Die dunklen Felle

Krimis und Schafe – und Felle (oder Fälle?)

Mit viel Schaudern: Milchsblut – Clara Weiss

10 Comments

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Clara Weiss – Milchsblut
Verlag: Goldmann
477 Seiten
ISBN: 978-3442483600

 

 

 

 

Elvira lebt mit ihrer Familie, ihrem Vater, ihrem Mann und ihrem Sohn, in einem sehr kleinen Weiler in den Bergen. Nur eine Handvoll Nachbarn gibt es, das Dorf ist eine Autofahrt entfernt. Als Elvira ihren Nachbarn ermordet und auf ein Wagenrad gebunden vorfindet, ist es mit der Ruhe, Einsamkeit und Beschaulichkeit vorbei. Am gleichen Tag verschwindet ihre Freundin Resi spurlos und Elvira ahnt, dass dies erst der Anfang ist. Als sie auf eine alte Heiligenlegende stößt, findet sie den Leidensweg der heiligen Katharina in den Geschehnissen wieder. Doch wer und vor allem warum ermordet jemand die Bewohner? Als der Weiler einschneit, wird die Lage für Elvira und ihre Familie immer brenzliger.

Ein kleiner Weiler, nur ein paar Häuser, vorwiegend ältere Leute, die noch ein wenig Landwirtschaft betreiben oder Feriengäste bewirten. Es ist November und die Stimmung düster und neblig. Ein einziger Feriengast ist übrig, die winterliche Einsamkeit legt sich wie eine Decke über den Weiler. Die Atmosphäre des Buches ist schon vor dem Einschneien beklemmend und bedrückend. Die Kälte ist fast zu spüren und man fühlt sich selbst ganz klamm. Der Schnee überzuckert die Landschaft nicht, sondern erschlägt sie mit einer Masse an weißen Flocken, das Dorf ist abgeschnitten und die Einsamkeit wird bedrohlich. Die Morde sind nun nur noch das I-Tüpfelchen, welches die Beklemmung greifbar macht und einen mit fiebern lässt. Selten habe ich ein Buch gelesen, dessen Atmosphäre so eindrücklich und dicht über mich gekommen ist. Ein fast schon schauriges Leseerlebnis.

Elvira war mir von Anfang an sympathisch, auch wenn sie nicht die typische Heldin ist. Zurückgezogen lebt sie, dass sie überhaupt jemals geheiratet hat, war für mich verwunderlich. Die Stadt bzw. eigentlich das Dorf jagt ihr Angst ein und alleine traut sie sich schon gar nicht dorthin fahren. Zuhause, im Weiler, ist sie am liebsten, dort trifft sie nur Leute, die sie kennt, die ihr nahe stehen oder sie eben schon ihr Leben lang begleiten. In der Familie erfüllt sie die Funktion der bäuerlichen Frau, von Essen kochen bis Kühe melken, doch täglich hält sie ihre Gedanken fest und hat so schon einige Kladden vollgeschrieben. So viel scheint ihr anfangs gar nicht an der Auflösung zu liegen, sie sorgt sich natürlich um ihre Familie, aber sie ist der Dreh- und Angelpunkt der Familie und so stößt sie nach und nach auf die Legende.

Es geschehen noch mehr Morde im Weiler und der Kreis der Verdächtigen, die gut eingeschlossen durch den Schnee, noch im Weiler sind, ist sehr eng gesteckt. Trotzdem gelingt es der Autorin gut, den Täter lange Zeit zu verstecken und mich als Leser immer wieder auf falsche Spuren zu locken – abgesehen von der ersten Verhaftung, welche die Polizei vornimmt, denn weder ich noch meine Mitleser in der Leserunde konnten das glauben. Irgendwann kurz vor Schluss ist Elvira gemeinsam mit dem Leser auf den Täter gestoßen, doch die Autorin eröffnet dahinter noch einige Abgründe, so dass nicht nur die Suche und das Finden des Täters eine knifflige Rätselarbeit bieten, sondern das Ende noch mit einer Auflösung mit weitreichendem Ausmaß aufwarten kann.
Das Ende beinhaltet noch ein, zwei Kniffe, die ein wenig unglaubwürdig sind, da sie schon an ein Wunder grenzen, doch bei der Dichte der Toten in dem Buch mag man der Autorin ein paar zu gute Nachrichten zum Schluss verzeihen.

Fazit:
Ein kriminelles Rätselraten in einer wirklich stimmigen Umgebung. Auf zum Gruseln in die Berge – aber nicht einschneien lassen…

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10 thoughts on “Mit viel Schaudern: Milchsblut – Clara Weiss

  1. Hört sich wirklich gut an, kommt wohl auf meine Wunschliste.

  2. Ich wollte eigentlich keine neuen Krimis mehr lesen, aber deine Beschreibung liest sich doch zu verlockend.

  3. Ich muss auch sagen, mich hast Du jetzt neugierig gemacht. Ich hatte das Buch zwar bei den Neuerscheinungen seinerzeit wahrgenommen, hätte es mir aber nicht zwingend auf die Leseliste gesetzt, weil mir nicht so ganz klar war, in welche Richtung der Krimi gehen wollte. Gerade was Du aber zu der Stimmung schreibst, klingt richtig vielversprechend, das reizt mich, ich notier mir das mal. 😉

    • Ich hatte am Anfang auch ein wenig Befürchtungen, weil ich schon so ein ähnliches Buch gelesen hatte (kleines Dorf, eingeschneit und abgeschnitten von der Welt). Aber es hat sich als ganz anders herausgestellt und mich vor allem mit der Atmosphäre überzeugt. Ist also auf jeden Fall wert, dass man es sich mal auf den Wunschzettel notiert.

  4. Klingt genau richtig für ein kaltes, spannendes Lesewochenende im Bett.

  5. Pingback: Monatsrückblick Januar 2016 | Die dunklen Felle

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