Die dunklen Felle

Krimis und Schafe – und Felle (oder Fälle?)

Sozialkritisch: Zone 5 – Markus Stromiedel

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Markus Stromiedel – Zone 5
Verlag: Droemer Knaur
464 Seiten
ISBN: 978-3426304815

 

 

 

 

Köln im Jahre 2060. Die Stadt ist in Zonen aufgeteilt. Zone 1 und 2 teilen sich die Reichen und die Mittelschicht, Zone 3 ist die Fabrik der Medical Ind Corporation, einem Mega-Konzern, und Zone 4 beinhaltet den Rest der Stadtbevölkerung: Arme und Kranke, den Abschaum. Hier lebt die 20jährige Alex und versucht verzweifelt an das lebensrettende Medikament für ihre an Krebs erkrankte Schwester zu kommen, welches in der Zone 4 schlicht und einfach nicht ausgeteilt wird. Als sie dafür die Zonengrenze überquert und die Todesstrafe auf sich zieht, erhält der junge Anwalt David ihre Pflichtverteidigung. Ein wenig in Alex verschossen, nimmt er den kniffligen Fall ohne Aussicht auf Erfolg an und verursacht ein Explosion in Europa – in zweierlei Hinsicht.

Dass der Autor, Markus Stromiedel, sich mit der Zukunft auseinander gesetzt hat, merkt man nicht nur an der beigefügten Lektüreliste. Die Zukunft, die er darstellt, fällt überzeugend und realistisch aus. Die Ländergrenzen verwischen und es gibt einen europäischen Präsidenten und dafür halten Zonen in die Städte Einzug. Es erinnert mich an die Ständeordnung aus dem Mittelalter, doch ein anderer Vergleich ist auch passend:

„Jeder von ihnen wusste, wie nahe das Leid war, sie alle kannten die Not der Menschen, auf dessen Kosten sie lebten. Das Leid war nur eine Grenzmauer entfernt. Vor fünfzig Jahren noch waren die Zonen deutlich getrennt gewesen, man hatte von der Ersten, der Zweiten, der Dritten Welt gesprochen, manche hatten die ärmsten Länder der Erde auch als Vierte Welt bezeichnet. Doch obwohl es diese Aufteilung längst nicht mehr gab, verhielten sich die Menschen so wie einst: Sie verdrängten das Elend der anderen aus ihrem Bewusstsein.“ (S. 130 – 131)

Somit hat sich ja gar nichts geändert oder? Ein jeder Bürger hat einen Chip, auf dem nicht nur gespeichert ist, in welche Zonen er darf, sondern die es auch ermöglichen, den Aufenthaltsort des Bürgers jederzeit herauszufinden. Europa ist vielleicht noch kein Überwachungsstaat, aber sehr weit entfernt ist er nicht mehr. Der Präsident herrscht in einer Autokratie, nachdem er die Macht übernommen hat und fast jegliche Gesetze durch ein Notstandsgesetz außer Kraft gesetzt hat. Doch eigentlich ist er ja „nur“ Politiker und wird natürlich von der Wirtschaft gelenkt, oder genauer gesagt von der Medical Ind Corporation, die mit allen Mitteln ihre Interessen vertritt. Weit von unserem Heute entfernt? Eher nicht, sondern nur eine logische Entwicklung, die man schon voraussagen kann. Schon heute ist der Einfluss der Wirtschaft auf die Politik enorm und es fehlt nicht mehr viel, bis die Politik aus Marionetten bestehen wird. Somit hat der Autor nicht nur eine wahrscheinliche und erschreckende Zukunft entworfen, sondern auch einen gelungenen roten Faden in unser Heute geworfen.

Wer nun gut aufgepasst hat, der merkt, dass ich nur 4 Zonen beschrieben habe, obwohl das Buch doch „Zone 5“ heißt. Ja, die Erklärung finde ich auch ein wenig schwierig. Die Zone 5 ist sozusagen der Rest. Alles was außerhalb der Megastädte ist und verwildert und verwuchert ist. Doch leben die Exterritorialen, Wilde und Verbrecher, auch wenn sich wohl hin und wieder eine Siedlung finden lässt, welche die Technik zwar nicht ablehnt, aber eher mit wenigen technischen Mitteln auskommt. Die Zone 5 wird nur wenig beschrieben und das ist auch ein Knackpunkt an dem Thriller. Über die Zone 5 hätte ich schon gerne noch mehr erfahren. Außerdem ist eine der Figuren dorthin verschwunden, also dorthin gegangen, und man erfährt nicht, was aus ihm wird.

Ein wenig muss ich jetzt an den Figuren „rummeckern“. Ich hatte es ja fast schon befürchtet, dass mir Alex, die junge Frau aus Zone 4, zu jugendlich ist. Sie ist betont rebellisch und keck und schiebt den Thriller in Richtung Young Adult Genre. David, den Anwalt, war mir eigentlich ganz sympathisch. Er sieht das Zonensystem kritisch und auch wenn er seine Entscheidung nach Köln zu gehen, des Öfteren bezweifelt, blinzelt hier ein Freigeist durch, der dem intelligenten Mann zu mehr Charme verhilft. Für mich wieder ein wenig unnötig ist die Verliebtheit zwischen den beiden Protagonisten – ich hätte es gut gefunden, wenn Davids gutes Gewissen ausgereicht hätte, um in den Fall einzusteigen und nicht romantische Gefühle das Sagen gehabt hätten. Aber das ist natürlich persönlicher Geschmack und Jammern auf hohem Niveau.

Markus Stromiedel hat in seinem Thriller einiges an Kritik verpackt, an der Gesellschaft, der Politik, der Wirtschaft, dies aber mit einer spannenden Geschichte verpackt. Der Auftakt benötigt etwas Zeit, da die Zukunft ja erst vorgestellt werden muss, aber dann kann seine Idee der Zukunft überzeugen. Gerne hätte ich etwas mehr von Zone 5 gesehen – die ja immerhin den Titel sponsort – und auch mit den Figuren bin ich nicht ganz glücklich. Am Ende sind auch noch einige Fragen offen und ich befürchte fast, dass ein zweiter Teil angedacht ist. Ich persönlich hoffe nicht. Nicht weil ich das Buch nicht mochte, sondern weil ich eben nicht ständig Serien lesen will und eben gerne mehr Standalones haben möchte. Aber wir werden sehen….

Fazit:
Ein überzeugender Blick in die Zukunft, gewürzt mit vielen kritischen Spitzen – sehr gelungen!

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