Die dunklen Felle

Krimis und Schafe – und Felle (oder Fälle?)

Cops leben gefährlich – Ed McBain

5 Comments

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Ed McBain – Cops leben gefährlich
Verlag: Culturbooks
Übersetzer: Ernst Heyda
156 Seiten
ISBN: 978-3959880039

 

 

 

 

Ein Täter hat es auf Cops abgesehen. Zuerst erwischt es Mike Reardon. Die Kugeln zerstören sein Gesicht so, dass seine Kollegen vom 87. Polizeirevier ihn erst gar nicht erkennen. Und Mike Reardon bleibt nicht der einzige Cop aus dem 87. Polizeirevier, auf den es der Killer abgesehen hat. Carella und Bush sind hinter dem Täter her, aber auch die anderen Kollegen des 87. Polizeireviers wollen nichts anderes, als den Kerl zu erledigen. Doch wer erschießt Cops?

„Ein funkelndes Nest ist die Stadt, von pulsierendem Leben erfüllt, erbaut aus kostbaren, leuchtenden Edelsteinen – aber alle diese Gebäude sind nur Dekoration. Mehr nicht. […]
Vor den Häusern, hinter den Häusern und zwischen den Häusern gibt es Straßen.
Und es gibt viel Abfall in diesen Straßen…“ (S. 6-7)

Und um diesen Abfall kümmern sich die vielen Cops der Stadt, unter anderem auch die aus dem 87. Polizeirevier. Der Mord an Mike Reardon lockt die Mordkommission an, doch ist klar, dass das Revier natürlich auch ermittelt, wenn es einen der ihren erwischt. Und was der Leser dann erlebt, ist schlicht und einfach Polizeiarbeit. Von vielen Kollegen. Von einem Team. Es gibt zwar Carella, der die Geschichte zusammen hält, doch die Ermittlungen werden von vielen Kollegen durchgeführt. Da werden die bekannten Verdächtigen aus dem Revier verhört, die Karteikarten nach Haltern von .45ern durchsucht, die Spitzel her zitiert und ausgefragt. Es ist eine Menge Arbeit, zeitaufwendig und akribisch, welche in der brüllenden Sommerhitze in der Stadt, zwischen aufgeheizten Gemütern und langsam versagenden Klimaanlagen, ein Höllenjob ist. Doch ein Polizistenmörder treibt sein Unwesen und dieser muss gestoppt werden. Deshalb kommen die Kollegen vom 87. Polizeirevier immer wieder zusammen, schieben Überstunden, denken Tag und Nacht an Wege und Mittel den Täter zu fangen.

Neben dem Fall erlebt man die Ermittler im Privatleben, wenn man auch immer nur kleine Einblicke bekommt. Da ist Bush, dessen Frau eine unterschwellige Sexualität ausströmt, so dass sogar sein Partner, Carella, abwegige Gedanken durch den Kopf huschen. Und da ist Reardon, dessen Frau immer gemeinsam mit ihm schlafen geht, auch wenn das heißt, tagsüber zu schlafen und nachts auf zu sein. Und da ist Carella selbst, der eine Frau gefunden hat, die er liebt, die taubstumme Teddy, die ihr Glück nicht fassen kann, einen so tollen Kerl abbekommen zu haben. Zugleich herrscht eine Hitze, die das Denken unmöglich macht, die Gedanken zäh wie Kaugummi. Und dann gibt es da diesen Journalisten, Savage, der Unruhe stiftet. Der denkt, er könnte das besser als die Polizisten. Der in ein Wespennest sticht und dann die Hände hebt und sagt, dass hätte er nicht gewusst. Ein Reporter, der ein Interview veröffentlicht, welches er gar nicht hätte veröffentlichen dürfen und damit einen Stein ins Rollen bringt.

Der Krimi hat „nur“ ungefähr 150 Seiten, aber die haben es in sich. Selten habe ich einen so klaren Stil erlebt. Die Dialoge sprühen vor Zynismus und Härte, zeigen aber auch Wortwitz und ein Gespür für die Sprache der Polizisten. Ed McBain begründete ein neues Subgenre, das Police Procedural, den Polizeiroman. Zum ersten Mal ist es nicht ein Privatdetektiv, ein einzelner Ermittler, der den Täter jagt. Es ist ein Team von Ermittlern, von Polizisten. Und damit sind McBains Krimis so realistisch und nah am Geschehen wie möglich. Das Konzept wurde vielfach kopiert, ob nun in nachfolgenden Krimis oder Fernsehserien, doch irgendwie scheint der Gründer in Vergessenheit geraten zu sein. Wie gut, dass der Culturbooks Verlag diese Krimiperlen wieder ausgegraben hat und zumindest einige Teile veröffentlich hat.

Fazit:
Realistischer geht es nicht – Ed McBain gelingt ein Polizeiroman erster Güte und begründet damit ein Subgenre. Ein Könner, der dem Leser ein riesiges Portfolio hinterlassen hat, dass hoffentlich wieder komplett neu aufgelegt wird.

 

Dies und Das über Ed McBain:
Ed McBain ist ein Pseudonym von Evan Hunter, der eigentlich Salvatore Albert Lombino heißt. Als Evan Hunter schrieb er Kinderbücher, Psychothriller und Drehbücher, unter anderem „Die Vögel“ von Alfred Hitchcock. Erfolg hatte er aber als Ed McBain und mit seinem 87. Polizeirevier, mit dem er die Police Procedural begründete. Der einzelne Detektiv, ob nun Superspürnase oder Hardboiled Detektiv, wurde hier durch eine Gesamtleistung ersetzt, die Leistung eines ganzen Polizeireviers. Der Leser erlebt den Polizeialltag hautnah, Realismus pur. 50 Krimis um das 87. Polizeirevier folgten. Doch einen Makel hatte das 87. Polizeirevier – McBain sympathisiert mit seinen Cops, es gibt keinen schlechten, korrupten Cop. Seine Protagonisten sind die guten. Man mag es ihm nachsehen, hat er doch ein Subgenre begründet und uns viele, gute Polizeiromane hinterlassen.

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5 thoughts on “Cops leben gefährlich – Ed McBain

  1. Hört sich spannend an, kannte ich bisher noch gar nicht. Und passt mit seinen 150 Seiten gut in einen Urlaub 🙂

  2. Hallo Christina!

    Tolles Buch! Tolle Rezension! Und tolles Zitat!
    Ed McBain steht schon seit ein paar Monaten auf meiner Liste “Möchte ich unbedingt lesen”. Mittlerweile sind ja schon drei Bände vom 87. Revier erschienen. So wie du über das Buch schreibst, ist es ein Must-Read und kommt auf meine Einkaufsliste. Besonders dein ausgesuchtes Zitat gefällt mir – ganz mein Stil. 😉

    Freue mich wieder hier zu sein und werde gleich mal deine ganzen, von mir versäumten, Beiträge nachlesen! Schöne Weihnachten dir! Liebe Grüße, Iris

    • Hallo Iris!
      Wie schön, dass Du Dich mal wieder meldest! Erst seit diesem Spezial suche ich ja überhaupt Zitate und ich merke es gefällt mir. Da freut es mich besonders, wenn mein ausgesuchtes Zitat bei Dir Anklang findet. Ed McBain sollte man schon irgendwann gelesen haben. Aber so geht es einem ja mit vielen Büchern. Das Klassikerspezial war deshalb ein ganz eigenes Erlebnis für mich. Endlich mal die Bücher lesen, die für so viele Autoren als Vorbild dienen. Wenn Du dann “Cops leben gefährlich” gelesen hast, komm vorbei und sag mir, wie es Dir gefallen hat. Ich bin richtig gespannt, ob es Dir auch so gut gefällt.
      Ich wünsch Dir auch frohe Weihnachten – und natürlich einen guten Rutsch ins neue Jahr!
      Liebe Grüße,
      Christina

  3. Reblogged this on CulturBooks – gebloggt and commented:
    Drei Romane von Ed McBain haben wir schon neu aufgelegt, zwei weitere folgen sehr bald. Danke für diese Besprechung!

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