Die dunklen Felle

Krimis und Schafe – und Felle (oder Fälle?)

Perspektivwechsel: Gedenke mein – Inge Löhnig

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Inge Löhnig – Gedenke mein
Verlag: List
399 Seiten
ISBN: 978-3548612287

 

 

 

 

10 Jahre ist es her, dass Marie Weber von ihrem Vater bei einem Mitnahmeselbstmord getötet wurde. Ihre Leiche hat man bis heute nicht gefunden und so geht Petra Weber, ihre Mutter, davon aus, dass ihre kleine Tochter noch am Leben ist. Finanziell, physisch und psychisch erschöpft will sie nicht aufgeben und landet bei Gina Angelucci, die in ihrer Abteilung in München Cold Cases bearbeitet und gerade sensationellen Erfolg hatte und einen Täter Jahre nach seiner Tat verhaften konnte. Gina kann die Bitte der Mutter nicht ganz von sich weisen und verspricht die Rosenheimer Kollegen, die den Fall bearbeitet haben, um eine neuerliche Suche im See, in dem die Leiche von Marie liegen soll. Der Ermittler, reichlich genervt von der nicht aufgeben wollenden Mutter, kanzelt Gina ab, so dass sie beginnt, selbst in dem lange zurückliegenden Fall zu wühlen.

Da ist er nun endlich – der erste Fall von Gina Angelucci, der früheren Kollegin, jetzt Lebenspartnerin von Tino Dühnfort, dessen Krimireihe von Inge Löhnig schon einige Jahre Bestand und großen Erfolg hat. Eine grandiose Idee der Autorin, nun Gina an die Front zu lassen und die Perspektive zu ändern. Nun bekommt man nicht nur einen ganz anderen Blick auf Ginas und Tinos Beziehung, sondern auch eine Cold Case Ermittlung mit Gina.

Cold Cases – das hört sich nach staubigen Akten, viel Text und dunklen Kellern an. Und das ist es auch. Doch mit den heutigen kriminaltechnischen Möglichkeiten kann man die alten Akten wiederbeleben und den ein oder andern Täter überführen. So ist es Gina auch in ihrem letzten Fall gelungen und das war der Presse eine Erwähnung ihres Namens wert. So stößt Petra Weber auf Gina und bevor sich Gina versieht, steckt sie mittendrin in einem Fall, der damals aus politischen aber auch faulen Gründen schlampig geführt wurde und mit jedem Tag neue Überraschungen für Gina bereit hält.

Während Tino ja eher der vorsichtige, sich streng an die Regeln haltende Kommissar ist, erlebt man mit Gina eine impulsive und stürmische Ermittlung – welche durch ihre Schwangerschaft noch mehr befeuert wird – und ihre Leidenschaft zeigt, Täter zu überführen und für die Opfer einzustehen. Noch hält sie die Schwangerschaft vor ihrem Chef geheim, doch Tino drängelt, nicht nur um die gute Nachricht zu verbreiten, sondern damit sich Gina aus der Ermittlung zurück zieht. Doch mit einem Schreibtischjob kann sich Gina nur wenig anfreunden und der Fall um Marie Weber hält sie fest.
Während der Ermittlung muss sie sich auch noch mit ihrem neuen Kollegen – und Fitnessfreak – Holger zusammen raufen und im Eifer des Gefechts vergisst sie ihre Schwangerschaft schon auch mal.

Es ist – wie immer – ein gelungenes Leseerlebnis, wenn man die Dühnfort/Angelucci Reihe liest, der Perspektivwechsel bringt etwas Frisches in die Reihe und der Leser darf endlich wieder mehr von Gina lesen, die ja aufgrund der Beziehung der beiden, die Abteilung gewechselt hat. Ich habe das Buch in einer Leserunde gelesen und es war richtig schwer, am Ende der Abschnitte zu stoppen und erst am nächsten Tag weiterzulesen. Der Cold Case entwickelt sich zu einem – kann man das so sagen? – Warm Case und urplötzlich tauchen die verschiedensten Verdächtigen aus der Vergangenheit auf und platzen wieder in Petra Webers Leben. Man rätselt bis zum Schluss und bleibt zwischen zwei Verdächtigen hängen – die Autorin verheimlicht dem Leser die Lösung sogar noch ein wenig, auch wenn Gina den Täter da schon kennt. Man ist also gespannt wie ein Flitzebogen. Und doch lässt der Krimi ein mulmiges Gefühl zurück. Wenn doch nur… ein wenig früher… warum hat man damals nicht… solche Satzfetzen schwirren einem da im Kopf herum und man fragt sich: wann genau wird ein Fall abgelegt und wer beschließt dies eigentlich? Wer übernimmt die Verantwortung, wenn ein Fall – ohne zufriedenstellende Lösung – abgelegt wird?
Wie gut, dass es Abteilungen und Ermittler gibt, die diese „Altfälle“ neu aufrollen.

Fazit:
Erfrischender Perspektivwechsel mit einem Cold Case, der seine Fühler in die Gegenwart streckt – spannend und knifflig, mit einer Frage, die bestehen bleibt: wer schließt einen Fall, der zu keinem Ergebnis kommt?

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