Die dunklen Felle

Krimis und Schafe – und Felle (oder Fälle?)

Atmosphärisch: Ein dunkler Sommer – Thomas Nommensen

4 Comments

978-3-499-23442-2
Thomas Nommensen – Ein dunkler Sommer
Verlag: rororo
416 Seiten
ISBN: 978-3499234422

 

 

 

 

Kennt ihr das? Da lest ihr in den Vorschauen, in Onlinebuchhandlungen oder auf anderen Blogs von einem Buch und denkt Euch, hey, das will ich unbedingt lesen. Das hört sich gut an. Und dann holt Ihr Euch das Buch und stellt es stolz in Euer Regal mit der Absicht, es bald, demnächst oder zumindest noch in diesem Monat zu lesen. Und dann wird es der nächste Monat. Oder gar das nächste Quartal. Oder eben Weihnachten im Jahr nach der Erscheinung. So geschehen mit mir und „Ein dunkler Sommer“. Weihnachten 2015 war nun nicht Hochsommer, aber eben doch ziemlich warm, so dass man da sich da schon ein sommerliches Krimigenussstück zu Gemüte führen konnte.

Vor 10 Jahren ist ein Mädchen verschwunden und nach kurzer Zeit tot aufgefunden worden. Jens Brückner wurde damals als Täter verhaftet und kommt nun aus dem Gefängnis frei. Er muss wieder von vorne beginnen und macht sich daran, sich zurecht zu finden, doch plötzlich wird der eine Zeuge, der ihn damals belastet hat, ermordet. Es folgen Drohbriefe, ein verschwundener Junge und ein verschwundener Brückner – Kommissar Arne Larsen steht vor einem Rätsel. War Brückner der damalige Täter und hat wieder zugeschlagen? Mittlerweile bestehen Zweifel an Brückners Täterschaft, doch wie erklären sich die Ereignisse?

Ein dunkler Sommer ist ein wahrhaft treffender Titel, denn die heiße, trockene Atmosphäre des Sommers kann man förmlich spüren – auch wenn man das Buch, wie ich, an Weihnachten gelesen hat. Trockene, flirrende Luft, verschwitzte Hemden, die an einem kleben, Sommerkleider und vertrockneter Rasen, gereizte Gemüter und körperlich ausgelaugt. Eine Atmosphäre, aufgeladen und still, in stummer Erwartung des gewaltigen Donners, der irgendwann kommen wird und ein fürchterliches Gewitter ankündigen wird. Der drohende Wetterumschwung steht immer im Hintergrund und lauert. Atmosphärisch dicht kann die sommerlich-dunkle Stimmung überzeugen.

Der Leser wird mit mehreren Handlungssträngen konfrontiert. Jens Brückner, der wieder auf die Beine kommen will, ein unbekannter Junge, der etwas gesehen hat, Arne Larsen, der melancholisch ermittelt, Harms, der den Fall des verschwundenen/getöteten Mädchens bearbeitet hat und noch zwei weitere. Die vielen Perspektiven nehmen am Anfang ein wenig Spannung weg, doch die Perspektiven minimieren sich und so nimmt der Krimi Fahrt auf. Zwei der Charaktere treten sogar so weit in den Hintergrund, dass man sie fast vergisst, bevor sie am Ende wieder auftauchen. Alles in allem bietet der Krimi einige überraschende Wendungen und durch die verschiedenen Sichtweisen auch Puzzlestücke, die der Leser vor den Ermittlern kennt und es einen unter den Nägeln kribbelt, bis die Ermittler selbst darauf stoßen.

Arne Larsen ist ein melancholischer, sensibler Mensch. Seine Freundin ist geschäftlich in Südamerika und kaum zu erreichen, seinen kranken Vater sollte er mal wieder besuchen – sagt er sich jedenfalls des Öfteren. Versonnen ermittelt er so, dass man denken könnte, er wäre alleine zu Gange, doch in der Tat öffnet ihm eine Kollegin die Augen, um ihm mitzuteilen, dass sein Partner Kuhlmann Probleme mit ihm hat. Larsen ist eigenwillig und lässt auch kaum andere Meinungen zu, wobei Kuhlmann sich zu sehr auf Theorien versteift und schnell beleidigt ist. Nicht gerade ein Traumteam, aber nach einem Donnerwetter (passend zum Thema) raufen sie sich zusammen. Insgesamt bleibt mir Arne Larsen noch zu blass, doch es folgen ja noch weitere Teile, in denen man sich mit ihm näher bekannt machen kann. Mit seinen Träumen kann ich allerdings so gar nichts anfangen und hoffe, dass diese nur einen geringen Teil in seinen nächsten Fällen haben werden.

Zum Abschluss muss ich noch ein paar Worte zum Epilog verlieren, denn dieser lässt mich stirnrunzelnd zurück. Ich weiß nicht, ob ich ihn gut oder schlecht finden soll. Ich glaube aber, dass ich es besser gefunden hätte, wenn er nicht da gewesen wäre. Der Epilog gibt eine abschließende, allumfassende Erklärung, aber so richtig glücklich macht er mich als Leser nicht. Ich würde ja empfehlen, ihn auszulassen, aber ich denke, dann lest ihr ihn erst recht und deshalb immer her mit Euren Meinungen über den Epilog, wenn ihr das Buch schon gelesen habt oder es noch lesen wollt. Denn eins ist sicher: ob er nun passt oder nicht, er ist das Stück vom Krimi, welches die Leserschaft spalten wird – oder gespalten hat (schließlich bin ich ja ein wenig spät dran).

Fazit:

Ein spannender Krimi mit wirklich gut gelungener Atmosphäre und mit einem melancholisch-versonnenem Kommissar, dessen nächster Fall noch dieses Jahr erscheint und auf jeden Fall auf meinen Wunschzettel wandert.

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4 thoughts on “Atmosphärisch: Ein dunkler Sommer – Thomas Nommensen

  1. Ich habe das Buch auch gelesen und war auch nicht so glücklich mit dem Epilog. Er bringt aus meiner Sicht unnötig etwas Irreales in den Krimi.

  2. Pingback: Thomas Nommensen - Ein dunkler Sommer - WortGestalt-BuchBlog

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