Die dunklen Felle

Krimis und Schafe – und Felle (oder Fälle?)

Odins Söhne – Harald Gilbers

3 Comments

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Harald Gilbers – Odins Söhne
Verlag: Knaur
523 Seiten
ISBN: 978-3426516430

 

 

 

 

Anfang 1945 ist Richard Oppenheimer, ein jüdischer Ex-Kommissar, untergetaucht. Durch seine Freundin Hilde hat er einen Pass mit anderem Namen und kann relativ gefahrlos leben. Natürlich getrennt von seiner Frau Lisa, aber immerhin mit einigen heimlichen Treffen. Als Hildes Mann , der KZ-Arzt Erich Hauser auftaucht, und Hilde bittet, ihm zu helfen unterzutauchen, führt dies zu einer Tragödie: Hauser wird tot aufgefunden und Hilde des Mordes an ihrem Mann verdächtigt. Damit Hilde nicht in wenigen Tagen wegen Hochverrates hingerichtet wird, muss Oppenheimer sich, gemeinsam mit einigen anderen Freunden Hildes, etwas einfallen lassen, um den wirklichen Täter aufzuspüren.

Die Handlung spielt in den letzten Monaten vor Kriegsende, einer Zeit, in der die Menschen erschöpft vom lange andauernden Krieg waren, ausgezehrt durch das kaum verfügbare Essen, in Furcht, ob sie nicht verraten werden, durch eine Kleinigkeit, eine Lappalie. Tägliche Bombenangriffe, Stunden in Bunkern und zerstörte Straßen, Gebäude und tote Menschen und der Feind naht. Die Stimmung ist bedrückend, verzweifelt und mit kleinen Hoffnungsschimmern versehen. Die Russen von rechts, die Amis von links – Deutschland steckt in der Mitte fest. Doch Hitler und sein Regime geben nicht auf. Auch der letzte verfügbare Mann wird zum Volkssturm eingezogen, derweil sich die zurückbleibenden Gedanken machen, wie sie sich wohl am besten umbringen könnten, bevor der Feind sie erwischt. Harald Gilbers gelingt es ausgezeichnet, die Atmosphäre von Berlin kurz vor dem Kollaps aufzuzeichnen. Nicht nur die Atmosphäre und Stimmung nehmen den Leser mit in eine Zeit, die die Schrecken unserer heutigen Zeit fast verblassen lässt, sondern er spickt dies mit unglaublich vielen Details, nicht nur aus der bekannten Geschichtschreibung, sondern aus dem Alltag, welche der Geschichte eine unheimlich realistische Note verleiht.

Den ersten Teil „Germania“ kenne ich noch nicht, doch man kommt auch problemlos so in die Geschichte rein. Richard Oppenheimer, ehemaliger Kommissar, ist jüdischer Abstammung und kann glücklicherweise, mit Hilfe von Hilde, verschwinden und untertauchen. Unglücklicherweise hat er allerdings einen Pass mit dem Namen Hermann Meier erhalten, welcher ihm mitunter komische Blicke beschert (Der Name bezieht sich auf ein Zitat von Hermann Göring, welcher sagte, dass er Meier heißen wolle, wenn nur ein feindliches Flugzeug das Reichsgebiet überqueren würde). Oppenheimer ermittelt, gemeinsam mit einigen großartig gestalteten Nebenfiguren, nicht nur in Bezug auf Hausers Arbeit, die dem Leser so einige grausliche Details über die Forschungen der NS-Zeit bringt, sondern auch in eine ganz andere Richtung, die er aber lange für sich behält. Oppenheimer hat zufällig die Leiche vor allen anderen entdeckt und dort eine Anstecknadel gesehen. Da diese später verschwunden ist, gerät sie in Oppenheimers Fokus und führt ihn in geheime, okkulte Kreise, die dem Denken des NS-Regime zwar nicht unähnlich sind, aber trotzdem von Hitler verboten wurden.

Nun ist eine Ermittlung während der NS-Zeit schon per se nicht einfach, als untergetauchter jüdischer Ex-Kommissar noch ein wenig schwerer und mit einer drohenden Persiflage von Gerichtsverhandlung, die mit Hildes Tod enden wird, ein riesengroßer Druck, der auf Oppenheimer lastet. Die Ermittlung der Polizei ist dann auch eher eine Schmierenkomödie und die Beweise werden auf Hilde „hingeschustert“. Zugegeben, es ist nicht einfach, den wahren Täter zu finden, aber die Anstrengung des ermittelnden Kommissars regelrecht lachhaft. Die Verhandlung, von der man weiß, dass es nicht um den Mord geht, sondern einzig und allein darum, aufzudecken, wer nicht 100% hinter dem NS-Regime steht und von Zeugen, die einen denunzieren, weil sie einen nicht leiden können, wimmelt. Oppenheimer muss also den wahren Täter finden – das ist die einzige Lösung für Hildes Problem. Durch den Zeitdruck und den drohenden Tod (durch das Fallbeil) ist die Spannung konstant hoch, während dazwischen Bomben fallen, man nie weiß, wem man trauen kann und Greueltaten aus dem Zwielicht auftauchen. Mit der Lektüre von „Odins Söhne“ wird einem ganz bestimmt nie langweilig!

Fazit:

Atmosphärisch dicht ist man als Leser direkt dabei in der NS-Zeit, gemeinsam mit dem jüdischen Ex-Kommissar Oppenheimer, der gegen die Zeit ermitteln muss, um seine Freundin Hilde vor dem Galgen zu retten. Hier stimmt einfach alles – Atmosphäre, Spannung und Figuren, die einem in Erinnerung bleiben. Perfekt!

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3 thoughts on “Odins Söhne – Harald Gilbers

  1. Ich habe “Germania” gelesen. Der Kriminalfall war ok, aber die Atmosphäre des bombardierten Berlin fand ich sehr stark beschrieben. Vielleicht lese ich “Odins Söhne” auch irgendwann mal.

  2. Na das klingt doch gut! Habe “Germania” schon seit dem Sommer hier liegen, bin aber noch nicht zum Lesen gekommen, werd wohl Anfang nächsten Jahres mal loslegen! 🙂

  3. Pingback: Rückblick November + Neuerscheinungen Dezember 2015 | Die dunklen Felle

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