Die dunklen Felle

Krimis und Schafe – und Felle (oder Fälle?)

Heimspiel: Kupferglanz – Leena Lehtolainen

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Leena Letholainen – Kupferglanz
Verlag: Argument
Übersetzerin: Gabriele Schrey-Vasara
224 Seiten
ISBN: 978-3886198481

 

 

 

Mein erster Fall mit Maria Kallio spielt in ihrem Heimatdorf Arpikylä. Vor langer Zeit ist sie in die große weite Welt gezogen, doch nun ist Maria zurück und übernimmt für ein paar Monate die Vertretung des Polizeichefs. Zwar wollte sie jetzt nicht unbedingt eine ruhige Kugel schieben, aber eine Leiche hat sie nun auch nicht erwartet. Doch bei der Eröffnung des Erlebnisparks rund um die stillgelegte Kupfermine stürzt eine bekannte Künstlerin vom Turm – ein Unfall oder doch eher Mord?

Auch wenn das Buch in Finnland spielt, ist man durch die stillgelegte Kupfermine und den damit verbundenen Verfall des kleinen Ortes Arpikylä, doch stark an den englischen Nordosten erinnert. Vielleicht weil man von dort noch mehr Krimis kennt als aus Finnland. Aber eigentlich ist es unerheblich welches Land, denn die Stimmung hat die Autorin sehr gut eingefangen. Ein Dorf, welches noch vom Aufschwung durch die Kupfermine lebt, aber langsam daran ausblutet. Die Mine, die gute Dinge gebracht hat: Aufschwung, Leben, Einwohner, aber eben auch schlechte Dinge hervorgebracht hat: schlechte Arbeitsbedingungen, nach dem letzten Schürfen, Arbeitslosigkeit und Verfall der Stadt. Als Arpikylä nun wiederbelebt werden soll, löst das gemischte Gefühle aus, auch wenn die Mehrheit dankbar ist – für wirtschaftlichen Aufschwung, für Arbeitsplätze, für das Wiederbeleben des Dorfes. Die Atmosphäre ist trostlos und trotz des Aufschwungs mit der Erschließung der Kupfermine als Erlebnispark wie still gestanden.

Die Zerrissenheit der Dorfbewohner, die zwischen Vergangenem und Zukünftigen hängen, spiegelt sich in Maria Kallio wieder. Mehr oder weniger gezwungen ist sie wieder in ihrem Heimatdorf. Einige sind dort weggezogen, einige sind geblieben. Vieles erinnert an früher, aber einiges hat sich auch geändert. So hängt auch Maria zwischen Altem und Neuem. Ihr Freund Antii ist noch in den USA und sie steht nun ihrem Jugendschwarm wieder gegenüber. Ihre beste Freundin aus Kindertagen, ihre Eltern, ihre Schwester mit eigenen Kindern – und sie ist immer noch nicht verheiratet. Will sie überhaupt Kinder? Und Heiraten? Maria Kallio ist dazwischen. Zwischen Alt und Neu, zwischen Vergangenheit und Zukunft, zwischen altem Schwarm und neuer Liebe. Arpikylä ist eine Zwischenstation für Maria Kallio. Doch ist dieser Halt in Arpikylä auch ein Einblick in Marias Vergangenheit, der dem Leser gewährt wird.

Und ist auch der Kriminalfall „nur“ herrlich normal, so kann der Krimi doch durch Maria als starke Protagonistin und viele fein ausgearbeitete Charaktere hoch punkten. Maria Kallio lässt durchklingen, dass sie in den beiden vorigen Fällen persönlich verwickelt war und so ist ihr auch bei dem Mord an der Künstlerin sehr bange. Denn eine persönliche Verbindung kann sie in ihrem Heimatdorf fast nicht vermeiden. So ist es auch nicht verwunderlich, dass ihr alter Schwarm aber auch ihre beste Freundin Verdächtige sind, sowie lokale Berühmtheiten und alte Freunde. So muss auch ein alter Freund von Maria noch dran glauben. Doch Maria Kallio gelingt es, auch wenn sie persönlich verwickelt ist, Distanz zu wahren und den Kriminalfall nach und nach aufzudröseln. Auch wenn sie sich Hilfe von außerhalb holt, schmälert dies nicht ihre Beteiligung, schenkt ihr aber zufällig ihren früheren Kollegen Koivu zur Hilfe, der zwar gerade mit privaten Problemen beschäftigt ist, aber Maria trotzdem hilft, geerdet und sachlich zu bleiben.

So ist „Kupferglanz“ zwar ein eher beschaulicher Krimi, welcher einen durchschnittlichen Kriminalfall in einem eingeschränkten Kreis an Verdächtigen bietet, der aber durch eine aufgeladene Atmosphäre, eine starke Protagonistin und gut gezeichnete Charaktere punkten kann.

Fazit:

Für Maria Kallio Fans ein Muss, für alle anderen lesenswert, auch wenn der Kriminalfall eher normal daher kommt, gelingt der Autorin ein beeindruckendes Setting und eine tolle Protagonistin.

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One thought on “Heimspiel: Kupferglanz – Leena Lehtolainen

  1. Ach, gibt’s die auch noch. Habe mal vor fast 20 Jahren die ersten Krimis von ihr gelesen, sie dann aber aus den Augen verloren.

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