Die dunklen Felle

Krimis und Schafe – und Felle (oder Fälle?)

Unbefriedigend: Der Hintermann – Denise Mina

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Denise Mina – Der Hintermann
Verlag: Heyne
Übersetzerin: Doris Styron
519 Seiten
ISBN: 978-3453437159

 

 

 

 

Der kleine Brian Wilcox verschwindet. Und wird tot aufgefunden. Erwürgt und der Kopf zertrümmert. Als Täter werden die beiden elfjährigen Jungen Callum Ogilvy und James O’Connor festgenommen. Paddy Meehan, eine junge Hilfskraft bei der Daily News, kann sich das nur schwer vorstellen. Wie sollen die beiden Jungs von selbst darauf gekommen sein, einen Dreijährigen zu entführen, mit ihm Zug zu fahren und ihn auf einem verlassenen Gelände umzubringen? Doch die beiden Jungs haben Brians Blut an der Kleidung und scheinen wirklich schuld an dessen Tod zu sein. Doch waren sie es alleine? Oder gibt es einen Hintermann?

Unbefriedigend. Das ist leider das Wort, welches mir nach Denise Minas Krimi durch den Kopf huscht. Viel Potenzial, aber irgendwie unbefriedigend. Halbgar. Irgendwas fehlt da. Zum Beispiel Alex Morrow – die hätte den Fall auseinander genommen. Aber in diesem Fall ermittelt Paddy Meehan. Ein junges Ding, dass sich zu dick fühlt und eine Eier und Grapefruit Diät durchlebt, als Laufbursche bei der Daily News arbeitet, aber natürlich vom Beruf der Journalistin träumt und aus einer Familie stammt, die wie ein Netz um sie gesponnen ist. Dabei kann sich Paddy eigentlich glücklich schätzen. Verlobt mit Sean, mit einer liebenden, gut manchmal ein wenig erdrückenden, Familie umgeben, im Glasgow der 80er, mitten in der Rezession und sie hat einen Job, einen Job bei dem sie zumindest die Aussicht hat, später ihren Traumberuf zu lernen. Und doch wirkt sie ständig unzufrieden. Nicht nur mit ihrer Figur, sondern mit ihrem Leben. Mit der Familie, mit ihrem Verlobten. Einzig der Job scheint ihr – nun ja, Spaß würde ich es nicht nennen, aber zumindest scheint sie sich dort wohl zu fühlen. Aber so richtig glücklich wird man als Leser nicht mit ihr. Dazu ist vielleicht Alex Morrow als Gegenbild einfach zu stark.

Dabei kann das Bild von Glasgow in den 80er Jahren durchaus überzeugen. Glasgow selbst kann in vielen Zeiten überzeugen – es ist einfach eine Stadt, in die ein Krimi passt. Irgendwann regnet es bestimmt und auf jeden Fall hat keiner einen Schirm dabei. Die Stimmung ist gedrückt und ein wenig klamm. Paddy Meehan ist katholisch und so flicht Denise Mina noch bedrückende katholische Messen, Leichenschmäuse und Regeln ein, in ein Gewirr aus dunklen und muffigen Häusern, zwischen zerbombten Gebäuden, die noch aus dem Krieg übrig sind. Mit einem Wort: trostlos. Aber so schön authentisch.

Die Ermittlung, wenn es denn eine ist, plätschert ein wenig dahin. Immer unterbrochen durch Paddys Selbstfindung und Passagen mit Familie oder ihrem Verlobten Sean, auch mit Kollegen in der Bar oder in der Redaktion. Unterbrochen wird die Geschichte auch mit Rückblicken auf Paddy Meehans Leben, einem Safeknacker, der in den 60er Jahren unschuldig und mit gefälschten Beweisen für einen Mord ins Gefängnis wandert. Erst nach der Enthüllungsstory eines berühmten Journalisten kommt er frei. Und so ist Paddy Meehan, der Safeknacker, ein Namensvetter von Paddy Meehan, der Möchtegern-Journalistin. Schließlich könnte sie auch Pat heißen, aber sie nennt sich eben Paddy. Ständig möchte man ihr einen Schubs geben –  es geht nur behäbig voran. Doch immerhin beharrlich nähert sie sich – nicht ganz offiziell und zum Missfallen ihrer Familie – nach und nach der großen Story bis es zu einem kleinen, aber feinen Showdown kommt, der verpufft und leider einige Fragen offen lässt.

Fazit:
Paddy Meehan ist nicht Alex Morrow. Schade, denn dann wäre der Fall der Knüller geworden – so, zeigt er leider nicht Denise Minas ganzes Potential.

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