Die dunklen Felle

Krimis und Schafe – und Felle (oder Fälle?)

Bienenstock: Horrorstör – Grady Hendrix

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Grady Hendrix – Horrorstör
Verlag: Knaur
Übersetzer: Jakob Schmidt
268 Seiten
ISBN: 978-3426517222

 

 

Merkwürdiges geht vor im ORSK-Einrichtungshaus in Cuyahoga in Ohio. Morgens, wenn die Mitarbeiter an ihre Arbeitsplätze zurückkehren sind GLANS-Trinkgläser kaputt und LIRIPIP-Regale zerstört. Und was erst mit dem Brooka-Sofa passiert ist…. eklig! Doch was passiert nachts im leeren Möbeldiscounter? Amy wird zusammen mit Ruth Anne von ihrem Chef Basil verpflichtet, mit ihm gemeinsam die Nacht in der ORSK Filiale zu verbringen, um die Eindringlinge aufzuspüren, die jede Nacht wohl ihr Unwesen treiben. Doch sie treffen bei weitem nicht nur ein paar Eindringlinge in den dunklen Gängen zwischen Möbelstücken und Impulskaufkörben…

Arrrrgghhhh! Ja, genau, es ist eine Horrorstory. Ein bisschen Thriller auch. Und es sieht aus wie ein Katalog der berühmten schwedischen Möbelhauskette. Grady Hendrix hat sich mit seiner „Horrorstör“ Mühe gegeben und nicht nur eine Geschichte geschrieben, sondern diese liebevoll in ein Möbelkatalogdesign eingepasst. Klar ist es nur ein Gag, aber das Design ist schon auf die Geschichte angepasst und unterhält einen ganz nebenher wunderbar.

Amy, eine desillusionierte Angestellte des Möbelriesen, ist die Protagonistin. Im allgemeinen recht faul, gelangweilt von ihrem Job und mit der Befürchtung bald gefeuert zu werden, hat sie ihre Versetzung in eine andere Filiale beantragt, doch Basil, ihr Vorgesetzter, will dieser nur zustimmen, wenn sie mit Ruth Anne und ihm die Nachtschicht macht. Davor hat er natürlich x andere gefragt, aber na ja, Fußball und andere Dinge kommen dazwischen. Amy ist keine Heldin. Sie will einfach nur einen Sitzjob. Jetzt hat sie einen Stehjob, aber sie träumt von einem Sitzjob. Da sie diesen aber vermutlich nie erreicht, begnügt sie sich eben mit einem Stehjob. So eine ist Amy. Die Nacht im Möbelgeschäft zeigt ihr allerdings, dass doch noch viel mehr in ihr steckt.
Basil ist ein Nerd. Er mag es Vorgesetzter zu sein und lebt für ORSK. Er hat die Grundsätze inhaliert und ist von seinem Job überzeugt. Ruth-Anne ist die Gute. Sie mag jeden und jeder mag sie. Und dann gibt es ja noch Matt und Trinity, die sich eingeschlichen haben, um eine Geistershow zu produzieren. Da haben wir also unsere fünf Kandidaten, welche die Schrecken der Möbelindustrie aufstöbern werden. Nein, keine Sorge – es gibt auch noch andere Schrecken in dem Thriller.

Die Handlung an sich erinnert schon an eine übliche Horrorgeschichte, doch natürlich ist das Design auch hier hinweisgebend, denn ein wenig wohldosierte Kritik an (Möbelhaus)Ketten ist da schon zu finden. Hierzu muss ich allerdings ein wenig weiter ausholen und schon ein wenig verraten, wie die Geschichte weitergeht – wer sich den Spaß nicht verderben will, der sollte erst im nächsten Absatz weiterlesen. Bevor das Möbelhaus dort erbaut wurde, stand an dem Platz mal ein Gefängnis. Lange bevor das Möbelhaus erbaut wurde. Ein Gefängnis, welches ein Versuch war. Erbaut als Panoptikum mit nur einem Aufseher, der seine Insassen durch andauernde wiederkehrende Tätigkeiten kurieren wollte. Durch die Form des Panoptikums kann er theoretisch immer alle Insassen sehen – bzw. die Insassen wissen nicht, ob sie nicht gerade beobachtet werden und müssen vermuten ständig beobachtet zu werden. Wie die Geschichte ausgeht, verrate ich Euch natürlich nicht, aber der Begriff des Panoptikums hat einen Fetzen aus meinem Studium hervorgeholt und zwar Michel Focault. Der Philosoph hat nämlich die Ordnung unserer westlichen Gesellschaft als Panoptikum bezeichnet und obwohl Grady Hendrix „nur“ eine relativ einfach gestrickte Horrorgeschichte geschrieben hat, kann man die Ansätze von Focault durchaus sehen. Mich persönlich hat die Vorlesung über Focault und das Panoptikum damals sehr zum Nachdenken angeregt und ich bin positiv überrascht, dass die „Hororstör“ dies aufgefrischt hat.

Jetzt hab ich schon ein-, zweimal erwähnt, dass die Geschichte theoretisch eine einfach gestrickte Horrorgeschichte ist, die man zuhauf in Horrorfilmen finde, aber trotzdem hat es wahnsinnig viel Spaß gemacht, sie zu lesen. Für mich war es einfach das richtige Buch zur richtigen Zeit – mit dem Bonus, dass es meine Gedanken angeregt hat und das Design einfach klasse ist. Wer also mal Lust und Laune auf eine traditionelle Horrorgeschichte mit tiefergehenden (wenn auch ein wenig versteckten) Gedankengängen und einem liebevoll gestalteten Buch hat – greift zu!

Fazit:
Eine unterhaltsame, aber auch recht einfache „Horrorstör“ mit verstecktem Tiefgang (unbedingt mal Panoptikum googlen) und liebevollem Design.

P.S.: Normalerweise bin ich mit dem Rezensionslesen auf anderen Blogs immer ein wenig hinterher, aber heute bin ich top aktuell, denn Papiergeflüster hat just auch heute ihre Rezension zu Horrorstör veröffentlicht. Eine super Gelegenheit für Euch, heute gleich zwei Meinungen zu lesen, wenn ihr dem Link hier folgt. 😀

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3 thoughts on “Bienenstock: Horrorstör – Grady Hendrix

  1. Klingt interessant und unterhaltsam und wird wohl Eingang finden auf meine Wunschliste oder die meines lieben Gatten. Wir werden das noch ausdiskutieren 🙂

  2. Pingback: Rückblick November + Neuerscheinungen Dezember 2015 | Die dunklen Felle

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