Die dunklen Felle

Krimis und Schafe – und Felle (oder Fälle?)

Aufarbeitung: Inspector Swanson und der Fall Jack the Ripper – Robert C. Marley

7 Comments

Marley_Inspector_Swanson_Ripper_RGB_150dpi Robert C. Marley – Inspector Swanson und der Fall Jack the Ripper
Verlag: Dryas
344 Seiten
ISBN: 978-3940855596

 

 

Nun lese ich ja schon wirklich lange Krimis und Thriller. Fast mein ganzes Leben lang. Und doch ist mir einer, ein ganz bekannter, bisher durchgegangen. Klar kenne ich Jack the Ripper, aber in der Tat habe ich mich nie über ihn informiert, wenn ich mal was von ihm gesehen habe, z. B. in der Serie Ripper Street, so war das nur zufällig. Doch Autor Robert C. Marley und der Goldfinch Verlag haben das geändert. Der Autor hat eine Krimireihe um Inspector Swanson begonnen, den ersten Teil, Inspector Swanson und der Fluch des Hope Diamanten, kenne ich leider noch nicht, doch im zweiten Fall, Inspector Swanson und der Fall Jack the Ripper, widmet er sich gleich dem größten und unbekannten Verbrecher aller Zeiten. Doch die Tatsache, dass bisher keiner weiß, wer eigentlich wirklich Jack the Ripper war, hindert ja nicht daran, einen spannenden Krimi darum zu schreiben.

London, 1888. Im East End, genauer gesagt im Stadtteil Whitechapel, geht ein Täter um, der es auf die Prostituierten im Viertel abgesehen hat. Chief Inspector Donald Swanson wird mit seinem Team auf die Spur des Täters angesetzt. Auch er ist erschüttert von der Grausamkeit der Morde und will den Täter unbedingt fassen. Die Verdächtigenliste ist groß, sogar illustre Gestalten wie Oscar Wilde oder auch der berühmte Maler Walter Sickert lassen sich darauf finden. Doch wer hat nun wirklich die Prostituierten auf dem Gewissen? Swanson und sein Team müssen sich nicht nur mit den Verdächtigen rumschlagen, sondern auch polizeiinternen Querelen und es stellt sich die Frage, ob der Täter nicht sogar weitreichende Verbindungen ins Königshaus hat.

Überraschenderweise habe ich festgestellt, dass nicht nur Jack the Ripper und die Eckpunkte der Handlung der Realität entnommen waren, sondern auch Inspector Swanson eine reale Grundlage hat. Der Autor hat mit Nevill Swanson, dem Urenkel von Donald Sutherland Swanson gesprochen und auf Basis dessen Erinnerungen und Erzählungen den Detective wieder auf erleben lassen. Inwieweit die Geschichte wahr oder fiktiv, das ist nicht ganz klar, die Grenzen verschwimmen. Das ist sehr gut gelungen und verbindet dokumentarische Elemente mit einer spannenden Handlung.
Detective Swanson ist ein Vorbild für alle Constables und Seargants: mit messerscharfem Verstand ausgestattet, Anteil nehmend an den Opfern, mit der genau richtigen Mischung gegenüber seinen Mitarbeitern – streng, belehrend, Freiheiten lassend – und offen für jegliche Ermittlungsrichtungen und Hinweise. Und doch kommt er nicht so recht vorwärts. Es gibt viele Theorien und die Ermittler versuchen wirklich alles, z. B. auch das Verkleiden als Prostituierte. Auch die Einmischung von oben fehlt nicht und lässt einen die Augen rollen. Doch streckenweise gab es leider einige Längen, die zäh waren, wo die Geschichte einfach nicht voran gekommen ist und es mir schwer gefallen ist, zu folgen.

Nichtsdestotrotz ist die Aufarbeitung des Jack the Ripper Falls Robert C. Marley wirklich gut gelungen. Opfer, Verdächtige, Ermittlungsversuche – alles findet sich und wird in eine komplizierte Ermittlung verwebt, die von bekannten und unbekannten Persönlichkeiten strotzt und auch die Verschwörungstheorien komme nicht zu kurz. Wer schon immer mal mehr über Jack the Ripper lesen wollte, darf zu diesem Buch greifen. Wer schon alles von Jack the Ripper kennt, bekommt hier eine neue – mögliche – Lösung des Falls präsentiert.

Fazit:
Eine gut gelungene und spannende Aufarbeitung des Jack the Ripper Falls aus Sicht von Inspector Swanson im viktorianischen London.

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7 thoughts on “Aufarbeitung: Inspector Swanson und der Fall Jack the Ripper – Robert C. Marley

  1. Guter Tipp, werde das im englischen Original lesen. Diese historischen Krimis aus dem spätviktorianischen England sind ja mittlerweile fast ein eigenes Genre.

  2. Oha, habe grade gesehen, dass es da kein englischsprachiges Original gibt, der Autor ist Deutscher und schreibt unter Pseudonym 🙂 Man lernt nie aus…

    • Wirst Du den Krimi denn dann trotzdem lesen? Eigentlich bist Du ja mit englischen Originalen unterwegs… aber vielleicht ist ja auch ab und an ein anderes (deutsches?) Buch dabei?

  3. Ich habe mir Jack the Ripper soeben auf meinen Kindle geladen. I’ll give it a try…weil mich das Sujet interessiert und weil du das Buch positiv rezensiert hast 🙂

  4. Mich hat das viktorianische Zeitalter irgendwie schon seit Kindesbeinen in den Fängen. Und seit einer alten schwarz-weiß-Zeichnung in einem Buch (Titel fällt mir grad net mehr ein) über faszinierende und unerklärliche Geschehnisse in der Geschichte (u.a. auch Verschwinden von Agatha Christie) interessiert mich besonders das Thema Jack the Ripper. Ich kann Dir in dem Zusammenhang nur das Sachbuch “Jack the Ripper: Anatomie einer Legende” empfehlen. Das beste und auch einzig wirklich erstzunehmende Buch, das sich mit dem Mörder von 1888 befasst. Aber Vorsicht: Nix für zarte Seelen.

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