Die dunklen Felle

Krimis und Schafe – und Felle (oder Fälle?)

Bedrückend beeindruckend: Im weissen Kreis – Oliver Bottini

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Oliver Bottini – Im weissen Kreis
Verlag: Dumont
300 Seiten
ISBN: 978-3832196998

 

 

 

 

Durch ihren früheren Kollegen Kilian, der jetzt als verdeckter Ermittler im Milieu der Russenmafia ermittelt, erfährt Louise Boní von zwei verkauften Waffen, einer Tokarev und einer Makarow. Diese sollen von der rechten Szene gekauft worden sein und für einen Anschlag verwendet werden. Janisch, derjenige, der die Waffen abgeholt hat, gerät sofort in Louise Bonís Fokus, doch er ist nur einer der äußersten Zipfel eines rechten Netzes. Die Szene scheint weitläufig und grobmaschig, so dass keiner so richtig zu erwischen ist und die Spur von einem zum nächsten führt. Gleichzeitig versucht sie herauszufinden, wer das Ziel ist, um demjenigen Schutz zu gewähren. Doch als Louise Boní immer weiter vordringt, wird sie plötzlich zurück gepfiffen. Von oben kommt die Anweisung, doch Boní denkt gar nicht dran, das Ziel, einen Afrikaner names Kabangu, aus den Augen zu lassen.

Ich hatte das Glück, das Buch in einer Leserunde gemeinsam mit dem Autor zu lesen und so konnte nicht nur das Buch mit seiner Eindrücklichkeit beeindrucken, sondern auch der Autor mit detaillierten Zusatzinformationen, die einen schlucken lassen. Die rechte Szene scheint bei mir hier so weit entfernt, so unwirklich. Doch der Krimi macht einem bewusst, dass dies ein Trugschluss ist. Rechte Gedanken sind so schnell gedacht und in der „richtigen“ Gruppe geäußert, wird man gleich gefestigt und findet Gleichgesinnte. So spinnt sich ein feines Netz über das Land, in welchem dem rechten Gut Boden und Nahrung geliefert wird. Dabei sind viele „nur“ kleine Leute. Mitmacher, Befehlsausführer, Menschen, die Kleinigkeiten erledigen. Die Drahtzieher sieht man kaum und wenn, kommt keiner an sie ran. Jeder weiß nur ein Stückchen und man findet kaum Verbindung zu den anderen oder gar zu den Bossen am Ende der Nahrungskette. Zusätzlich scheint es in der rechten Szene ein Gemeinschaftsgefühl zu geben – da arbeiten Organisationen zusammen für den „guten“ Zweck, solange der Grundgedanke stimmt und man sich rechts einig ist. Ein erschreckendes Bild.

Ich spreche von einem feinen Netz, doch auch der Ausdruck „brauner Sumpf“ trifft es gut, durch den sich Louise Boní hier wühlen muss. Doch zum Glück ist es Boní, denn viele andere Ermittler hätten sich an diesem Fall kaputt gestoßen. Doch Louise Boní ist eine eigenwillige Ermittlerin. Eine Einzelkämpferin. Störrisch und getrieben, verbissen und todesmutig. Es ist ihr egal, was ihre Chefs von ihr denken, es ist ihr egal, was diese anweisen. Boní denkt und handelt, aber nicht wie andere es möchten oder erwarten. Sie verfolgt ihr Ziel beharrlich. Beziehungen liegen ihr auch nicht so, da widmet sie ihr Leben lieber ihrem Job. Sie ist geradlinig, direkt und unverfroren. Eine Protagonistin, die einen staunend und bewundernd zurücklässt, von der man mehr lesen möchte.

Der Schreibstil von Oliver Bottini ist kurz gehalten und erzählt wirklich nur das nötigste. Der Minimalismus ist spiegelt sich also nicht nur in seiner Hauptfigur sondern auch in seinem Stil. Die Ermittlung selbst hat mich am Ende sprachlos zurück gelassen. Das Ende ist unbefriedigend. Aber es ist keinesfalls schlecht, versteht mich nicht falsch. Es ist realistisch und bedrückend, es regt die Gedanken an und man grübelt noch Tage nach, warum. Aber diese Aufgewühltheit, die einen den ganzen Krimi über begleitet, die bleibt einem noch danach erhalten. Man kann nicht glauben, dass es so endet. Wieso nur? Das kann doch nicht das Ende sein, oder? Man ist fassungslos. Ich bin fassungslos.

Nun möchte ich noch empfehlen, die Lousie Boní Reihe unbedingt in der richtigen Reihenfolge zu lesen. Ich habe jetzt mit diesem Band begonnen, weil es normalerweise bei einer Krimireihe nichts ausmacht, mitten drin einzusteigen, doch diesmal war das recht schwierig. Das Buch wimmelt von Louise Geistern aus der Vergangenheit und ich fand es schade, dass mir die Informationen, wer da alles rumgeistert, zum Teil gefehlt haben. Also auf jeden Fall mit „Mord im Zeichen des Zen“ beginnen. Und zwar jetzt und sofort, falls ihr es noch nicht kennt. Und dann bis zu „Im weissen Kreis“ durchlesen.

Fazit:
Beeindruckend – vom ersten bis zum letzten Buchstaben, von der Hauptfigur Louise Boní bis zum gewählten Thema. Ein Krimi, der nachdenkt und nachdenken lässt. Absolut empfehlenswert!

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3 thoughts on “Bedrückend beeindruckend: Im weissen Kreis – Oliver Bottini

  1. Sehr schöne Besprechung. Bottini ist für mich seit “Ein paar Tage Licht” und diesem Buch Pflichtprogramm. Bislang habe ich nur noch Band 2 aus der Reihe gelesen und da war ich irgendwie von dieser Zen-Thematik irritiert. Aber da war ich vielleicht noch nicht “reif” für Louise Boni…;-)

    • Hmm… ich habe ja schon vor, mich irgendwann durch die Reihe durch zu lesen – mal sehen, wie das dann mit mir und Zen ist. Aber “Ein paar Tage Licht” und “Der kalte Traum” stehen ja auch noch auf der Liste… hm, ich seh schon, mal wieder zu viele Bücher für zu wenig Zeit.

  2. Pingback: Mein Dezember, mein 2015 – ein Rückblick eben | Die dunklen Felle

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