Die dunklen Felle

Krimis und Schafe – und Felle (oder Fälle?)

Hommage: Kaliber – Ken Bruen

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Kaliber_300 Ken Bruen – Kaliber
Verlag: Polar Verlag
Übersetzerin: Karen Witthuhn
183 Seiten
ISBN: 978-3945133125

 

 

 

 

Die Jack Taylor Reihe habe ich begonnen und ein, zwei Titel gelesen, aber irgendwann aufgehört. Ich konnte den Kerl nicht mehr „lesen“. Also diesen Jack Taylor. Nichtsdestotrotz ist Ken Bruen ein Meister seines Metiers und immer wieder wert, dass man sich mit ihm auf ein neues Buch einlässt. „London Boulevard“ fand ich großartig, auch wenn einige das anders sahen und sich nach Jack Taylor sehnten und auch seine Kooperation mit Jason Starr in einer Trilogie konnte mich überzeugen (ich wühle gleich mal nach „Attica“ in meinem SUB – das fehlt mir nämlich noch). Ich vermisse Jack Taylor übrigens immer noch nicht. Aber Ken Bruens Schreibe. Wie gut, dass ich nun endlich „Kaliber“ verschlungen habe.

Menschen werden umgebracht und alle haben eins gemein: ihre Mitmenschen müssen zugeben, dass sie keine angenehmen Zeitgenossen waren. Unhöfliche Leute, jähzornig oder schnippisch – ohne Manieren. Und diese sind dem Manners Killer ein Dorn im Auge. Seine Vorbilder sind die Pulplinge, die Autoren, die im Noir und Pulp Geschichte geschrieben haben: Thompson, Willeford, Hammett, Chandler.

„Seit über zwanzig Jahren les ich Krimis, krieg nie genug davon, schwarz wie die Hölle. Der klassische hard-boiled Noir, die Typen bringen’s einfach.
Noir und Ende.“ (S. 12)

Seine größten Inspirationen entnimmt er Thompsons „Der Mörder in mir“ und nennt sich in seinen Bekennerbriefen an die Polizei nun auch „Ford“, so wie die Hauptfigur in Thompsons Krimi heißt. Ansonsten liest er nur True Crime Bücher. Damit er sich auskennt, Spuren und so. Aber auch Profile und psychische Störungen. Er tötet völlig willkürlich und sieht sich im Recht.
Sein Gegenspieler ist allerdings nicht weniger böse. Sergeant Brant, ein Cop, der Verbrecher jagt. Eigentlich ja eine rechtschaffene Aufgabe. Doch Brant macht das viel zu viel Spaß. Und zuweilen macht er das auch nicht ganz legal. Und irre ist er irgendwie auch. Ein Polizist, wie wir ihn lieben und mögen – zumindest in unseren Noir Krimis. Seine Liebe gehört Ed McBain mit seinem 87. Polizeirevier, dem er fleißig nacheifert und an seinem eigenen Krimi schreibt.
Als nun der Manners Killer in seinem „Revier“ wildert, kann Brant das nicht auf sich sitzen lassen.

Tief wie die Nacht und trotzdem komisch, rasant und kurzweilig – das ist Bruens neuer Clou. Nun ja, zumindest auf Deutsch, denn „Kaliber“ ist schon der sechste Fall von Brant, doch eben der erste, der ins Deutsche übersetzt wurde. Es ist ein dünnes Büchlein, großgeschrieben und die Geschichte fliegt nur so an einem vorbei. Die Dialoge sind pointiert und wie ein Schlagabtausch inszeniert, der Krimi wirkt stellenweise sogar szenisch. Insgesamt muss die Spannung ein wenig leiden, aber eins ist sicher: hier wird man gut unterhalten. Bitterböse zeigt Bruen, einen Killer, der gerade erst Killer geworden ist, überheblich durch Krimilektüre und einen Polizisten, der schon länger Killer ist, der gerne Lektionen erteilt. Eine Wahnsinnsstory, die aber nicht vieler Worte braucht.
Zeitgleich ist „Kaliber“ eine Hommage an den Noir, den Pulp. Aus Bruens Worten tropft seine Verehrung für die Größen der Genres – dabei gehört er doch selbst schon zu diesen. Die Verneigung eines Großen vor den anderen Großen der Genres ist das I-Tüpfelchen, welches den Krimi für Genreliebhaber zum Muss erklärt.

Fazit:
Ein rabenschwarzer Krimi um zwei Killer, der sich als Liebeserklärung an den Noir erweist. Einmalig!

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