Die dunklen Felle

Krimis und Schafe – und Felle (oder Fälle?)

Nervenaufreibend: Die Flut – Arno Strobel

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Arno Strobel – Die Flut
Verlag: S.Fischer
361 Seiten
ISBN: 978-3596198351

 

 

 

 

Julia und Michael sind überglücklich – sie werden zu einem Urlaub auf Amrum eingeladen und können bei einem Kollegen im Ferienhaus unterkommen. Einzige Bedingung: Michael soll beim Ausbau des Dachbodens aushelfen.
Doch als sie ihre Urlaubstage auf Amrum genießen, geschieht ein grausiger Mord: Ein Pärchen wurde entführt, die Frau im Sand eingegraben, der Mann am Steg festgebunden – der Mann musste zusehen, wie seine Frau bei der Flut ertrunken ist.
Kommissar Harmsen wird mit seinem neuen Kollegen Jochen Diedrichsen nach Amrum geschickt, um den Fall zu lösen und der hat sich auf einen Verdächtigen eingeschossen – Michael!

Psychothriller lese ich ja nur noch selten. Diese sind zwar immer höchst spannend und nervenaufreibend – so wie auch dieser hier – bieten mir aber keinen Mehrwert, so dass ich nur noch selten zugreife und diese eher als leichte Zwischenkost betrachte. Was bei der Art des Verbrechens fast ein wenig verquer ist. Bei Arno Strobel ist es so, dass ich eine Lesung von ihm auf der Leipziger Buchmesse 2014 besucht habe und von der dort gelesenen Kurzgeschichte so begeistert war, dass ich es einfach immer mal wieder einen seiner Thriller lese.

Ein grausiger Mord bzw. eine Mordserie, eine spannende Ermittlung und ein ewig grantelnder Ermittler. Wobei grantelnd irgendwie das falsche Wort ist. Zum einen zu Bayrisch, zum anderen nicht passend. Harmsen ist zwar ständig schlecht gelaunt, aber bei ihm fehlt jegliche Liebenswürdigkeit. Er schießt sich auf Michael als Verdächtigen ein und belästigt diesen regelrecht. Natürlich schon mit triftigen Gründen, aber er wird sogar so ausfallend, dass er Michael offen, wenn auch mit ihm allein, bedroht und ihm verspricht, ihm das Verbrechen anzuhängen, wenn die Beweise fehlen. Er ist felsenfest davon überzeugt, in Michael den Täter gefunden zu haben. Sein Kollege Diedrichsen, sein neuer Partner, aber kein Neuling, kann mit Harmsen kaum umgehen. Zum einen versucht er mit ihm zu arbeiten, dann überlegt er wieder, ihn und seine Vorgehensweise an die Oberen zu melden. Ein unentschlossener Charakter, der leider recht durchsichtig und flach bleibt. Der Charakter, der mir am meisten zugesagt hat – wenn auch kopfschüttelnd und ungläubig – ist Harmsen. Der wirbelt durch das Buch, dass man ihm fast nur im Laufschritt hinterher kommt.

Die Verbrechen, nun ja, ich will das jetzt nicht abtun, aber wie das halt so ist mit einem Psychopathen, sind diese grausam und die Taten auch detailliert beschrieben. Die Einsichten des Psychopathen bekommt der Leser auch mit und darf so ein wenig hinter die Kulisse blicken, denn der Täter möchte nicht nur mit seinen Taten etwas herausfinden, sondern freut sich auch auf das Spiel mit der Polizei. Die Tat ist äußerst durchdacht, Beweise nicht vorhanden oder platziert, die Dorfpolizisten ohne jegliche Erfahrung mit solchen Fällen und so treibt der Täter sein Spielchen mit Harmsen und Diedrichsen. Insgesamt ist der Täter aber tatsächlich ein wenig in den Hintergrund getreten und es wird ermittelt wie in einem Kriminalroman. Nun ja, zumindest denkt man das.

Die Urlaubsgäste – Julia und Michael, sowie das Pärchen Andreas und Martina, welches die beiden eingeladen hat – bleiben trotz der schrecklichen Morde auf der Insel. Michael wird dazu gezwungen, da er unter Tatverdacht steht, doch die anderen hätten gehen können. Der Urlaub, der nun keiner mehr ist, reibt alle auf und vor allem Martina, der die Verbitterung ins Gesicht geschrieben steht, geht einem als Leser gehörig auf den Keks. Erzählt wird aus Sicht Julias, die sich gegen Andreas wehren muss und auch den ein oder anderen neuen Blick auf ihren Freund Michael gewinnt. Über sie erfährt man – von den Urlaubern – am meisten und sie ist sehr sympathisch. Letztendlich ist es tatsächlich sie, die der Polizei einen entscheidenden Hinweis liefert.

Einen etwas schalen, wenn auch kurz überraschten Beigeschmack hatte das Ende für mich. Zum einen weil ich irgendwann den Richtigen als Täter auserkoren habe – und kurz überrascht war, dass mir dies mal gelingt, aber dann auch enttäuscht, weil es mir gelungen ist – und zum anderen war das Ende für mich ein wenig unbefriedigend. Ich hätte mir abschließend sowohl noch ein Kapitel aus Julias Sicht als auch aus Diedrichsens Sicht gewünscht, da für mich noch Fragen offen waren, aber auch vor allem, weil ihre Reaktionen für mich interessant gewesen wären.

Auch wenn der Thriller keine tieferen Einblicke in das Weltgeschehen bietet, war er sehr spannend und für mich eine erfrischende Abwechslung. Es geht eben auch ab und an mal ein gut gemachter Mainstream-Thriller. Ich muss allerdings schon erwähnen, dass Psychothriller und Serienmörder immer weniger auf meiner Leseliste landen und meine Ausflüge dorthin seltener werden. “Die Flut” war nervenaufreibend und das Buch ist definitiv ein Pageturner, so ganz passt mein Lesegeschmack nur leider nicht mehr dazu. Nevertheless – das Buch wird viele, viele andere Leser finden und Arno Strobels Bestsellerliste weiter auffüllen.

Fazit:
Nervenaufreibender Lesespaß für Zwischendurch – nicht mehr, aber auch nicht weniger.

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