Die dunklen Felle

Krimis und Schafe – und Felle (oder Fälle?)

Father Browns Einfalt – G. K. Chesterton

6 Comments

41ZLFJjw6vL._SX255_BO1,204,203,200_
G.K. Chesterton – Father Browns Einfalt
Verlag: insel
Übersetzer: Hanswilhelm Haefs
325 Seiten + Nachwort
ISBN: 978-3458350286

 

 

 

 

Ein jeder kennt wohl Heinz Rühmann als Pater Brown in den Verfilmungen von G.K. Chestertons „Father Brown“. Doch so viel hat die Rühmann-Umsetzung nicht mit dem Original zu tun, angefangen beim Titel, denn das englische Father ist bei uns mit Hochwürden zu übersetzen und nicht mit Pater, welches einen Ordensgeistlichen beschreibt. Und so lohnen die Father Brown allemal einen Blick, auch wenn man die Filme gesehen hat.

Die rund 50 Geschichten um Father Brown wurden in fünf Sammelbänden veröffentlicht und ich habe mir „Father Browns Einfalt“ ausgesucht und hier erst mal 4 Geschichten gelesen. Und zwar folgende:
Das blaue Kreuz
Valentin jagt den Meisterverbrecher Flambeau – doch was macht dieser mit dem kleinen, rundlichen Geistlichen?
Der unsichtbare Mann
Ein Mann wird ermordet – doch mehrere Personen bezeugen, dass niemand die Wohnung betreten hat – war es ein unsichtbarer Mann?
Der Hammer Gottes
Ein Bruder stirbt und ein Schuldiger ist schnell gefunden – doch Father Brown sieht das ganz anders.
Die drei Werkzeuge des Todes
Erschossen, erhängt oder erdolcht? Anscheinend war Sir Armstrong so unbeliebt, dass er gleich mit drei Methoden ermordet wurde.

Genau beschrieben wird Father Brown in diesen Geschichten kaum, er ist klein und gedrungen, ich stelle ihn mir eher rundlich vor. Und eigentlich immer mit einem neugierigen oder leicht amüsierten Ausdruck im Gesicht. Er ist ein Geistlicher, aber gleichzeitig auch ein Philosoph. Ihm geht es nicht darum, dass die Verbrecher der Gerechtigkeit zugeführt werden, ihm ist es lieber, wenn ein Täter seine Taten einsieht und dafür Reue empfindet. In ihm verbindet sich Glaube und Vernunft, ganz ohne Widerspruch.

„Auf Erden räumt nur die Kirche allein der Vernunft ihre wahre Hoheit ein. Auf Erden bekräftigt nur die Kirche allein, daß Gott selbst durch die Vernunft gebunden ist.“ (Das blaue Kreuz, S. 31)

Den philosophischen Aspekt muss man wohl mögen oder zumindest nicht ganz abgeneigt sein, denn Glaube und Philosophie waren Chesterton sehr wichtig. Ich habe mir allerdings sagen lassen, dass die späteren Geschichten dann mehr Fokus auf den kriminellen Aspekt legen, als Chesterton merkte, dass Father Brown als Ermittler sehr gut bei den Lesern ankam. Obwohl der Leser nie in Father Browns Denken Einblick hat, merkt man schon bald, dass er einen ganz anderen Blick auf Dinge hat, als die anderen Menschen. Auch wenn er Geistlicher ist, ist sein Denken freier, er öffnet sich ungewöhnlichen oder auch absurden Lösungen, weil es eben eine Lösung geben muss, auch wenn sie noch so unkonventionell oder abstrus ist.

Da ist es fast schon schade, dass die Geschichten, welche ich nun gelesen habe, oft ohne Father Brown beginnen und er meist erst spät in Erscheinung tritt. Man fragt sich manchmal schon, wann der viel gerühmte Father Brown denn nun endlich auftaucht. Dies nimmt den Geschichten aber keinesfalls die Skurrilität. Alle vier Geschichten waren herrlich absurd und zum Teil fast schon komisch an einigen Stellen. Da wundert man sich, lächelt amüsiert und schüttelt den Kopf vor Staunen, bis dann Father Brown auftritt und mal recht schnell, mal nach und nach, den Fall auflöst. Nicht immer wird er ernst genommen, doch wer ihn kennt, schätzt ihn sehr, wie z. B. Detective Valentin oder auch – ein wenig später – Flambeau.

Fazit:
Jeder Krimifan sollte zumindest mal eine Father Brown Kurzgeschichte gelesen haben, am besten aber natürlich noch mehr. Father Brown löst nicht nur die Fälle mit viel Geschick und Weisheit, sondern die Fälle sind auch immer skurril und humorig, so dass die Geschichten viele Geschmäcker treffen.

 

Dies und Das über G.K. Chesterton
Um die 50 Geschichten über Father Brown veröffentlichte G. K. Chesterton, doch dies ist nur ein kleiner Teil seines Schaffens, auch wenn die Kurzgeschichten seine bekanntesten Werke sind. Schon seltsam, dass Chesterton mit einem katholischen Geistlichen den meisten Erfolg hat, wo er doch als Unitarier erzogen wurde, bevor er zum Katholizismus wechselte. Das hinderte ihn jedoch nicht daran, sein Leben zu genießen. Ein Gourmet soll er gewesen sein und Zigarren geraucht haben. Mit George Bernand Shaw verband ihn eine tiefe Freundschaft, die aber auch öffentliche Streitgespräche beinhaltete. Übrigens, die beiden sollen in einem Stummfilm Cowboys gemimt haben – leider ist der Film nie veröffentlicht worden und damit eine unbestätigte Anekdote.

Advertisements

6 thoughts on “Father Browns Einfalt – G. K. Chesterton

  1. Ich dachte immer, “Hochwürden” wäre der Reverend? Aber mein Englisch ist nicht sonderlich ausgefeilt, daher hab ich mir eigentlich bisher nie darüber Gedanken gedacht, dass der gute Father Brown vielleicht gar kein Pater ist! 😀 Ich kenne nämlich auch nur die Rühmannsche Interpretation, ich habe die alten Filme mit ihm immer sehr gern geschaut. Aber ich finde auch, als Krimifan sollte man auch mal ins Original gelesen haben. Ich mach mir da direkt mal eine Notiz! 🙂 Fürchte nur, dass man da wieder schwer rankommt, die werden aktuel nicht verlegt, oder?

    • Hm, also ein paar aktuelle Bücher gibt es schon, aber ich habe mich für eine Ausgabe entschieden, die tatsächlich nur antiquarisch verfügbar ist, weil der Verlag damals einfach alle Geschichten chronologisch in 5 Bänden veröffentlicht hat. Wenn es nur zum reinschnuppern ist, reicht ja aber vielleicht auch eine aktuelle Zusammenstellung, ansonsten vermute ich, dass man in der Bücherei gute Chancen haben könnte.

      • Ich hab jetzt auf den ersten Blick nur eBook-Ausgaben und antiquarisches entdeckt, na mal schauen, ob er mir irgendwann mal über den Weg läuft.

      • Vielleicht wird er ja auch wiederentdeckt wie so viele andere Autoren auch und dann gibt es neue Ausgaben. Aber man hat ja eh so viel auf seiner Leseliste stehen…

      • Das habe ich mir eben auch überlegt, von wegen Eric Amber und so, wer weiß, was uns da in den kommenden Jahren vielleicht noch erwartet! Geduldig ist die Sammlerseele. 😀

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s