Die dunklen Felle

Krimis und Schafe – und Felle (oder Fälle?)

Überzeugender Blick in die Zukunft: Germany 2064 – Martin Walker

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Martin Walker – Germany 2064
Verlag: Diogenes
Übersetzer: Michael Windgassen
425 Seiten
ISBN: 978-3257069396

 

 

 

 

Ich lese ja sehr gerne Zukunft und Krimi/Thriller gemischt in einem Buch. Ich finde es spannend, wie die Autoren sich die Zukunft vorstellen und wenn dann noch ein spannender Fall dabei ist, bin ich glücklich. Und doch murre ich oft über die Autoren, die zwar eine Geschichte in der Zukunft ansetzen, aber das Ganze dann unausgegoren vor sich hin köcheln lassen. Nun, in diesem Punkt kann ich mich diesmal keinesfalls beschweren.

Kommissar Bernd Aguilar bekommt endlich seinen AP (=automatisierten Partner), einen Roboter, den er Roberto nennt, wieder, nachdem dieser sich bei einem Schusswechsel vor ihn geworfen hat. Roberto wurde allerdings nicht nur repariert, sondern auch auf den neusten Stand gebracht – und sieht einem Menschen jetzt verblüffend ähnlich, abgesehen von Problemen mit dem Hinsetzen und den zusätzlich montierbaren Armen. Die Zukunft ist aufgeteilt zwischen den hochtechnologisierten und fortschrittlichen Städten und den Freien Gebieten, ländliche Gegenden, in denen Menschen leben, welche den Fortschritt nach den 80er Jahren ablehnen. Ein Ort, an dem beide Gruppen aufeinander treffen ist das Restaurant von Klaus Miller, der auch Konzerte veranstaltet. Als eines Abends Hati Boran, eine junge Sängerin aus den Freien Gebieten, verschwindet, ist dies der erste Fall für Bernd Aguilar und seinen neuen Roberto.

Der Grundstruktur des Zukunftsthrillers ist nicht unbedingt neu, denn es dreht sich alles um die Frage, inwieweit Roboter den Menschen gleich gestellt sind oder werden können und dem Kampf zwischen Alt und Neu, Technologie und Besinnung. Der Kriminalfall tritt auch in einigen Teilen in den Hintergrund, dafür zeigt Walker einen tieferen Ausblick in die Zukunft als viele andere Krimis, die ich gelesen habe. In diesem Ausblick merkt man Walkers Hintergrund, denn als Mitglied eines Think Tanks, der für Unternehmer und Politiker in die Zukunft blickt, zeigt er auf, wie sich die Welt, allen voran aber Deutschland und die EU, in den nächsten 40 Jahren in politischer und gesellschaftlicher Hinsicht entwickeln kann. Naturkatastrophen oder terroristische Anschläge fehlen völlig, es ist ein Wirtschafts-/Politthriller. Und für mich gerade dadurch viel authentischer und überzeugender als viele andere Werke.

PerCs (Personal Communicators), Roboter und Fahrleitsysteme haben Einzug gehalten, aber trotzdem gelingt es Walker diesen nicht zu viel Gewicht zu geben, sondern eben auch Veränderungen der Struktur aufzuzeigen, gesellschaftliche Änderungen. Die Kluft, welche sich zwischen den Freien Gebieten und den Städten aufgetan hat, scheint fast unüberwindlich und aus diesem Grund, ist klar, dass auf beiden Seiten Unmut entsteht. Pläne werden gefasst, die Freien Gebiete einzugliedern und einzuschränken, aber die Freien wollen sich ihr Recht auf freie Wahl ihres Lebensweges natürlich nicht nehmen lassen. Und ist die Technologisierung wirklich so viel besser? Diese Frage stellt sich, wenn man die neue Generation der APs betrachtet. Fast menschlich, nicht nur in ihrem Aussehen, sondern auch in ihrem Verhalten, schüren sie Besorgnis bei den Menschen, unter anderem auch bei Bernd Aguilar, der sich fragt, ob er seinem Roberto bei den Ermittlungen noch trauen kann.

Wie ich schon kurz erwähnte, tritt der Kriminalfall ab und an in den Hintergrund, doch trotzdem war das Buch für mich sehr spannend. Der Ausblick in die Zukunft war realistisch und beeindruckend, keineswegs überzogen. Das Zukunftsszenario hat dem Krimi Würze verliehen, denn ohne diesen wäre der Krimi nur einer unter vielen. So hat er aber etwas Besonderes. Ich hab das Buch schon vor zwei Wochen beendet und muss jetzt noch darüber nachdenken. Und oft sind es nicht mal die Hauptthemen, die mir in den Kopf hüpfen, sondern Randbemerkungen und Nebensätze, die mich überlegen lassen, die ich prüfe, in dem ich mich frage: Ist das unsere Zukunft? Ich kenne die anderen Krimis von Herrn Walker nicht und weiß auch nicht, ob diese mir liegen, aber Germany 2064 hat mich beeindruckt. Bitte gerne noch so ein Gedankenexperiment Herr Walker, aber natürlich immer mit Krimnalfall!

Fazit:
Ein einfacher, aber spannender Kriminalfall, der in einer überzeugenden und authentischen Darstellung der Zukunft in 40 Jahren, von Mensch und Roboter gelöst wird. Beeindruckend realistisch!

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