Die dunklen Felle

Krimis und Schafe – und Felle (oder Fälle?)

Sogwirkung: Terror auf Stiles Island – Robert B. Parker

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9783865323569
Robert B. Parker – Terror auf Stiles Island
Verlag: Pendragon
Übersetzer: Bernd Gockel
308 Seiten
ISBN: 978-3865323569

 

 

Es geht weiter mit Jesse Stone! In Paradise als Polizeichef etabliert kümmert er sich um die kleineren und größeren Verbrechen, bringt nicht nur den Jugendlichen sondern auch ihren Eltern bei, was Moral, Gerechtigkeit und Recht ist und befindet sich in einer Art Beziehung zu seiner Ex-Frau, die ihm gefolgt ist und neuerdings als Wetterfee aus dem Fernsehkanal lächelt.

Unaufgeregt, gemächlich, routiniert – das sind die Worte, die einem bei Jesse Stone durch den Kopf gehen, wenn man seinem täglichen Geschehen so folgt. Überraschenderweise ist das genauso interessant als würde er gerade das Verbrechen des Jahrhunderts aufklären, denn so ist er eben. Kein Mann der vielen Worte, still und fokussiert. Wobei er natürlich trotzdem ein, zwei Schwächen hat. Die eine ist ganz klar seine Ex-Frau Jenn. Eigentlich wollte er den neuen Job in Paradise ja annehmen, um von ihr weg zu kommen. Doch sie reist ihm nach. Und irgendwie will sie auch wieder eine Beziehung. Aber irgendwie auch nicht. Sehr verwirrend – nicht nur für den Leser, sondern auch für Jesse. Seine zweite Schwäche ist der Alkohol – und mit dem kämpft Jesse praktisch durchgehend:

„Jesse hatte immer das Gefühl gehabt, dass die ersten Schlucke wie das Leben selbst seien: angenehm, weich, temperamentvoll und leicht herb. Jesse verabscheute Menschen, die sich mit diesem Geschmack nicht anfreunden konnten. Wobei sich das größte Glücksgefühl eigentlich immer einstellte, wenn man vom Zustand der Trunkenheit noch weit entfernt war. Mit dem ersten Glas – und der Gewissheit, dass noch weiter folgen würden – kam das Gefühl, mit dem Leben im Einklang zu sein. Nach ein paar Gläsern löste sich diese Magie langsam auf, bis am Ende nur noch die nackte Sucht blieb.“ (S.71)

Jesse steht am Rande eines Abgrundes und balanciert dort mit dem Glas. Doch zum Glück stürzt er nicht ab, denn er wird noch gebraucht. Derweil er nämlich routiniert den Aufgaben des Polizeichefs nachgeht, braut sich auf der kleinen Insel Stiles Island, die zu Paradise gehört, ein Gewitter zusammen. Stiles Island, ein Mekka der Reichen: riesige Grundstücke mit Villen, ein kleiner Yachthafen, eine Bank mit vielen Schließfächern, eine bewachte Brücke zur Insel. Macklin, eben aus dem Knast gekommen, trommelt eine Crew zusammen, um genau dieses Sahnestückchen auszunehmen. Der Leser folgt dabei abwechselnd Macklins Planungen und Jesses normaler Arbeit, ahnungslos ob der Diebe, die da kommen. Erst in den letzten hundert Seiten wird es dann rasant und zwar gewaltig, fast schon explosiv könnte man sagen. Doch genauso ruhig und mit nur wenigen Worten befasst sich Jesse auch mit dieser Situation. Zielgerichtet und mit wenig Drumherum führt er seine Aktionen durch, hat aber auch mal einen trockenen Kommentar auf den Lippen:

„‘Schauen Sie sich nur dieses Kleid dort an, mit der Schleife direkt auf dem Arsch‘, sagte Marcy. ‚Wenn Sie einen derartigen Arsch hätten – würden Sie dann auch noch eine Schleife draufpappen, um noch mehr Aufmerksamkeit auf ihn zu lenken?‘
‚Ich möchte mich mit ihrem Arsch lieber nicht weiter beschäftigen‘, sagte Jesse.“ (S.84)

Wenn Jesse Stone und der ganze Krimi so ruhig und unaufgeregt ist, warum mochte ich ihn dann trotzdem? Weil er eben genau so gehört. Dieser stille Bursche hat mich einfach in seinen Sog gezogen und nicht mehr losgelassen. Es braucht gar keine riesige Spannung, Action und Blut. Es reicht völlig, dass Jesse sich um sein Polizeirevier kümmert und Macklin ganz nebenbei einen Raubzug plant. Ich werde auf jeden Fall weitere Jesse Stone Bände lesen – doch mit dem Filmen warte ich noch ein wenig. Nicht, dass mir diese alles verderben. Aber bald, bald sind auch diese dran.

Fazit:
So wie wir Jesse Stone lieben – unaufgeregt, aber zielgerichtet in seinem neuen Fall auf Stiles Island, einem Raubzug auf der Insel der Reichen.

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4 thoughts on “Sogwirkung: Terror auf Stiles Island – Robert B. Parker

  1. Habe noch kein Buch der Reihe gelesen, sondern nur zwei der Verfilmungen gesehen. Die waren mir aber schon zu unaufgeregt.

  2. “unaufgeregt” ist nett gesagt. Ich habe ein einige der Reihe gelesen. Auf die anderen verzichte ich. Andererseits, Philippine verfolgt die Serie mit großem Interesse.

    • Ja, ich merke schon, es ist nicht jedermanns Geschmack. Aber gerade das Unaufgeregte finde ich ab und an ganz gut.
      Irgendwann muss ich mal in die Spenser Reihe reinlesen, damit ich weiß, ob der Stil hier ähnlich ist. Da gibt es ja sogar noch mehr Teile…

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