichen Merkmalen verstorben sind, sich umgebracht haben oder verrückt wurden.

Es war für mich anstrengend das Buch zu lesen und wirklich nicht einfach. Nach einer merkwürdigen Szene auf einem Flughafen – die meines Erachtens keinerlei Verbindung zur Geschichte hat, aber wohl für das Science Fiction Element sorgt – trifft er einen Wissenschaftler und unterbreitet ihm seitenweise die Daten der Opfer, deren letzte Handlungen usw. Das Ende ist dann irgendwie plötzlich und auch keine Aufklärung, sondern passiert eben einfach.

Wenn ich nun darüber nachdenke, welche Punkte mir gefallen haben und welche nicht, fällt die Bilanz recht mager aus. Ein Astronaut als Privatdetektiv ist irgendwie schon eine coole Idee, wenn man erfährt, dass er durch seinen Heuschnupfen ein ewiger Ersatzmann war und nie im All, ist das schon weniger begeisternd. Insgesamt konnte mich das Buch überhaupt nicht packen und auch keine Spannung verbreiten. Die Meinungen im Netz heben seinen erkenntnistheoretischen Ansatz hervor und ja, dieser war da. Das ist nur leider nicht mein Fall.

Fazit:
Nichts für mich – aber für Fans von Stanislaw Lem und Liebhaber von philosophischen und erkenntnistheoretischen Texten. Und für den nächsten Schub “verschwundener Bücher” plädiere ich für mehr Krimis. 🙂

 

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2 thoughts on “Balanceakt: Der Schnupfen – Stanislaw Lem

  1. Hm, vielleicht hat es ja auch einfach Gründe warum manche Bücher vom Markt verschwinden. Vermutlich ging es vor Dir nicht mehr Lesern so das sie nur schwer ins Buch gekommen sind uns es einfach keinen Spaß gemacht es zu lesen. Ich hatte auch schon so viel gerühmte Werke, die zu lesen eine Qual war und bei denen ich dann nicht verstanden habe, was eigentlich so toll an dem Buch sein soll.

    • So gesehen hast Du natürlich recht. Manchmal hat es schon seinen Grund, warum Bücher “verschwunden” sind. Andererseits werden gerade so viele Bücher wieder entdeckt, bzw. auch erst in Deutschland aufgelegt, weil sie es damals nicht in der Übersetzung bis zu uns geschafft haben. Zudem finde ich die Halbwertszeit von Büchern mittlerweile bedenklich – bei den vielen Neuerscheinungen sind ja Bücher, die im letzten Jahr erschienen sind, fast schon “alt und verschwunden”.
      Na ja, ist wohl alles Geschmackssache, denn ich hab ja auch positive Kritiken gefunden. Meins war es aber definitiv nicht.

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