Die dunklen Felle

Krimis und Schafe – und Felle (oder Fälle?)

Kugel oder Messer oder was…? : Feindesland – Adam Sternbergh

7 Comments

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Adam Sternbergh – Feindesland
Verlag: Heyne Hardcore
Übersetzer: Alexander Wagner
365 Seiten
ISBN: 978-3453269040
14,99 €

 

 

 

Es ist schon komisch mit diesem Spademan. Früher Müllmann, ist er jetzt Auftragskiller. Nur eine Kugel. Obwohl er ja komischerweise ein Teppichmesser als Waffe bei sich trägt. Nun, sei es drum. Jedenfalls erhält er also telefonisch Aufträge zum Töten. Er bekommt einen Namen (und ein wenig Geld) und läuft los. Doch wie auch schon im letzten Teil „Spademan“ ermordet er auch diesmal sein Opfer nicht. Merkwürdig. Müsste Spademan sich nicht Sorgen um seinen Ruf machen? Wer engagiert denn einen Auftragskiller, bei dem man nicht sicher sein kann, ob er das Opfer denn nun tötet oder nicht? Und, nur damit ich die Erwartungen mal hochstecke: ich wünsche mir für den dritten Teil, dass dies dem Autor bewusst ist und Spademan um seinen Ruf kämpfen muss.

Das jetzt mal nur so nebenbei, denn besagten Auftrag erfüllt er schon in den ersten paar Seiten nicht, doch danach geht die Geschichte ja erst richtig los. Wir befinden uns immer noch im recht verwaisten New York, in einer nahen Zukunft. Sein Auftragsmord heißt Lesser und ist ein Hüpfer, jemand, der in der Sphäre in die Träume und Phantasien von anderen eindringt. Doch als Lesser schreiend aus der Sphäre zurückkehrt, stellt er eine Behauptung auf, die Spademan neugierig macht und ins Grübeln bringt: es wurde jemand getötet – in der Sphäre. Bisher unmöglich, stellt diese Möglichkeit – sollte es sie denn geben – ein großes Problem dar, denn Lesser rückt gleich mit dem nächsten Problem heraus, denn diese Tötung soll nur der Versuchslauf für einen terroristischen Anschlag in der Sphäre gewesen sein. Da Spademans Frau während des Anschlags auf New York umgekommen ist, versucht er alles, um herauszufinden, ob das wahr ist und wie er es verhindern kann.

Wie man in meinem ersten Absatz erkennen kann, nehme ich Spademan den Beruf Auftragskiller nicht mehr so recht ab, ansonsten ist er aber so geblieben wie auch im ersten Band. Ein wenig einsamer Wolf, aber doch mit so vielen Bekannten und treu ergebenen Freunden gesegnet, dass er alle Probleme, die sich in den Weg stellen, lösen kann. Weder New York als Schauplatz noch die Zukunft bietet Neues oder Aufregendes, denn ein Großteil dreht sich ja um die Sphäre. Hier erfährt man tatsächlich einiges an Hintergrundwissen, wie die Sphäre entstanden ist und viele weitere Aspekte.

Mir hat das Lesen viel Spaß gemacht, denn natürlich liest sich „Feindesland“ (im Übrigen wieder eine Übersetzung die mir nicht ganz in den Kopf will, denn im Original heißt es „Near enemy“, was im Buch übersetzt „Naher Feind“ heißt und m. E. auch gut der Titel sein könnte – aber egal) in einem Rutsch weg. Man folgt Spademan durch New York, muss unterscheiden wer die Wahrheit sagt und wer lügt, und kommt so nach und nach dem Geheimnis auf die Spur, was am Ende in einem ausgedehnten und an mehreren Stellen stattfindenden Showdown gipfelt. Sie Stimmung ist düster und bedrohlich, der Schreibstil minimalistisch und prägnant, Spademan der aufrechte Kämpfer, den man sich wünscht (wenn auch eigentlich Auftragskiller) und alles ist am Ende natürlich ganz anders als man dachte. Von daher macht es zwar viel Vergnügen „Feindesland“ zu lesen, doch Neues kann der Thriller leider nicht bieten. Der Autor hat mit dem zukünftigen New York und Spademan sein Metier gefunden und bleibt dort, ohne die Hintergründe viel weiterzuentwickeln und Überraschungen zu liefern, denn die Erkenntnisse über die Sphäre haben mich nicht wirklich überrascht – diese Wendung ist mir dann doch schon einige Male begegnet.

Fazit:
Spademan wie wir ihn kennen: eigentlich Auftragskiller, doch eher Kämpfer der Entrechteten in einem Fall der die Sphäre in den Vordergrund rückt. Leider mit keinen überraschenden Wendungen, sondern anknüpfend an den Vorgänger in bewährter Manier.

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7 thoughts on “Kugel oder Messer oder was…? : Feindesland – Adam Sternbergh

  1. Sehr schöne Review, die alle meine Fragen beantwortet. Ich glaube ich lese das irgendwann mal, aber dringend scheint mir das jetzt nicht zu sein. Viel lieber hätte ich endlich den dritten Teil der Dewey-Decimal-Reihe…

  2. “Kämpfer der Entrechteten” – ich glaube da haben wir das “Problem”. Spademan kann aus meiner Sicht auf Dauer nicht gleichzeitig dieser auf seine Art sympathische Kämpfer der Entrechteten und Auftragskiller sein. Ein richtigen, guten Auftragskiller finden wir auf Dauer nicht sympathisch. Er kämpft auch nicht für das Gute oder ähnliches. So einer kann mal in eine Sache reinrutschen, wie im ersten Teil. Da funktioniert das noch. Dann hätte der Autor aber auch der Versuchung / dem Automatismus widerstehen müssen, das man nicht nur ein Buch schreibt sondern aus allem eine Reihe macht. Die Konstruktion aus dem ersten Buch funktioniert halt nur einmal. Es ist völlig klar, das nun jeder – so wie Du – die Stirn runzelt und ihm den Auftragskiller nicht mehr abnimmt. Nun muss man sich entscheiden ob man den Typen trotzdem cool findet und ihn und seine Abenteuer einfach mag und deshalb die eingangs genannte Schieflage egal ist oder eben nicht (wie ich das zum Beispiel beim Kommentar vom Schneemann rauslese).
    Wahrscheinlich wäre es einfach besser gewesen es bei einem richtig gut gelungenen Buch zu belassen. Einfach mal nur ein gutes Buch schreiben – und dann aufhören. Leider scheint das die größte Herausforderung für jeden Autor zu sein 🙂

    • Der Fluch der Serie – schreibt man ein Buch und hat Erfolg, gerät der Autor und vermutlich auch der Verlag in Entzückung und das Thema muss weiterverfolgt werden. Also kommerziell. Literatisch macht das oft so gar keinen Sinn. Klar, Serien ziehen Leser an – wenn man schon das eine Buch von dem Autor und mit den Figuren gelesen hat und gut gefunden hat, dann muss das nächste doch auch gut sein oder? Selbst wenn nicht, ist dann immerhin schon der zweite Band (und oft auch der dritte Band) verkauft, bevor die Leserschaft realisiert, dass das Thema gar nicht geschaffen ist, um mehrere Bände zu haben. Aber bei so einer Krimiserie kann man ja aus den Vollen schöpfen – man muss noch nicht mal beim Thema bleiben, denn hier gibt es ja immer schön abgeschlossene Fälle (na ja, zumindest meistens). Und irgendwann reitet man dann ein totes Pferd, wie mal eine Bloggerkollegin geschrieben hat – den Vergleich fand ich sehr gut. Spademan wurde m. W. als Trilogie angelegt – ich werde den dritten Teil wohl lesen, da ich Hoffnung habe, dass der Autor Spademan die Möglichkeit zur Reflektion einräumt, aber ob sich das wirklich erfüllt? Wir werden sehen.
      Serien sind an sich schon was nettes, aber wenn man jeder Serie folgen würde, käme man ja zu gar nichts mehr. Ich plädiere daher ja auch immer wieder für Standalones – oft reicht es aber auch – zumindest im Krimigenre – ein Buch der Reihe zu lesen. Dann kann man trotzdem mitreden und sich sein Urteil bilden und ist nicht auf Jahre an den Autor / Verlag gefesselt. 😀

      • Oh, lesen werde ich den zweiten Teil auch 🙂 Dafür hat der Spademan einfach zu sehr was. Ich kann auch ganz gut mit den Unstimmigkeiten leben, auch wenn es schade ist. Vielleicht erfüllt der dritte Teil dann ja unsere Erwartungen.

  3. Habe den zweiten Teil gestern ausgelesen. Spademan ist einfach immer noch eine coole Socke. Klar hat er sich etwas verändert, er hat jetzt quasi eine Familie (und kommt damit mittelmäßig gut zurecht), aber er hat sich immer noch seine zynische, klare Sicht auf die Dinge bewahrt. Die Geschichte ist dieses Mal um einiges größer, fesselt aber wieder von der ersten Seite an und ist gut geschrieben. Ich würde Spademan auch nicht so sehr als “Kämpfer der Entrechteten” bezeichnen, wie Du schreibst. Manche Ungerechtigkeiten stören ihn einfach, er ist neugierig und hat definitiv Stil: “Ein kurzer Hausbesuch wächst sich zu einer fünfzigminütigen Couchsitzung aus. Mit mir in der Rolle des Therapeuten. (Man beachte das der Hausbesuch eigentlich zum Tod des Patienten führen sollte, Anmerkung Dunkelfalke) … Danach ließ ich Lesser natürlich am Leben. Wenn man so eine Geschichte hört, kann man anschließend schwer sagen: Toll. Danke dafür. Doch da wäre noch eine Kleinigkeit.” Einfach genial geschrieben, der gesamte Auftakt. Und damit hatte mich der Autor auch schon eingefangen. Insgesamt gefällt mir auch der Schreibstil wieder sehr gut, damit treibt einen der Autor regelrecht durch den Roman.
    Hat sich also absolut gelohnt, der zweite Spademan und ich freue mich auf den nächsten. Nur soll der hoffentlich nicht zu einem Cyber-Krimi werden, wie das Ende andeutet. Aber da vertraue ich einfach auf den Autor 🙂

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