Die dunklen Felle

Krimis und Schafe – und Felle (oder Fälle?)

Sündenbock: Einer weniger – Peter Brechtel

8 Comments

9783865324887
Peter Brechtel – Einer weniger
Verlag: Pendragon
471 Seiten
ISBN: 978-3865324887

 

 

 

Beim letzten SEK-Einsatz läuft alles schief und nicht nur der Geiselnehmer sondern auch die Geisel sterben. Zur Verantwortung wird Lars Bosch gezogen, der daraufhin für drei Monate zur Kripo zwangsversetzt wird. Dort angekommen wird er sofort der SOKO „Headhunter“ zugeteilt, die einen Killer verfolgt, der Mitglieder des organisierten Verbrechens tötet. Und so hat Bosch gleich mit mehreren Dingen zu kämpfen: einer anstrengenden Ermittlung, Kollegen, die ihn auslachen, einer Frau, die ihn verlassen hat und da ist ja noch die Geiselnahme, bei der doch so einiges schief lief – etwa gar absichtlich?

Lars Bosch befindet sich in einer echt besch… enen Situation. Als Sündenbock des geplatzten SEK-Einsatzes befindet er sich jetzt in der Kripo. Seine neue Chefin/Partnerin ist eine kettenrauchende Hexe, die den Leiter der Sonderkommission gefressen hat. Der Leiter wiederum kann Bosch nicht ausstehen und schanzt ihm jegliche unangenehme Aufgabe zu. Allgemein schlägt ihm eine von vorsichtig abwartend bis offen gehasste Welle von Emotionen entgegen. Er ist die Person non grata. Aber es sind ja nur drei Monate. Die wird er schon überstehen.

Zwischen frustriert und routiniert die Arbeit zu erledigen, beginnt er, sich doch für den Fall zu interessieren. Im Gegensatz zu seiner Partnerin nimmt er einige Dinge mehr in Augenschein, wühlt sich durch alte Akten und befragt Zeugen. Und ermittelt ganz nebenbei auch noch in dem geplatzten SEK-Einsatz, denn nach und nach muss er sich fragen, ob er nicht als Erfüllungsgehilfe missbraucht wurde. War der Tod des Geiselnehmers etwas geplant?

Zwei, nein eigentlich drei Ermittlungen, private Probleme und eine feindliche Atmosphäre – Lars Boschs Leben ist ein Chaos. Und das kriegt auch der Leser mit. Man muss ganz schön aufpassen, um manchmal Namen oder Geschehnisse unter zu bringen, da diese zu der einen Ermittlung gehören und diese zu der anderen. Es dauert eine Weile bis man in das Buch hineinkommt, aber zum Glück konnte mich das Buch dann doch nach einem Drittel so richtig packen, als sich dann langsam einige Dinge verbunden haben und die Ermittlung nicht mehr „dümpelt“, sondern an Fahrt aufnimmt.

Eine innige Beziehung zu Lars Bosch hab ich als Leser nicht aufgebaut. Auch wenn sein Privatleben in die Brüche gegangen ist und er schon einiges versucht, um es zu kitten, ist mir von dieser Seite zu wenig von ihm erfolgt. Er ist ein Polizist – mit Herz und Seele. Sein Privatleben behandelt er nachlässig. Der Beruf ist für ihn alles. Ob es nun unbedingt das SEK sein muss (bei dem er eh nur noch bis zu einem gewissen Alter arbeiten kann)? Ich finde ihn bei der Kripo gut aufgehoben, wobei ihm seine Fähigkeiten aus dem SEK im Finale nochmal richtig zu Gute kommen.

Das Finale hatte es dann auch nochmal so richtig in sich und auch die Auflösung, wer der Headhunter ist, kam für mich überraschend, wobei ich mich gefragt habe, warum ich da nicht schon früher drauf gekommen bin. Also irgendwie hat es der Autor verstanden, die Auflösung des Headhunter Falls hinter all dem anderen so gut zu verstecken, so dass die Lösung logisch und einfach ist, aber eben auch überraschend war.

Fazit:

Ein Krimi, mit dem man warm werden muss, der einen dann aber packt und bis zum mitreißenden Finale nicht mehr loslässt. Der Pendragon Verlag kann also auch “deutsch” sehr gut! 🙂

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8 thoughts on “Sündenbock: Einer weniger – Peter Brechtel

  1. Pendragon kann das wirlich sehr gut! 😀 Bei den deutschen Titeln muss ich Dir unbedingt “Kanakenblues” von David Gray und “Ausstieg” von Hartenstein & Vocks empfehlen, falls Du die noch nicht kennst, die haben mich in diesem Jahr sehr sehr begeistern können! Habe den Verlag fest ins Krimiherz geschlossen, klasse Titel, nationale wie internationale, ein kleine Fundgrube des Krimiglücks, hehe. Da werde ich noch so einiges lesen, als nächstes ist bei mir Robert B. Parker dran.

    • Ahhh. Ich will endlich die Jesse Stone Reihe weiterlesen. Also Robert B. Parker steht auch auf meiner Leseliste!
      Kanakenblues hab ich hier – aber auch dazu bin ich noch nicht gekommen. Ausstieg kenn ich gar nicht… guck ich mir gleich mal an. Danke für den Tipp!!

      • Sehr gerne! Ich muss zu “Ausstieg” auch noch dringend eine Rezension schreiben. Hatte das Buch gelesen, als es gerade mit unserem Umzug und der Renovierung losging und keine Muße mehr gehabt, einen Text dazu zu schreiben und dann war das Buch monatelang in einer der vielen Kisten verschollen, jetzt habe ich es wieder und werde im Dezember nochmal reinlesen und die Besprechung für den Blog schreiben, das Buch war einfach so gut, das will ich ausführlich vorstellen, das hat der Titel verdient.

      • Okay… die Rezensionen bei einem namhaften Händler waren jetzt nicht so begeisternd, aber wenn ich jetzt dich höre… dann lohnt sich da ja auf jeden Fall ein zweiter Blick. Ich nehm das mal in meine Wunschliste auf. Deine Meinung reicht mir da völlig. Danke!

      • Danke für die Blumen! 😉 Kann aber auch schiefgehen!! 😀

        Die beim großen Bruder habe ich mir auch gerade mal angeschaut, hm, sehr unaussagekräftig… Aber Meinungen gehen halt auseinander, die kleinkriminelle Großfamilie mochte ich gerade! Ich werde nächste Woche mal zusehen, dass ich nochmal in das Buch reinlese und dann auch meine Besprechung fertig stelle! 😀

      • Kann, aber muss nicht. Und wenn ich jemanden vertrauen soll, dann auf jeden Fall eher Dir als anonymen Schreibern auf irgendeiner Webseite….

  2. Guter Titel, guter Verlag!;-)

  3. Pingback: Rückblick November + Neuerscheinungen Dezember 2015 | Die dunklen Felle

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